doch noch weniger als sonst , wie etwas so Enges und Begrenztes ein Menschenleben ausfüllen konnte . » Und du möchtest nicht noch mehr von der Welt sehen ? « fragte er . » Behüte mich Gott ! « rief der junge Kaufmann schaudernd . » Ich bin mit dem zufrieden , was ich hier habe . Sich Gefahren aussetzen , nur durch ein paar Bretter von der Tiefe des Meeres getrennt sein und so seine Tage hinbringen , heißt in jeder Stunde Spießruten laufen ! « Robert geriet immer mehr in Eifer . » Aber tausend neue Schönheiten sehen , immer lernen , immer mehr erkennen und seinen Gesichtskreis erweitern ; ist das denn nicht der Mühe wert ? « rief er . Gottlieb nickte . » Du hast schon recht ! Aber dann lese ich lieber zu Hause die Schilderungen solcher Reisen und lasse mir auf diese Weise neue Erkenntnisse vermitteln . Das macht die Sache angenehmer und billiger . « Jetzt lachte Robert . » Du Erzphilister « , sagte er , » du eingefleischter Spießbürger . Wir wollen uns nicht länger streiten , es kommt dabei nichts heraus , weil wir eben Gegensätze bilden . Aber etwas anderes gibt es noch , wobei wir uns hoffentlich besser verstehen . Gottlieb , wenn du wirklich glaubst , mir einigen Dank schuldig zu sein , - willst du ihn abtragen an meiner Mutter ? Darf ich dich bitten , ab und zu nach ihr zu sehen und ihr beizustehen , wenn es notwendig sein sollte ? « Der junge Kaufmann ergriff die Hand seines Freundes und schüttelte sie herzlich . » Verlaß dich auf mich ! « sagte er fest . Robert gab gerührt den Händedruck zurück . Als er sich von Gottlieb verabschiedete , wußte er , daß die alte Mutter immer einen Halt und einen treuen Helfer in ihm finden werde . Die Trennung von ihr selbst wurde schwer , sie war für beide ein schmerzvoller Augenblick , und nur das feste Gottvertrauen der alten Frau half ihr über die abermalige Enttäuschung hinweg , während Robert bereits das neue Ziel vor Augen hatte und dadurch den Abschied leichter verschmerzte . Um die Erde Am 21. Juni verließ die Gazelle den Hafen von Kiel , um zunächst mehrere Wissenschaftler zu astronomischen Beobachtungen nach der Kergueleninsel im südlichen Eismeer zu bringen . Der eigentliche Zweck der Reise lag jedoch in der Erforschung des Meeresbodens und der Erkundung sicherer und kürzerer Seewege . Die Engländer hatten nacheinander mehrere Schiffe ausgeschickt , hatten bedeutende Entdeckungen gemacht und mit ihren Schleppnetzen in einer Tiefe von 500 Meter das Meer erkundet , - weshalb sollte man es also nicht auch von Deutschland aus versuchen . Die Reichsregierung ließ die Korvette Gazelle für diese Aufgabe ausrüsten , das Schiff ging in See , und schon in den ersten Tagen des Monats Juli wurden Tiefenmessungen vorgenommen , die auf der Höhe von Madeira das Resultat von 4800 Meter ergaben . Robert hatte sich ein kleines , verschließbares Buch angeschafft , in das er jeden Tag die Erlebnisse dieser interessanten Reise niederschreiben wollte . Er war sehr glücklich darüber , diese Fahrt der Gazelle mitmachen zu dürfen , die ihm kein Handelsschiff , aber auch kein anderes Kriegsschiff jemals bieten konnte . Handelsschiffe fahren nur um des materiellen Nutzens willen , sie müssen vor allen Dingen Zeit sparen , daher wählen sie die bekanntesten Verkehrswege , umgehen alle Gefahren und vermeiden jeden Aufenthalt , der nur dem Reeder Geld kostet , ohne irgendwelchen Gewinn zu bringen . Robert wußte zum Beispiel , wie ungern die Handelsschiffkapitäne loten , und daß sie , sobald das Schiff etwa hundert Faden Tiefe unter dem Kiel hat , sofort alle weiteren Versuche aufgeben , also den Grund des Meeres nur in sehr seltenen Fällen kennenlernen können . Um so interessanter waren ihm daher jetzt die Tiefenmessungen , die in bestimmten Zwischenräumen von Zeit zu Zeit wiederholt wurden . In Funchal , der Hauptstadt von Madeira , lag das Schiff nur zwei Tage vor Anker , Robert konnte daher von der Insel nur wenig kennenlernen , desto mehr aber war er jetzt auf den Pik von Teneriffa gespannt , der einige Tage später in Sicht kam , obgleich die Insel selbst nicht angelaufen wurde . Dieser Vulkan , dessen Spitze schon in einer Entfernung von zwanzig Meilen aus dem Meer aufsteigt , war von großartiger , überwältigender Schönheit , und Robert bedauerte lebhaft , nicht zeichnen zu können , um den Eindruck dieses Bildes , so wie es sich ihm bot , für sich festzuhalten . Um den Fuß des Berges zog sich ein üppiger Pflanzenwuchs , der jedoch stufenweise nach oben hin immer dürftiger wurde , bis endlich unterhalb des kegelförmigen Gipfels das Ganze in eintöniges Grau überging . Hier bestand der Berg nur noch aus vulkanischer Asche , Bimsstein und Lava . Auf dem höchsten Gipfel schimmerte es von den letzten Überresten des kaum geschmolzenen Winterschnees , und aus mehreren Spalten drang ständig dichter Rauch hervor . Robert hatte noch keinen Vulkan gesehen , er wäre deshalb am liebsten an Land gegangen und hätte den Berg näher erforscht . Den Dienst an Bord kannte er jetzt genau , und an die strenge Disziplin hatte er sich gewöhnt . Der junge Bootsmannsmaat war bei seinen Matrosen beliebt , von den Vorgesetzten geachtet und durch die Erbschaft seines Vaters ein unabhängiger Mensch , - unter solchen Voraussetzungen wurde diese Reise für ihn wirklich ein großes und schönes Erlebnis . Er hatte jetzt erkannt , wie notwendig es ist , sich an Bord eines Schiffes der Gemeinschaft unterzuordnen . Was er in seinem jungenhaften Übermut nicht einsehen wollte , das hatte er nun gelernt : nicht darauf kam es an , den eigenen Trotz und Willen durchzusetzen , sondern sich zu beherrschen und durch Vernunft und Gehorsam dem Wohl des Ganzen zu dienen . Langsam , wie er aufgetaucht war , versank der Pik von Teneriffa im Meer , und wieder