, nur weiter ! Hat die Frechheit , - nun rathet einmal mit wem ? ein Verhältniß anzuknüpfen - Aber , Cloten , Sie sind unerträglich ! werden Sie endlich einmal mit Ihrer Neuigkeit zu Platz kommen ? Mit Helene Grenwitz ; sagte von Cloten in einem hohlen Geisterton . Nun , das wäre nicht übel ; sagte von Sylow . Das sieht dem Burschen ähnlich ; meinte von Grieben . Hinc illae lacrimae ! sagte Breesen . Und was das Schönste ist , fuhr Cloten fort ; Fräulein Helene hat gar nichts dagegen ; au contraire , ist bis über die Ohren in ihn verschlossen . Ist das nicht allerliebst ? Von wem hast Du denn diese Mordgeschichte , Cloten ? fragte Adolf von Breesen . Aus sehr guter Quelle ; erwiederte Cloten mit einem bedeutungsvollen Zwinkern nach der Gegend des Saales , wo eben Emilie von Breesen , mit Helene sprechend , stand . Hm , hm ! sagte Breesen . Die Geschichte ist nicht unwahrscheinlich , meinte von Sylow . Nun erklärt sich die Leichenbittermiene , die Grenwitzens heut ' ohne Ausnahme machen . Ich sagte ja gleich , daß hier irgend etwas los sei ; meinte von Breesen . Es ist mir übrigens sehr lieb , daß ich mich mit dem Burschen nicht tiefer eingelassen habe , wozu ich anfänglich - ich gestehe es offen - wirklich einige Lust hatte . Der Mensch hat wahrlich etwas ungemein Bestechendes . Er schießt famos , sagte Sylow nachdenklich . Famos oder nicht , sagte Cloten ; ich glaube gar , Ihr Herren , wir lassen uns so viel von dem Menschen gefallen , weil er nicht schlecht schießt . Nein , Ihr Herren , das geht nicht , geht wahrhaftig nicht ! Ich schlage vor , wir suchen unsern Fehler wieder gut zu machen und behandeln den Menschen , wenn er sich wieder unter uns blicken läßt , mit der insignesten Geringschätzung - wahrhaftig ! Auf Ehre ! sagte Graf Grieben , Cloten hat Recht . Ich werde den Burschen das nächste Mal mit der Reitpeitsche tractiren . Schade , daß er nicht hier ist , damit Sie Ihre Drohung gleich in Anwendung bringen können ; sagte von Breesen ironisch . Quand on parle du loup - sagte von Sylow ; da kommt er ja ! Und sein Pylades Oldenburg natürlich bei ihm . Wirklich zeigten sich in diesem Augenblick durch die weitgeöffnete Flügelthür Oswald und Oldenburg in dem Nebenzimmer . Sie sprachen einige Minuten mit einander ; dann trat Oldenburg in den Saal , während Oswald von dem alten Baron draußen festgehalten wurde . Neunundfünfzigstes Capitel Oswald hatte während des ganzen Tages Bruno ' s Bett nur auf Augenblicke verlassen , nachdem er von jener denkwürdigen Unterredung mit Helene zurückgekommen war . Er hatte in der Pflege des lieben Kranken sich selbst zu vergessen gesucht . Bruno selbst vergaß seine Schmerzen , als ihm Oswald erzählte , er habe Helene gesprochen und den Brief in ihre Hände gelegt ; ja er bemerkte nicht einmal Oswald ' s bleiches Gesicht und verstörtes Wesen . Nun ist Alles gut , rief er , jetzt weiß sie , woran sie ist . Jetzt können sie ihr nichts mehr anhaben ; jetzt ist sie auf ihrer Hut . O , der eine Gedanke schon hat mich gesund gemacht . Leider war das aber nicht der Fall . Die Schmerzen in der Seite stellten sich schon nach wenigen Minuten mit desto größerer Heftigkeit wieder ein . Oswald hoffte mit Bestimmtheit , daß Doctor Balthasar sein Versprechen halten und im Laufe des Vormittags kommen werde . Aber der Vormittag verging und kein Doctor ließ sich sehen . Bruno ' s Zustand wurde nicht schlimmer , aber auch nicht besser , und Oswald war zu sehr Laie , um sich zu sagen , daß ein Zustand , der nicht besser wird , sich eben verschlimmert . Indessen ließ es ihm keine Ruhe , bis gegen Mittag , wo der Arzt noch immer nicht gekommen war , ein reitender Bote in die Stadt geschickt wurde . Der Bote brachte freilich die von Doctor Balthasar verordnete Einreibung aus der Apotheke mit , meldete aber , daß der Doctor selbst nicht in der Stadt gewesen sei , und Doctor Braun erst heute Abend zurückkommen würde . Er sei selbst in der Wohnung des Letzteren gewesen und habe dem Mädchen gesagt , daß der Herr Doctor , wenn irgend möglich , doch ja noch kommen möchte . Oswald war dem verständigen Menschen , der selbst an Bruno ' s Krankheit den lebhaftesten Antheil nahm , sehr dankbar für diese Umsicht . Er athmete ordentlich auf , als er hörte , daß Braun , auf den er ein felsenfestes Vertrauen hatte , nicht mehr fern sei . Unterdessen vergaß er nicht , das von dem Collegen desselben verschriebene Mittel anzuwenden , welches indessen sich ohne allen Erfolg zeigte , bis Bruno endlich bat , von dieser nutzlosen Kur abzustehen . So vergingen , eine nach der andern , die langen , langen Stunden , die nur der Kranke kennt , der sich ruhelos auf seinem Lager wälzt , und der , welcher , die Seele voll unaussprechlicher und ach ! so hülfloser Angst an diesem Lager sitzt und auf den Arzt harrt , der nicht kommen , und auf das kleinste Symptom der Besserung , das sich nicht zeigen will . Der alte Baron schickte einige Male hinauf und ließ sich nach Bruno ' s Befinden erkundigen ; kam auch am Nachmittage selbst ; dankte Oswald mit großer Herzlichkeit für seine Sorge , klopfte Bruno auf die heißen Wangen und sagte : wenn er recht bald gesund würde , sollte er auch das Reitpferd haben , das er sich schon so lange gewünscht hätte . Es thut mir leid , sagte er zu Oswald , als dieser ihn zur Thür hinaus begleitet hatte , daß gerade heute die Gesellschaft sein muß . Es wäre mir schrecklich , denken zu