bechert mit ihm , feiert Bacchanale mit einem jungen Mädchen , das durch einen Zufall auf Schloß Neuhof lebt und mit dessen Liebe ihn der Mörder wie umstrickt und bezaubert ... und so umgaukelt der Wahn die verlorne Seele dieses Mannes , daß er den Kammerherrn mit allen Anzeichen der tiefsten Verzweiflung eines schuldbedeckten Gewissens niederschießt , von Tage zu Tage dahintaumelt im wüsten Ersticken seiner mahnenden innern Stimmen , bis ihn nur noch der Becher , zuletzt das Opium heilen ! Dann brach er ganz zusammen ! Er erhebt sich wunderbar ! fiel Bonaventura ein . Wie kannst du den Lebensgang dieses Mannes beurtheilen , ohne die Geheimnisse seiner physischen und geistigen Wiedergeburt zu kennen ? Ihm kann nur wohl sein in der Flamme ! entgegnete Benno ablehnend . Frieden und Betäubung kann er nur finden im Kriege ! Wenn ich ihn sehe , wie er auf den Straßen dahinschreitet mit dem Korbe oder dem Topf oder einem Buch in der Hand , dann ist ' s mir doch , als sollt ' ich das Leben seines Vaters von ihm fordern ! Denn der Kronsyndikus ist längst entlastet . Wer eine solche Schuld auf die Schultern eines Sohnes werfen kann , der geht selbst vor Gott frei aus . In jeder Zeile , die ich vom Pater Sebastus lese , find ' ich - ich bin ein Fremdling eurem Volke und doch wurde mir Deutschland zur Mutter - Muttermord - Rom segnet die Thaten - so liebevoller Söhne ! Beide waren erregt schon lange aufgestanden , wandelten schon lange den Thoren zu ... Bonaventura , in den Abschied vom Dechanten zurückversetzt , verfiel in ein ernstes Schweigen ... Selbst sein gewöhnliches Wort zu Benno : Was ist denn dir das alles , dir , dem jede Offenbarung Täuschung , jeder Glaube , das Wissen selbst eine bloße Befangenheit der Sinne , eine Tradition ist von den Blinden an die Blinden über die Farbe , von den Tauben an die Tauben über den Ton ? selbst das behielt er heute zurück ... In dem engen Gewirr der Straßen wurde es dunkler und dunkler . Die Menschen strömten heimwärts von manchem Ausflug , zu dem der schöne Abend verlockt hatte . Schon lange wollte Bonaventura , der aus seinen Träumen früher erwachte als der seltsam ergriffene Benno , diesen aufmerksam machen , daß ihn seit dem einsamen Häuschen oben am Strome jemand umkreiste , der offenbar darauf aus schien ihn anzureden und schon mehrere male gegrüßt hatte , ohne daß Benno davon Notiz nahm . Wie der Zudringliche sich immer wieder hinter ihnen hielt , dann wieder etwas schneller ging , um nur grüßen und sich bemerkbar machen zu können , machte Bonaventura den Freund zuletzt auf eine vielleicht ihm willkommene Bekanntschaft aufmerksam . Ich sah ihn schon ! sagte Benno halblaut . Ich mag ihn nicht grüßen ! ... Jetzt aber war der Begleiter zu dicht herangekommen und seinem tiefgezogenen Hute und der Anrede : Guten Abend , Herr von Asselyn ! mußte ein Wort der Berücksichtigung folgen . Guten Abend , Herr Hammaker ! sagte Benno kalt . Nach dem Gedräng an einer der innern Thorpforten kam eine ruhigere Straße . Gerade hier schritt der durch Ton und Geberde von Benno kurz Abgewiesene vor ihnen noch lange her . Es war eine kurze , dicke , breitschulterige Gestalt mit einem weißen Sommerhut und grauem kurzen Rocke . Jetzt , wo er endlich bemerkt worden war , ging er schlotternden , langsamen Ganges und die Hände hinten in den Rocktaschen zusammengehalten , während sie zugleich wie von der Tasche heraus einen zu seiner nicht ungewählten Kleidung fast im Widerspruch stehenden Knotenstock auf dem Pflaster nachklappern ließen . Das ganze Wesen des vielleicht den Fünfzigen nahen Mannes war eine gemachte Festigkeit und bewußte Sicherheit , die an Frechheit streifte . Noch einige male grüßte er - dahin und dorthin - gewöhnlich ohne eine besonders freundliche Erwiderung zu erhalten ... Mancher dankte gar nicht , wie fast auch Benno gethan . Am falben Scheine des Mondlichts und dem fortwährenden Umblick nach Benno hin wurde ersichtlich , daß breite wulstige Gesichtsformen dem Wuchse entsprachen ; des Mannes Haar war weißer , als mit seinen scheinbar noch nicht zu weit vorgeschrittenen Jahren im Einklang stand . Als diese Persönlichkeit endlich in eine enge Gasse eingebogen , sagte Benno : Wieder einer von deinen Würmern , die man in heiligen Dingen ertragen und nicht sehen soll ! Wenigstens , wenn ich mir die Unbefangenheit der Beurtheilung meines Procurators über ihn erhalten soll ! Benno schilderte jetzt den Mann , den er Jodocus Hammaker genannt , als einen Agenten , der , wie man sagte , mit Nück in engster Verbindung stand . Was Nück nicht auf eigene Hand vollführe , übernähme Hammaker . Früher , in seiner Heimat , drüben in der Kette der Sieben Berge , selbst Advocat , hätte er Wuchergeschäfte getrieben . Diese hätten ihn zum Verbot der eigenen Praxis geführt und doch hätte er sich nach mancherlei Irrfahrten wieder aufschwingen können , da ihn Nück , jedenfalls anfangs nur aus Mitleid , hier in der Stadt beschäftigte . Allmählich wäre er Nück ' s Vertrauter geworden in solchem Grade , daß sie selbst noch jetzt , wo sie sich offenbar haßten , zusammenhalten müßten . Ihr Haß sollte auf dunkeln Dingen beruhen . Ja man spräche von einem Mordanfall Hammaker ' s auf Nück . Eines Tages , erzählte Benno , hatte Nück sich eingeschlossen ... Das wäre sonst bei ihm nichts Seltenes gewesen , sagt man , kam aber immer nur vor , wenn Hammaker in der Nähe war . Nachdem Hammaker im Garten , in den das Arbeitszimmer des Procurators hinausgeht , an jenem Tage eilenden Schrittes war gesehen worden , pochte man an Nück ' s von innen verschlossene Thür . Daß er sich drinnen befinden mußte , wußte man durch seinen Hut und Stock , die im Vorzimmer lagen . Man pochte , niemand öffnete . Nun