munter , daß er , anstatt nach Hause zu gehen und auszuruhen , sich bis zum Morgen in verschiedenen Zechstuben herumtrieb , wo die unermüdlichsten der Künstler die zweite Nacht ohne Schlaf bei Wein und Gesang vollendeten . Auch sagte ihm ein schlauer Instinkt , daß er , wenn er anders das tüchtige Erlebnis , das tatkräftige Gebaren , das ihn lockend durchfieberte , nicht verlieren wollte , die Sache nicht vorher beschlafen und mit der Einkehr in seine Behausung und bei sich selbst etwa auf nüchterne Gedanken kommen dürfe . Er sah jetzt nur das Kreuzen der glänzenden Klingen , mit welchem er das Dasein Gottes entweder in die Brust des liebsten Freundes schreiben oder es mit seinem eigenen Blute besiegeln wollte . Beides reizte ihn gleich angenehm , und er dachte daher an Ferdinand mit ungewöhnlicher Zärtlichkeit , wie an ein köstliches Pergament , auf welches man seine heiligste Überzeugung schreiben will . Der Morgen ging endlich auf , und Heinrich eilte an den verabredeten Ort . Unterwegs kam er an seiner Wohnung vorbei ; aber er ging nicht hinein , um nur das Geringste zu besorgen , sondern eilte hastig weiter . An einem Brunnen wusch er sich sorgfältig Gesicht und Hände und ordnete seine Kleider , und darauf trat er frisch und munter , mit seltsam gespannter Lebenskraft , in Ferdinands großes Atelier , wo schon alle Beteiligten versammelt waren . Man hatte kurze dreikantige Stoßdegen gewählt , welche mit einer vergoldeten Glocke versehen waren , sehr hübsch aussahen und Pariser genannt wurden . Jeder nahm seine Waffe , ohne den andern anzusehen ; doch als sie sich gegenüberstanden , mußten sie unwillkürlich lächeln und begannen mit sehnsüchtiger Lust die Klingen in behaglicher Langsamkeit aneinander hingleiten zu lassen . Sie standen gerade vor dem wandgroßen Bilde , auf welchem die Bank der Spötter gemalt war . Das schöne Bild glänzte im Morgenlicht und in all seiner festen vollen Farbenpracht , und die Spötter schienen die Kämpfenden neugierig und launig zu betrachten . Der Abbé nahm seine Prise , der Alte schlug ein Schnippchen , und der Taugenichts hielt die Rose vor den höhnischen Mund . Bis jetzt war das Fechten ein Spiel gewesen , bei welchem nichts herauskommen konnte , da jeder mit Leichtigkeit die Stöße des andern übersah und parierte . Die scharfgeschliffenen Spitzen , welche vor ihren Augen herumflirrten , übten aber eine unwiderstehliche Lockung , und beide gingen fast gleichzeitig in ein rascheres Tempo über . Heinrich , welcher der Hitzigere und Betörtere war , in welchem auch eine Menge Weines glühte , wurde noch ungestümer und entschiedener , und unversehens trat Lys mit einem leisen Schrei einen Schritt zurück und sank dann auf einen Stuhl . Er war in die rechte Seite getroffen , das Blut tropfte erst langsam durch das weiße Kleid , bis der Arzt die Wunde untersuchte und offenhielt , worauf es in vollen Strömen sich ergoß . Nach einigen Minuten , während welcher Ferdinand sich munter und aufrecht hielt , beruhigte der Arzt die Anwesenden möglichst und erklärte die Verletzung zwar für gefährlich und bedenklich , aber nicht für unbedingt tödlich . Die Lunge sei verletzt , und alle Hoffnungen oder Befürchtungen eines solchen Falles müßten mit ruhiger Vorsicht abgewartet werden . Heinrich hörte dies aber nicht , obgleich er dicht bei dem Verwundeten stand und denselben umfaßt hielt . Er war nun totenbleich und sah sich ganz verwundert um . Die Kraft verließ ihn , und er mußte sich selbst auf einen Stuhl setzen , wo er wie durch einen Traum hindurch das rote Blut fließen sah . Erikson , welchen es trieb , die Freunde aufzusuchen und , da er sich nun geborgen sah , in gemütlichem Scherze den verunglückten Ferdinand zu trösten und etwas zu hänseln , trat jetzt ein und sah mit Schrecken das angerichtete Unheil , nicht wissend , was es bedeute . » Was zum Teufel treibt ihr denn da ? « rief er und eilte bestürzt und besorgt auf Ferdinand zu . » Nichts weiter « , sagte dieser schmerzlich lächelnd , » der grüne Heinrich hat nur die Feder , mit welcher er seine Jugendgeschichte geschrieben , an meiner Lunge ausgewischt - ein komischer Kauz - « Weiter konnte er nicht sprechen , da ihm Blut aus dem Munde drang und eine tiefe Ohnmacht ihn befiel . Vierter Band Erstes Kapitel Da der wunderliche Zweikampf in Ferdinands Wohnung vorgefallen war und der schwer Verwundete ohne Aufsehen daselbst gepflegt wurde , so konnte der unglückliche Vorfall ohne Mühe gänzlich geheimgehalten werden . Es wurde ausgesagt , Lys habe eine Reise angetreten , und Heinrich hielt sich ebenfalls in seiner Werkstatt verschlossen , ohne sich sehen zu lassen . Agnes saß in trostloser Traurigkeit in ihrem Häuschen ; sie hatte die vorgebliche Abreise Ferdinands vernommen , daß er weit , weit fortgegangen sei , und wähnte der alleinige Grund dieser plötzlichen Entfernung zu sein . In der Stadt hatte sich das Gerücht gebildet , daß das seltsame Mädchen sich an dem Feste höchst leidenschaftlich und ungebärdig übernommen , sich berauscht und so den reichen Holländer , dessen Hand ihr schon sicher gewesen sei , von sich abgeschreckt und zu eiliger Flucht bewogen hätte . Diese Sage drang auch in ihr Haus , die zornige Mutter , welche eine geborgene glanzvolle Zukunft sich entschwinden sah , überhäufte die Arme mit ihren singenden monotonen Vorwürfen , und so saß Agnes , welche selbst einen Teil dieses Geredes für wahr hielt und sich schuldig glaubte , voll Scham und Furcht und in verlorner Sehnsucht da . Da Heinrich in jener Nacht über dem Streite mit Ferdinand ganz seine Absicht vergessen hatte , Agnesens Mutter von dem Unfalle zu benachrichtigen , und also weder diese noch Ferdinand , noch Heinrich wieder in dem Landhause erschienen , so hatte sich das verlassene Mädchen aufgerafft und entschieden begehrt , in die Stadt gebracht zu werden . Sie war daher in einen Wagen gesetzt und durch die Gärtnersfrau begleitet