in den Logen , schüttelte sich die Hände ; aus den Logen ging man ins Parterre , und unversehens hatten einige Allzeitfertige aus Brettern und Stühlen eine Art Treppe nach der Bühne gebaut . Das Stück war ja zu Ende , nur den Vorhang hatte man herunterzulassen vergessen - oder auch nicht vergessen . Während junge Enthusiasten hinaufsprangen , den Schauspielern die Hände schüttelten , winkten Andere den Darstellern herabzukommen . Bald sah man Iffland in seiner stattlichen Armatur als Wachtmeister im Kreise der Offiziere , seiner Freunde . Er spielte nicht den Wachtmeister , er war es . Er war ein Patriot von Herzen , und von Herzen redete er feierliche Worte von Aufopferung und Treue . Seine jungen Verehrer drängten sich , ihm in die Hand zu schlagen , als Gelöbniß , daß sie leben oder sterben wollten für König und Vaterland . « In der Erhebung des Augenblicks fand Niemand darin Seltsames , daß der Schauspieler den Ernst des Lebens repräsentirte ; aber auch heitere Scenen mischten sich in diesen heroisch theatralischen Ernst . Es hat sich von je an gefügt , seit es Offiziere gab und Juden , daß Beide in gewissen Verhältnissen zu einander stehen , Verhältnisse , die , in der Jugend sehr intim , sich oft erst im Alter lösten , zuweilen auch gar nicht . Da sah man einen bekannten jüdischen Handelsmann , welcher später , vielleicht auch damals schon , den Namen Gans führte und für einen witzigen Mann galt , an den Armen zweier Lieutenants umherstolziren , oder besser er umschlang sie mit seinen Armen , und den Begegnenden versicherte er , in diesen beiden Freunden opferte er seine theuersten Erinnerungen dem Vaterlande ! Unzelmann , als Trompeter , streifte am Arm eines hübschen Kavallerie-Offiziers durch das Parterre . Wer dafür noch Sinn hatte , blickte neugierig verwundert nach . Der junge blonde Offizier nahm das spöttische Lächeln seelensvergnügt hin , Unzelmanns komische Miene deutete aber an , daß ihn der Sinn nicht verletze . » Unzelmann und Quast Arm in Arm ! « - » Unzelmann spielt heute seine Frau . « Er rief den Spöttern nach : » Beschämte Eifersucht wird nicht mehr gespielt , meine Herren , « - » denn Eifersucht ist das größte Ungeheuer ! « replicirte ein junger Schöngeist , der die alten Spanier studirte . » Und gegen das größte Ungeheuer , « fiel der Schauspieler eben so schnell ein , » ziehen unsere braven Truppen . « Auch » Menschenhaß und Reue , « meine Herren , wird nicht mehr gegeben , » denn wir brauchen allen Menschenhaß gegen die Franzosen . « - » Und , « setzte ein dritter Witzbold hinzu , » ein Lump , wer nicht sein Bestes und sein Schlechtestes mit seinem Alliirten theilt . « - Anspielungen , die damals Jeder verstand , auch viele Jahrzehnte nachher hat sich die Erinnerung erhalten ; nicht werth um ihrer selbst willen , aber von Werth zur Charakteristik einer Zeit , die längst von den Springfluthen der Geschichte fortgespült und von ihrem mächtigen Strom auf immer verschüttet scheint . Nicht die Frivolität ist begraben , aber in dem luftigen Kleide von damals darf sie sich der Gesellschaft , in keinem ihrer Kreise , nicht mehr zeigen . Enthusiasmus , wohin man sah , aber es fehlte noch etwas : ein Schluß , der dem Anfang entsprach , ein Siegel auf die fertige Urkunde gedrückt . Wozu die ganze Aufregung ohne ein Ziel ? Aus dem Theater sind später Revolutionen hervorgegangen , aus der » Stummen von Portici « stürzten die berauschten Zuschauer , um die Funken des Bühnenfeuers als Brand auf den Markt zu tragen . Dazu war hier nicht der Ort , nicht die Zeit , nicht die Menschen . In den geschlossenen Theaterräumen hallte der Ruf : » Krieg ! Krieg ! Zu den Waffen ! « trefflich , aber wären sie hinaus gestürzt , was dann ? Wie klein wäre die Zahl gewesen , wie bald zerstreut auf den breiten Straßen ! Hätte Jeder sich gern in der Gesellschaft der Andern erblickt , Derer , die vielleicht ihnen da zuströmten ? Und was sollten sie thun ? Vor das Palais des Königs rücken , dort Fackeln schwingen , wild schreien : Krieg ! Krieg ! Was würde dieser König , der , dem Ungewöhnlichen , Exaltirten abhold , seine Person scheu von aller Repräsentation zurückzog , zu einem brüllenden Haufen sagen , der ihn zu einer Handlung zwingen wollte , die er vielleicht schon beschlossen hatte ? Würde es nicht gerade das Mittel gewesen sein , das Wort , das sich von den Lippen lösen wollte , in die tiefste Brust zurück zu schrecken ? Er musste zürnen , und erzürnen wollte Niemand den geliebten Monarchen . Aber etwas musste geschehen , das fühlte Jeder ; so konnte man nicht auseinander gehen . Die Logenschließer hatten unter den Enveloppen der Damen Blumenkränze gesehen , oder waren es schon Lorbeerkränze ? Auf irgend ein Haupt sie zu drücken , dazu waren sie doch mitgenommen . Aber wo war das Haupt , wo der Eine , der eine solche Masse wecken , begeistern , führen konnte ? - Wohl gab es Einen , einen noch jugendlichen , genialen Prinzen vom kühnsten Geist und bewährten Muthe . Sein Schwert hatte Franzosenblut getrunken , ritterlich hatte er sich mehr als einmal in die Schaaren der Feinde geworfen und - dem unüberwundenen Helden hätte man alle seine Schwächen vergeben , er wäre der Mann des Volkes gewesen , und wäre er vorgesprungen , da auf eine Erhöhung , und hätte den Degen blitzen lassen im Scheine der Theaterflammen , nur wenige kräftige Worte , - möglich war es , daß es ein Ernst ward , dessen Folgen Niemand berechnet . Aber diesen Einen fesselten Rücksichten , er knirschte im verhaltenen Grimme in seinen vier Wänden ; er zückte den Pallasch , um ihn wieder in die Scheide zu stoßen , er