alte Baron stand abseitig und stieß mit der Fußspitze an die Scherben der Gläser , als wollte er deren Inhalt untersuchen . Er hatte , sobald Karl Buttervogel seiner wundersamen Entdeckungen quitt geworden war , die Pistole sinken lassen und seine Augen nahmen allgemach einen seltsam-irren Ausdruck an . Zuweilen warf er dem Schläfer einen scheuen Blick von der Seite zu und murmelte dabei : » Nicht einmal ein Mensch , nur ein Munkel , o pfui , und ihn du genannt - pfui - pfui ! « - Die Interessenten rieben mit sonderbaren Gebärden die Stirnen , Semilasso rezitierte französische Verse , der Ehinger hieb mit dem Stocke auf den Boden , die drei Unbefriedigten kehrten ihre Sammetkappen um , so daß die Schirme hinten zu sitzen kamen . Draußen pfiff der Wind , das alte Schloß bewegte sich in seinen Grundfesten und die Sonne sah durch den weißen Dunst , in ihrem Strahlenlichte geschwächt und entstellt , wie ein riesiger gelber Eidotter zum Fenster herein . Alle fühlten , daß ihre Vernunft im Schwanken war , und nur Karl Buttervogel war mit seinem Lose zufrieden . Er saß hinter dem Bette und dankte Gott , daß er durch einen Verrat zur rechten Zeit dem drohenden Pistolenkolben entgangen war . In dieser allgemeinen Not und Bedrängnis erschien der Schriftsteller wieder als der einzige noch übrige Halt ; und alle wiederholten ihre Frage an ihn : » Wer ist er denn eigentlich ? « » Meine Herren « , versetzte der Schriftsteller , » ich weiß es nicht . « » Wie ? « » Mir ist vielleicht mehr von seinen Lebensumständen bekannt als Ihnen « , sagte Immermann , » wer er aber eigentlich ist , das weiß ich so wenig , als Sie . « Eilftes Kapitel Der Brief eines Erbprinzen rettet den Helden vor der Polizei » Wenn er nur erst sitzt , so wollen wir es bald herauskriegen « - mit diesen Worten betrat der Bürgermeister , den kein Waffenstillstand mehr hemmte , gefolgt von seinem Untergebenen , die Stube . - » Denn solche Angaben , wie ich zum Teil unten vor dem Fenster gehört habe , streiten gegen alle Wahrscheinlichkeit und dadurch lasse ich mich nicht irremachen « , setzte der entschlossene Mann hinzu und gab dem Polizeisoldaten Marzeters den Befehl , Münchhausen , wenn er nicht erwachen wollte , aufzuheben und fortzutragen . Marzeters näherte sich dem Bette . In diesem Augenblicke aber erwachte der ganze Enthusiasmus der Anhänger . Ohne an ihre Spaltungen zu denken , die unheimlichen Entdeckungen über des Freiherrn Persönlichkeit vergessend , scharten sich die Unbefriedigten und der Ehinger um das Lager , entschlossen zum äußersten Widerstande gegen die öffentliche Macht , welche ihnen den Helden ihrer Hoffnungen und Aussichten rauben wollte . Selbst Semilasso vergaß seinen Stand und stellte sich als Kamerad dicht neben den Ehinger , denn er dachte nur an sein Institut nach dem Muster von Trakehnen und an weiter nichts sonst . Vergebens war es , daß der Bürgermeister Gehorsam dem Gesetze forderte , die Interessenten riefen , dieser Mann sei über dem Gesetze . Der Bürgermeister aber , der in seinem Amte nicht mit sich scherzen ließ , sagte zu Marzeters : » Der Kerls sind zu viele und wir stehen gegen die Übermacht , also lauft und holt Bauernhülfe , Landsturm aus der nächsten Nachbarschaft ! Haben müssen wir ihn ! « - » Ihn « , wiederholte Marzeters und lief fort . Auch die Drohung schreckte indessen die Anhänger nicht , ihre Mienen wurden nur noch entschlossener . Die Unbefriedigten krempelten ihre Rockärmel auf , der Ehinger schwang seinen schweren Prügel , Semilasso zog sogar einen türkischen Dolch , von dem er behauptete , er sei an der Spitze vergiftet . Alles redete durcheinander und die Szene schien sich zu einem Blutvergießen anzulassen , wenn die aufgebotene Hülfe wirklich herbeikam . In diesem Gewirre hatte sich der Schriftsteller dem Kopfende des Bettes genähert und der Freiherr flüsterte ihm aus seinem Schlummer unhörbar für die anderen zu : » Es hilft nicht , das letzte Mittel muß gebraucht werden , brauchen Sie es ! « - Als nun das Getöse am heftigsten tobte und der Bürgermeister schon rief : » Da kommen ja die Bauern ! « zog der Schriftsteller rasch einen Brief mit großem Siegel aus der Tasche und sprach mit lauter Stimme : » Im Namen des Hofes , in dessen geheimen Diensten ich zu stehen die Ehre habe , bitte ich um Ruhe und Gehör . « Der Lärmen verstummte , das Siegel wurde besehen , von Semilasso und von dem Bürgermeister in seiner bedeutenden Eigenschaft anerkannt , von den anderen nicht bezweifelt . Der Bürgermeister rief den Bauern , die inzwischen vor dem Schlosse angekommen waren , zu , sie sollten unten warten , der Schriftsteller aber eröffnete der ganzen Versammlung , daß dieser Mann , an den sich so viele Forderungen und Erwartungen knüpften , fernerhin nicht mehr dem Privatleben angehören könne , am allerwenigsten ein Gegenstand polizeilicher Verfolgung sei , sondern zu hohen Dingen , zu einer öffentlichen Stellung berufen , nunmehr in eine ganz andere Spähre übergehe . Der geistreiche Erbprinz von Dünkelblasenheim wähle ihn nämlich zu seinem Gesellschafter und Vertrauten . Obgleich nun das Gebiet , auf dem sich unsere Geschichte ereignete , nicht zu Dünkelblasenheim gehörte , und obgleich die Anwesenden , außer Semilasso , kaum früher von dem Lande Dünkelblasenheim gehört hatten , so wirkte doch die bloße Erwähnung eines Hofes mit magischer Kraft auf die Loyalität sämtlicher Versammelten . Kein Wort wurde laut , in den Mienen sprach sich Hingebung und Unterwürfigkeit unter die Beschlüsse irgendwelches Erbprinzen aus ; der Bürgermeister nahm seine Mütze ab . Der Schriftsteller erbrach den Brief und las folgendes Berufungsschreiben vor : » Ich erwarte Sie mit Ungeduld . Nie habe ich mich auf jemand so gefreut , wie auf Sie . Seitdem ich Sie im Bade zu * sah , nahmen Sie mir Kopf und Herz