hatte nur die eine Thür , welcher man sich jetzt von Außen immer mehr näherte . Kein Schlupfwinkel , kein Raum war zu ersehn , und beinah außer sich schweiften die Blicke der Verrathenen umher . Da zeigte Maria sprachlos auf das Fenster , wovor noch Electas Schleier ausgebreitet hing , und Lanci schlüpfte ohne Bedenken dahinter , da schon an die Thür gepocht ward und jede Zögerung beim Oeffnen Verdacht erwecken konnte . Maria legte sich schnell nieder , und Margarith eilte zu öffnen , doch fuhr sie fast mit einem Schrei zurück , als sie Pater Johannes vor sich sah , der mit seinem tückischen , lauernden Blick sie und das Zimmer , in das er einschritt , überflog . Nichts als Kranke finde ich , rief er , Maria ' s Lager näher kommend , wahrlich große Unordnungen , man kann nicht wohl abwesend sein , ohne es bereuen zu müssen ! Nun was fehlt denn ? Bloße Einbildungen , nicht ? Frauentücken ? Kenne dergleichen , wird sich finden . Maria war im ersten Augenblick vom Schreck und Schwäche so überwältigt , daß sie nicht zu sprechen vermochte ; der Unmuth stieg aber heiß empor , und abgebrochen , aber deutlich sprach sie jetzt : Pater Johann , ich glaube , wir haben uns Beide zu genau kennen gelernt , als daß Ihr mich einer Verstellung fähig halten solltet oder ich Euch zu täuschen suchen möchte . O ! rief Margarith , Muth gewinnend , Hochwürdiger Herr , glaubt doch dies nicht ! Sterbend war die arme Lady diese Nacht ; sie hatte ganz starre Glieder und war ganz sprachlos , und wär ' ich nicht dazu gekommen , hätte die hochwürdige Lady sie erwürgt . Ihr seht noch das Blut am Kopfe von ihrem Falle , als die Lady sie nieder warf . Schweig , rief der Pater ihr zu , wer fragte Dich , und wie kommst Du überhaupt hieher ? Wer hat Dir erlaubt , hier Pflege zu übernehmen ? Ihr eigenes menschliches Herz , Sir , rief Maria , da ich , von aller Hülfe verlassen , den grausamsten Mißhandlungen preisgegeben war . Habt Erbarmen und laßt sie nicht büßen dafür , daß sie mir vielleicht das Leben rettete ; ich will alles dulden , was Euer Unmuth über mich verhängt , nur dies Mädchen treffe nicht Euer Zorn . Pater Johannes warf einen finstern Blick auf Margarith , aber er hielt inne , als spare er ihr Theil ihr wenigstens noch auf . Sodann zu Maria sich wendend , ergriff er ihre Hand und prüfte lange schweigend ihren Puls . Unruhig geht er , fieberisch , vollblütig , murmelte er abgerissen ; hat nichts zu bedeuten , fügte er hinzu , sie loslassend . Etwas Seeluft wird gut thun . Steht nur auf und haltet Euch zu einer kleinen Wasserfahrt bereit ; um Mittag wird der Wind gut gehen , dann werdet Ihr dies Schloß , was Ihr so haßt , verlassen , und die kleine Ueberfahrt nach Frankreich wird Euch schneller herstellen , als Ihr denkt , setzte er höhnisch hinzu , das tödtliche Erschrecken , das sich auf Marias Zügen zeigte , mit Schadenfreude bemerkend . Großer Gott ! schrie Margarith , das Fräulein soll sterbend , wie sie ist , auf die See ? Ist das zu glauben ? Erbarmt Euch doch , hochwürdiger Herr , sie stirbt Euch ja unterwegs ! Schweig ! rief er , wild auffahrend und gegen Margarith so anlaufend , daß diese voll Entsetzen zurückwich , bei dem engen Raume des Zimmers aber unglücklicherweise in den Schleier Electas sich verwickelte , und nun , doppelt entsetzt für die Folgen zitternd , zu schwanken begann und nach manchem Versuche , sich aufrecht zu erhalten , vor dem keifenden Pater niederfiel . In diesem Augenblicke riß der Schleier von seiner schwachen Befestigung und zeigte dem Pater einen Anblick , der ihn in ein so ungemessenes Erstaunen versetzte , daß seine scheltenden Worte augenblicklich verstummten . Er wandte seine Blicke von Maria zu Margarith und Lanci , und Erstaunen , Wuth und Freude , sie ertappt zu haben , sprachen gleich stark aus seinem anschwellenden Gesicht , während Lanci mit einem kräftigen Sprunge über das verhüllende Gewand setzte und Margarith die Hand reichte , aufzustehen , ohne dem Pater eine größere Aufmerksamkeit zu schenken , als nöthig war , ihn eben bei seinem Sprunge nicht umzuwerfen . Man sah dagegen deutlich , daß der Pater Johannes fast verwirrt war von dem reichen Stoffe , der sich hier darbot , um Zorn und Verfolgung und alle bösen Absichten , die er für die Anwesenden in seinem Herzen trug , auszulassen . Zweifelhaft , wie er vernichtend genug sich sogleich ausdrücken sollte , ließ er als Vorspiel in Augen und Mienen lesen , was sie zu erwarten hatten . Das Demüthigende dieser Lage machte aber eine so lebhafte Anforderung an Marias Gefühl , daß sie alle ihre Kräfte aufbot , um Schreck und Schmerz zu überwinden . Ihr habt nicht nöthig , Pater Johann , sprach sie ernst und zürnend , indem sie sich aufrecht setzte , die Beleidigungen auszusprechen , die Euer müßiges Erstaunen genugsam angekündigt . Dieser Jüngling ist allerdings vor Euch verborgen worden , wißt es aber Euch selbst Dank , daß selbst die unschuldigsten Dinge dem , der sie thut , noch Furcht vor Eurer Auslegung einflößen , ich sage Euch , jedoch - - - Und ich sage Euch , brüllte Pater Johann , in namenloser Wuth sie unterbrechend , daß jetzt über Euch alle der Stab gebrochen ist , daß ich genug von diesem Buben weiß , um einzusehn , in welcher Verbindung Ihr mit ihm stehn mögt , daß mir Krankheit , Pflegerin und Gesellschafter , alle diese verschiedenen Machinationen , mich zu hintergehn , ganz klar sind und Alles geschehn wird , zweifelt nicht , Euch so zu stellen , daß Ihr es bereuen werdet . Ganz gut , sagte