nicht heilsamen Beschaffenheit . Er trat in sein Haus . Dort saß Hermann , wie gewöhnlich , ruhig über den Büchern . » Sie haben Ihren Oheim getötet ! « rief er ihm mit strengem Tone zu . Gelassen versetzte Hermann : » Warum schelten Sie mich ? Ich meinte es gut ; konnte er sich nicht zufriedengeben , da er hörte , daß der wilde Knabe ihn nichts angehe ? « Achtes Kapitel Eine solche Wendung war den Mächten , welchen das menschliche Dasein nur zu leicht verfällt , gelungen . Voraussicht , Klugheit , Berechnung waren zuschanden gemacht worden , ein furchtbarer Blitz hatte sein grelles Licht auf die Nichtigkeit frommer Zuneigung geworfen , den fürsorglichsten Mann riß das Schicksal mitten aus ungeordneten Verhältnissen in Verzweiflung hinweg . In einem Hause , worin nur der Verstand galt und anerkannt wurde , hatte der widersinnigste Aberglaube seine Flügel , bis zum Wahnwitz treibend , schwingen dürfen , und über Lippen , die nicht wußten , was sie sprachen , war das Geheimnis der Familiensünde elementarisch gesprungen . Diesen Ausgängen war hier niemand gewachsen . Die Arbeit stockte , mutlos schlichen die Geschäftsleute umher . Man mußte an die Bestattung der Leiche denken , und auch da zeigte es sich , daß der Zorn jener dunkeln Gesetze , welche in ihr volles Recht hier eingesetzt zu werden forderten , noch nicht vorüber sei . Theophilie , von welcher man den Schlüssel zum Erbbegräbnisse wiederverlangte , weigerte sich , ihn zu geben , und berief sich auf die Entsagungsurkunde , welche der Oheim an seinem letzten Lebenstage ausgestellt hatte . Man bewog den Prediger , zu ihr zu gehn , der denn auch alle Beweggründe der Milde und Versöhnlichkeit anwendete , ihren Willen zu beugen . Sie ließ ihn ruhig ausreden und sagte dann : » Ich ehre diese Grundsätze des Friedens , aber man kann verschiedne Wege gehn , die alle recht und gut sind . Auch die Vergeltung hat ihre Ehren . Ich bin die Rächerin meiner Familie . Er hat uns im Leben aus unsrem Eigentume getrieben , dafür versage ich ihm die Ruhe bei meinen Toten . Immer noch eine sehr glimpfliche Rache , sollte ich meinen . Das Geheimnis , welches ich wußte , wäre mit mir zu Grabe gegangen , der Schlaf verriet es einem fremden Ohre ; nun wurden Versprechungen gewechselt , und Briefe den Flammen übergeben , um es ja recht sicher zu bewahren . Aber ein kindischgewordner Geist plaudert es wider Willen und Absicht dem Sterbenden aus , und stößt ihm damit das Herz ab . Ich finde etwas Großes und Göttliches in diesem Hergange ; er erinnert an alte Märchen , worin Bachwellen und rauschende Baumzweige das Tiefverborgne an den Tag bringen . « Da er sah , daß sie nicht zu überreden war , so stand er ab ; man beschloß , kein Aufsehn zu erregen , indem man Zwang gegen sie versuchte . Die Menschen hatten durch die stattgehabten Ereignisse alle Besinnung verloren . Einer schlug vor , den Oheim im Mausoleum zu bestatten , wie er ja selbst verfügt habe , und die andern billigten seinen Rat , zu dessen Ausführung alles in Bereitschaft gesetzt wurde . Aber die Natur hat zuweilen in ihrem tiefen Busen ein Gefühl für Wahrheit , und will nicht dulden , daß das ganz Unschickliche geschehe . In der Nacht wurden die Bewohner des Dorfs von einem Getöse erweckt , in welchem sie bald das Rauschen stürzender Fluten erkannten . Man machte sich mit Fackeln und Windlichtern hinzu , und sah bei deren Scheine den Bergweg zum schäumenden Wasserfalle verwandelt . Unten im Dorfe flossen die Wogen zu einem Bache ab , der an manchen Stellen gürteltief war . Als es tagte , nahm man ein grauses Schauspiel wahr . Durch die Eingangspforte des Mausoleums , wie durch einen Brückenbogen , schoß der weißschäumende Strom bergab , und hatte Mauerstücke , Bäume , ja auch die Behältnisse , welche die Gebeine der Mutter und des Sohns bargen , mit sich fortgerissen . Diese lagen , kläglich umgeworfen , von Schlamm und Graswust widerlich umsäumt , am Abhange des Berges . Ein Teil des Gruftgewölbes war eingestürzt , und dem Ganzen drohte dasselbe Schicksal , wenn die Gewalt der immer weiter wühlenden Fluten nicht bald gebrochen wurde . Die Ursache dieser Zerstörung war nur zu bald entdeckt . Der Weiher , von der Maschine , an deren Wiederbelebung niemand in der allgemeinen Bestürzung gedacht hatte , nicht mehr ausgeschöpft , und überdies durch Regengüsse in den Bergen über seinen gewöhnlichen Inhalt angeschwollen , hatte mit der ganzen Wassermasse durch die verborgnen Rinnen auf die Auswölbung der Gruft gedrückt , und wahrscheinlich in kurzer Zeit den Widerstand des Gemäuers überwunden . Es geschah , was geschehen konnte , um die Gefahr einer Überschwemmung von den Talbewohnern abzuhalten . Die Maschine arbeitete wieder unausgesetzt , so daß der Zufluß zum Gewölbe bald vermindert wurde , und man auch von dort dem Elemente entgegenwirken konnte . Das einzige Mittel kräftiger Begegnung war , die Gruft auszuschütten , und den Berg in seiner dichten Ründung herzustellen . Dies geschah mit rastloser Tätigkeit . Felsblöcke , Buhnengeflecht , Lehm- und Schuttlagen mußten die Höhlung füllen , und nach vierundzwanzig Stunden war von dem schönen Werke der Baukunst nichts mehr zu erblicken , als der Marmor der Pforte , welcher unnütz und wehmuterregend aus jenen niedern Stein- und Erdumgebungen hervorblickte . Bei der gewaltsamen Arbeit hatte man natürlich der Wege und Anlagen nicht schonen können , so daß , als die Sache getan war , zertretner Rasen , abgebrochne Stauden , verwüstete Blumenflecke , Sumpf und Nässe den Rahmen um jenes ausgetilgte Denkmal ehelicher Liebe bildeten . Inzwischen wartete der Prediger seines Amtes , ließ im Dunkel des späten Abends Mutter und Sohn erheben , und unbemerkt ohne Geleit auf dem Kirchhofe des Dorfs einsenken . Auch war nach diesen letzten trüben Dingen von ihm sogleich ein reitender Bote an