der Krone übernehme . Nun kann Anton ohne Wanken den schwindelnden Steig hinaufwagen , die Verzweiflung , die zum Drachenkampf ihn gestählt hatte , hebt ihn jetzt über die Gefahr gleichgültig hinaus . - So bricht die Seelengröße , irdisch gezeugt , aber selig gesprochen , in ihre Blüte auf . Schutzgeister nahen und hauchen begeistigend ihn an , er erreicht unbewußt die Stufen , auf denen er sich nimmer zu halten wähnte . Dort sehen wir ihn seiner Befähigungen sich bemächtigen , sich und dem Göttergleichen zulieb , das ihn treibt , uns aber wie eine Hieroglyphe entgegensteht , das Unbegreifliche nämlich . Woher die Sehnsucht in königlichen Geschlechtern , als ob der Sonne Tag eben ihnen erlösche ? Woher die Schwere des flügellahmen Geistes zum Stürzen ? Zu müde gegen die Geschicke sich aufzuraffen , die fern donnernd heranrollen über die ahnenden Häupter der Todeshelden ? Wenn wir sehen unsern Helden mit raschem Selbstgefühl durchsetzen , was der Augenblick heischt , oder sich widerstemmen dem Untergang , oder auch aus sinkender Nacht verborgne Keime hervorbrechen , gierig den Tautropfen aufsaugend in die vollen Blüten und schmerzlich aufseufzend , so oft zu höherer Befähigung sie Nahrung gewinnen , dann fühlen wir , wie jede leise Regung des Geschickes , jeder Reiz gleich zur Handlung sich wandeln muß , und das Widersinnige mit schneller Kriegswendung todverkündend niederbeugen muß , um dem Genius , der auf ein harmonisches Dasein deutet , zu genügen . Anton übernimmt jetzt die Wache bei der Krone und wünscht sich den lieblichen Geist Voluptas zurück , dem er entsagt hatte ; der kommt nicht , aber der Teufel erscheint ihm , wie er sonst gewesen , wie herrlich , fröhlich , kräftig , wie jedes Auge ihn angelacht ; nachher läßt er ihn im Brunnen sehen , wie er verfallen und abgemagert keinen Reiz der Sünde mehr bietet . - Nun versucht er jenen Geist , wie er ihm damals erschienen war , zu malen , indem er die Gänge zur Burg verziert , er bringt aber das Ideal des Muttergottesbildes hervor , das immer um eine Kopflänge höher erscheint als der Beschauende . - Tage vergehen - er sehnt sich nach öffentlichem Berühren mit der Gesinnung des Volkes - ein freies Land , damit nicht etwa längst anerkannte Begriffe , sondern das wirklich Schwankende , noch Unsichere in allem Werdenden , ins Gegenwärtige zur Eingebung , zum allgemeinen Kunstgefühl sich fördern . » Dieses wird durch ein einziges lebendiges Beispiel dem Menschensinne näher gerückt als durch unzählige Besprechungen , und somit werde ich mehr Dank verdienen « , sagte sich Anton , » wenn ich diese Einsamkeit verlasse und mit meinem Willen das Wesentliche darlege , als alle Untersuchungen , die sie zweifelnd berühren , um sich auszugleichen mit Härten und Gesetzen . « Überall müssen wir den ehren , der keine Untersuchung seines Anreizes verschweigt , unbesorgt ob einzelne wohl gar zu dem sich verführen lassen , was er als falsch erkundet , er fühlt , daß er nicht der einzige , nicht der unfehlbare Ausleger höherer Erkenntnisse sei , die ihm Leben und Lernen zugeführt haben , er scheuet keinen Weg , welcher den Hochgebildeten anstößig oder kleinlich scheinen könnte , aus dem aber der Gesamtheit Begriff und Lehre hervorwachsen mag ; ihm selbst erleuchtet sich das Forum der Künste in vollendender Begeisterung . Im feuernden Abendrot steigt er von der Höhe herab und verläßt die Burg : Aus meiner Zelle treibt mich fort Die leere Einsamkeit , Es füllet sie kein heilig Wort , Es nährt den innern Streit . Das innre Leben ward nicht mein , Weil ich das äußre mied , Das Ewige will nicht zeitlich sein , Das in der Zeit erblüht . Es gleicht mein bleiches Angesicht Des Grabes Bild von Stein , Es scheint gewesen , strahlt kein Licht Ins Innere hinein . Die Sanduhr gleicht der Todeshand , Lauft ab des Lebens Geist , Es hat sie keiner umgewandt Und keiner naht mir dreist . Der fromme Schauder war bald hin , Der mich der Welt entriß , Ein endlos Meer ist kein Gewinn , Wenn ich das Land vermiß . Ich flehte , daß ein höhres Wort Der Seele Flügel wär , Es riß mich keins zum Himmel fort , Ich blieb mir immer schwer . Weh jedem , dem hier nichts geschieht , Weil alles scheint gering , Weh jedem , der hier gar nichts sieht , Weil er das Licht verhing , Der sich in die Beschauung senkt Und nichts zu schauen hat Und was er findet , immer denkt , Daß er des Denkens satt . Es treibt mich wieder in die Welt , Die ich mit Hohn verließ ; Ach wie sie mir so wohl gefällt , Die ich einst von mir stieß . Als ob ich nimmer von ihr ließ , So bin ich drin zu Haus , Gewinn , der Seligkeit verhieß , Spielt schon das Leben aus . Es spiegelt sich die Ewigkeit In engster Gegenwart , Und rückwärts die Vergangenheit Erscheint von höchster Art , Wie ein verlornes Paradies Seh ich ' s vor meinem Blick , Was ich betrauert , war so süß , Was ich verflucht , mein Glück . Ich suche nach dem reichen Schmuck , Den ich ins Wasser warf , Mein Finger sehnt sich nach dem Druck Von der zerschlagnen Harf , Mein Mund nach jener Lippen Hauch , Den Seligkeit verschließt , O spräche er doch wieder auch , Nun Frühling mich begrüßt ! Es kehret wieder jeder Keim Aus Winters Einsamkeit , O kehrte sie auch wieder heim Zu dieser Frühlingszeit : Es meidet keiner Lebensnot , Wohin er sich entzieh , Und wer nicht sorgt für täglich Brot , Genießt das ew ' ge nie . Durchbrich das Gitter , das dich hält Von mir wie Todesband , Zum Schweigen schuf nicht Gott die Welt , In ihr dies Frühlingsland . Er gab dir mehr als einen Mund ,