jede Träne darin zerstäubt . Aber jetzt hatte der kranke Vater den Vorhang des unterirdischen Bettes aufgezogen , wo ihre Hülle schlief . Nun drang auf einmal der helle Strom der Töne , der durch seine Jugendländer , in seinen Paradiesen gegangen war , über die Gebürge herüber und rauschte mit den alten Wellen herab so nahe an ihm . Anfangs wehrte sich sein Geist gegen die alte eingeschlafne Zeit , die im Schlummer sprach ; aber als endlich die Töne , die Liane selber einst vor ihm gespielet und gesungen hatte , über die Bahre der Gebürge herüberkamen und sich herunterhingen als glänzende Teppiche der goldnen Tage ; als er daran dachte , welche Stunden er und Liane hier gefunden hätten , aber nicht fanden : da lief der schwarze Gram wie ein böser ausplündernder Genius die Tonleiter hinauf , und Albano sah seinen entsetzlichen Verlust hell im Himmel stehen . Da kehrt ' er das Auge nicht gegen die Fürstin , aber in der Weihe der Töne drückt ' er die Hand , an der einst die Verklärte hatte in diese Gefilde kommen sollen . Spät sagte er : » Ich werde mich im reichen Neapel immer sehnen nach meiner einzigen Freundin und den Glücklichen beneiden , der sie begleiten darf . « Sie kam in große Bewegung über diese neue Nachricht von seinem trennenden Abweg , und in eine noch größere über seine leidenschaftliche Veränderung , die sie mit der reichsten Aussteuer für ihre zartesten Hoffnungen aus ihrer Abreise und sogar aus ihres Gemahls bevorstehender herzuleiten wußte . Aber sie verbarg die größere Bewegung hinter die kleinere . Beide schieden mit gegenseitigen Freuden und Irrtümern auseinander . Albano wurde immer seliger durch den genesenden Vater ; die Fürstin wurd ' es durch den wärmern Sohn , und ihr Leben stieg aus dem Kriegsschiff in ein fliegendes Friedensschiff über . So kamen beide immer dichter an den Vorhang , dessen Gemälde sie für die Bühne selber hielten , um desto mehr zu staunen , wenn er aufging . 107 . Zykel Im Ritter war das vertrocknete Bette des Lebens wieder reichlich angequollen durch die Erschütterungen seines Herzens ; - eben weil er in gesunden Tagen sich gleich Bergen durch Eis und Moos zusammenhielt , so stellte in kranken , schien es , eine rechte innere Bewegung leichter die alte Kraft und Ruhe wieder her . Er rüstete sich zum Reisen , das am besten seinen eigensinnigen Körper auf- und nachbauete . Die Fürstin verschob das ihrige von Tag zu Tag , bloß in der festen , feurigen Erwartung , Albano werde ihr das schönste Endwort ihres ganzen Lebens mitgeben auf den Weg . In Albano war die Sehnsucht nach - Spanien aufgewacht im blühenden Land , und Neapel , hofft ' er , werde sie stillen . Der Frühling dämmerte schon in Rom und ging auf in Neapel - die Nächte durchsang die Nachtigall und der Mensch und die Mandelbäume blühten überall . Aber es schien , als ob die drei Menschen mit dem Reisen aufeinander warteten . Konnte die Fürstin von dem Herzen eilen , auf welchem ihr Dasein blühte und wurzelte , gleich einem abgerissenen Rosmarinzweige , dessen Wurzeln zugleich mit denen eines keimenden Weizenkorns doppelt in die Erde greifen ? - Auch Albano wollte nicht die Stunde beschleunigen , die ihn zugleich von dem Vater und der Freundin in ferne Erd-Ecken warf , jene in den Nachwinter , ihn in den Vor- und Nachfrühling ; - gerade jetzt am wenigsten ; sein Geist hatte sich durch den Entschluß zum Kriege befriedigt und versöhnt mit sich , sein Portici war glänzend aufgebauet auf dem verschütteten Herkulanum seiner Vergangenheit . Ein Brief von Pestitz entschied - der todkranke Fürst schrieb an die Fürstin und bat um das Wiedersehen - der Brief war ein Feuer , das den gemeinschaftlichen Boden , und wer darauf stand , auseinandersprengte - die drei Verbündeten faßten den Schluß , an einem Tage abzureisen , an einem Morgen , so daß eine Morgenröte ihr Gold zugleich in drei Reisewagen würfe . Noch etwas begehrte die Fürstin am Abend vor der Abreise : am Morgen Albanos Begleitung auf die Peterskuppel ; sie wollte Rom noch einmal in die scheidende Seele fassen , wenn es Morgenrot und Morgenglanz bedeckten . Auch Albano wollte gern den Most einer feurigen Stunde trinken , der sich zu einem ewigen Wein für das ganze Leben aufhellt ; denn er wußte nicht , daß die lebhafte Fürstin - noch lebhafter durch Italien - , nach langem Harren auf das schönste Wort von ihm , endlich zornig sich in eine Abschiedsstunde wagte , in der es ihm entfahren sollte . Früh vor Sonnenaufgang , wo in Rom noch mehrere einschlafen als aufstehen , holte er sie ab ; nur ihre treue Haltermann begleitete sie . Von der durchwachten Nacht glühte sie noch und schien sehr bewegt . Rom schlief noch ; zuweilen begegneten ihnen Wagen und Familien , die eben ihre Nacht beschließen wollten . Der Himmel stand kühl und blau über dem dämmernden Morgen , dem frischen Sohn der schönen Nacht . Der weite Zirkus vor der Peterskirche war einsam und stumm , wie die Heiligen auf den Säulen ; die Fontänen sprachen ; noch ein Sternbild erlosch über dem Obeliskus . - Sie gingen die Wendeltreppe von anderthalb hundert Stufen auf das Dach der Kirche und kamen aus einer Gasse von Häusern , Säulen , kleinen Kuppeln und Türmen durch vier Türen in die ungeheuere Kuppel in eine gewölbte Nacht - unten in der Tiefe ruhte der Tempel wie ein weites finsteres einsames Tal mit Häusern und Bäumen , ein heiliger Abgrund , und sie gingen nahe vor den musivischen Riesen , den farbigen breiten Wolken am Himmel des Doms vorbei . Während sie in der hohen Wölbung stiegen , blinkte immer röter Aurorens Goldschaum an den Fenstern , und Feuer und Nacht schwammen im Gewölb ' ineinander . Sie eilten höher und blickten hinaus , da schon ein