andern Weibern , so hättest du Recht ; aber wenn du es von Lais denkst , so irrest du himmelweit . Ich habe in meinem Leben keinen schwachen Augenblick dieser Art gehabt . Die meinigen , wenn man sie so nennen könnte , haben mit jenen nichts gemein als - die Wirkung . Ich sagte mir selbst : was sind alle diese Menschen die an mich Ansprüche machen , ihrem innern Gehalt nach , gegen diesen armen Paphlagonier , auf den sie so vornehm herunter sehen ! Und doch würde es Diogenes für die lächerlichste Anmaßung halten , wenn ihm einfiele , sich unter jene Uebermüthigen zu stellen , die ein Recht an mich zu haben wähnen , weil ich schön und reizend bin , und in zwangloser Freiheit lebe . Seine Bescheidenheit soll belohnt werden ! Der Mann , der , um den Göttern ähnlich zu werden , ein elendes Leben führt , soll einen Augenblick in seinem Leben gehabt haben , wo er ihnen an Wonne ähnlich war . - Hier hast du das ganze Geheimniß , mein guter Cyniker ! - Mache nun einen weisen Gebrauch davon , und , um deiner selbst willen , suche nie wieder mich allein zu finden . 45. Kleonidas an Antipater . Aristipp ist glücklich in Cyrene angekommen , und hat durch sein Widersehen und den Entschluß uns nie wieder zu verlassen , das Glück seiner Freunde verdoppelt . Die ganze Stadt nimmt Antheil an unsrer Freude ; man drängt sich ihn zu sehen , zu begrüßen , zu Gaste zu bitten , und überall , wo er zu finden ist , aufzusuchen ; und er hat sich in Zeiten auf ein entfernteres Landgut seines Bruders flüchten müssen , um den allzulästigen Beweisen zu entgehen , welche ihm seine Mitbürger von ihrer Achtung und Zuneigung zu geben sich beeifern . Das alles wird sich in kurzer Zeit setzen ; man wird nur zu bald gewohnt werden Aristippen unter uns zu sehen , und der nämliche Mann , den die öffentliche Meinung jetzt zum Abgott der Cyrener macht , wird ihnen in einigen Jahren ein Bürger seyn wie tausend andere , und vielleicht aller seiner Anspruchlosigkeit und Bescheidenheit nöthig haben , um für seine Vorzüge , und für alles wodurch er seinem Vaterlande Ehre macht , Verzeihung zu erhalten . So ist die große Mehrheit der Menschen , lieber Antipater ! Wir wollen uns nicht darüber ärgern daß sie nicht anders sind als sie können . Aristipp schickt sich trefflich in seinen neuen Hausstand , und wird uns , wie ich nicht zweifle , durch das Beispiel eines nach edeln Grundsätzen geführten und mit sich selbst übereinstimmenden Lebens mehr wahre Philosophie lehren , als wenn er eine Wissenschaftsbude auf dem großen Markt von Cyrene aufschlüge , und uns unsern schlichten Menschenverstand zu Platonischen Ideen verspinnen lehrte . Er hat neun Leibeigenen seines alten Oheims , so viele ihrer über sechzig Jahre alt waren , die Freiheit geschenkt , und es in ihre Wahl gestellt , ob sie seine Hausgenossen bleiben , oder mit einem ihren geleisteten Diensten angemessenen Jahrgehalt sich auf ihre eigene Hand setzen wollten . Alle haben das erstere erwählt , und verdoppeln , seitdem sie ihm bloß durch ihren Willen angehören , ihren Diensteifer . Dafür aber ist auch seine Art , alle von ihm abhangenden Menschen zu behandeln , so gütig und leutselig , daß , wofern sie nicht mit strenger Ordnung und gehöriger Zucht verbunden wäre , die Guten selbst sich unvermerkt versucht finden könnten lässig und schlecht zu werden . Sein Bestreben ist , alle , die für ihn arbeiten , so zufrieden mit ihrem Loose zu machen , daß sie sich nicht nur keinen andern Herrn wünschen , sondern seinen Dienst der Freiheit selbst vorziehen . Dieß ist leichter zu bewerkstelligen als man glaubt ; denn diese Classe von Menschen fühlt den Werth der Freiheit nicht eher , als wenn ihnen die Dienstbarkeit ganz und gar unerträglich gemacht wird . In seinem Hause herrscht Ordnung ohne ängstlichen Zwang , Zierlichkeit ohne Pracht und Ueberfluß ohne Verschwendung . Nichts ist um Scheinens und Prunkens willen da ; alles , vom größten bis zum kleinsten , trägt etwas zum angenehmern Lebensgenuß des Hausherrn und seiner Freunde bei , und man befindet sich nirgends besser als bei ihm . Mit Einem Wort , Aristipp stellt seine Philosophie in seinem Leben dar , und verdient nicht nur allen , denen das Glück so günstig war als ihm , zum Muster zu dienen , sondern kann , mit den gehörigen Einschränkungen , auch von solchen nachgeahmt werden , die in diesem Stück weit unter ihm sind . Denn so übel hat die Natur nicht für ihre Kinder gesorgt , daß man reich seyn müßte , um des Lebens froh zu werden . Du bist , nach dem Antheil den du an uns nimmst , vielleicht neugierig , wie es mit Aristipp und Kleonen steht , von welchen leicht vorauszusehen war , daß die persönliche Bekanntschaft sie sehr bald in ein besonderes Verhältniß setzen würde . Der erste Augenblick war wirklich so schön , daß ich ihn möchte malen können . Eine sichtbare Freude , einander gerade so zu finden wie jedes sich das andere gedacht hatte , strahlte aus seinen schwarzen Augen und glänzte im Himmelblau der ihrigen . Man hätte eher denken sollen , sie erkennten einander nach einer sehr langen Trennung wieder , als sie sähen sich zum erstenmale . Von dieser ersten Stunde an , scheint , oder ist vielmehr ohne Zweifel , ihr Verhältniß zu einander auf immer entschieden . Keine Spur von Leidenschaft , nichts dem Aehnliches , was man gewöhnlich Liebe oder Verliebtseyn nennt ! Wer sie zum erstenmale beisammen sieht , hält sie für Zwillingsgeschwister , die mit einander aufgewachsen sind , und so natürlich zusammengehören , daß man sich keines ohne das andere denken kann . Bei allen Gelegenheiten zeigt sich eine so reine Zusammenstimmung ihrer Gemüther , ihres Geschmacks , ihrer