geheimnisvollen Vorzug reizten . In einem schönen Hause war das Erdgeschoß mit sogenannten alten Meistern und neueren Gemälden angefüllt , und hinter den Fenstern waren stets einige zu sehen , aber niemals etwas , für das der Mann keinen Namen hatte . War es eine gewisse Geziertheit , oder war es Schüchternheit , ich ging zuerst ohne meine Landschaften hin , um sie dem Händler anzubieten in der Form , daß ich anfragte , ob ich dieselben herbringen lassen oder seinen Besuch zur Besichtigung erwarten dürfe . Mein Eintreten in die Handelsgalerie blieb gänzlich unbeachtet , da der Inhaber mit einem Häuflein Herren und Kenner dicht vor einem kleinen Rähmchen stand , dessen Inhalt sie mit zusammengesteckten Köpfen und Vergrößerungsgläsern beguckten , während er seine Lehrsätze über die Rarität vortrug . Plötzlich führte er , die Lupe in der Hand , den Trupp in ein anstoßendes Zimmer , um dort vor einem ähnlichen Gegenstande vergleichende Studien vorzunehmen , und ich blieb ein Weilchen allein in dem Raume . Endlich kehrten die Herren in aufgelöster Ordnung , in lebhaftem Gespräche begriffen , zurück , indem sie eine große Heilswahrheit zu vereinbaren und zu redigieren schienen ; es handelte sich offenbar weniger um ein Geschäft als um eine jener Liebhaberkonferenzen , durch die solche Bildermänner ihrem Hasardspiel einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben pflegen . Indessen bemerkte der Kaufherr meine Anwesenheit und fragte nach meinem Begehren . Ich brachte das Anliegen ziemlich betreten vor , im Gefühl , daß ich etwas erbitte , was kein Mensch mir zu gewähren schuldig sei , und hatte es auch kaum getan , als der Mann , ohne nur zu fragen , wer ich sei , kurz und trocken sagte , er kaufe die Sachen nicht , und sich wegkehrte . Hiemit war mein Geschäft abgetan ; ich hatte keine Veranlassung , auch nur eine Minute länger dazubleiben , und befand mich eine Viertelstunde später wieder zu Hause bei den zwei Bildchen . Ich unternahm an diesem Tage nichts Weiteres , durch ein unheimliches Gefühl von Ärger und Sorge beklemmt . Ich konnte mir nicht klarmachen , daß das Verhalten des Händlers dasjenige der meisten Leute war , die alles , was sie nicht von sich aus wünschen und suchen , durch die immergrüne Hecke der abschlägigen Antwort von sich abhalten und es darauf ankommen lassen , was zu ihrem Nutzen sich allenfalls dennoch hindurchdrücken wolle und könne . Am nächsten Tage machte ich mich abermals auf den Weg , nahm aber klüglich die in ein Tuch gewickelten Bilder mit , damit sie wenigstens angesehen wurden . Ich suchte einen Händler von minderm Range auf , bei dem die Verkehrssummen schon beträchtlich niedriger standen als bei dem vorigen , obschon er mit den Gegenständen besser umzugehen , sie sogar selber zu reinigen , auszubessern und neu zu firnissen verstand . Ich traf ihn in einem ziemlich dunklen Lokale inmitten seiner Töpfchen und Gläser , wie er eben die Löcher einer alten bemalten Leinwand ausflickte . Er hörte mich aufmerksam an und stellte meine Landschaften selbst in ein möglichst günstiges Licht , und nachdem er die Hände an der Schürze abgewischt , schob er sein Samtkäppchen über den kahlen Vorderkopf zurück , stützte die Hände gegen die Hüfte und sagte sogleich , ohne sich lange zu besinnen : » Die Sachen sind nicht übel , aber sie sind nach alten Kupferstichen gemacht , und zwar nach guten ! « Erstaunt und verdrießlich erwiderte ich : » Nein , diese Bäume habe ich selbst alle nach der Natur gezeichnet , und sie stehen wahrscheinlich jetzt noch ; auch das übrige existiert beinahe alles , wie es hier ist , nur liegt ' s etwas mehr auseinander ! « » In diesem Falle kann ich die Bilder erst recht nicht brauchen ! « versetzte er , indem er die betrachtende Stellung aufgab und das Käppchen wieder zurechtrückte ; » man wählt nach der Natur keine Motive , die wie aus alten Kupferstichen aussehen ! Man muß mit der Zeit leben und vorwärtsschreiten ! « Da hatte ich die ganze Stilfrage in einer Nuß . Ich packte meine Bilder zusammen und warf im Abgehen einen wehmütigen Blick auf die Sammlung roher Zufälligkeiten und gemalter Düngerhaufen , welche als Zeitgemäßes oder eigentlich eher die Zukunft Ahnendes die Wände bedeckten , da es die Arbeiten armer Teufel waren , die aus Ungeschick mit billigem Pinsel und im Dunkeln das schufen , was seither anspruchsvoll ins Licht getreten ist . Ich stand allerdings selber höchst kümmerlich auf der Gasse , kehrte jedoch mit dem Stolze eines verarmten Hidalgo dem Hause den Rücken und wanderte weiter . Unentschlossen , ob ich nicht lieber nach meiner Wohnung zurück wolle , durchirrte ich mehrere Straßen und geriet vor den Kaufladen eines israelitischen Schneiders , der zugleich mit neuen Kleidern und mit neuen Bildern handelte . Manche Künstler ließen sich von ihm bekleiden , und er mochte dadurch , indem er an Zahlungsstatt zuweilen eine Malerei zu übernehmen oder zu pfänden genötigt war , zu einem kleinen Galeriebesitzer geworden sein , der schon mehr als einen guten Schnitt gemacht hatte , wenn er entweder die Arbeiten bedrängter Kunstjünger erworben , die nachher zu Ruf gekommen , oder wenn er , ohne es zu wissen , von andern Unkundigen ein wertvolles Stück erwischte . Vor demjenigen Teil seines Geschäftslokales , worin die Bilder aufgestellt waren , sah ich einen Augenblick durch das Fenster , und da der Raum wenigstens von reinlicher Ordnung und Sorgfalt zu zeugen schien , so lockte mich das , einzutreten und mein Angebot abermals vorzubringen . Der Handelsmann zeigte sich gleich bereitwillig , die Sachen anzusehen , betrachtete sie mit lüsterner Neugierde , ließ sich alles Wie , Was und Wo erklären und fragte zuletzt , ob ich die Dinger wirklich selbst gemacht habe und ob sie gut gemalt seien ? Das war gar nicht so naiv , wie es aussah ; denn er blickte mich in der Zeit genau an , um aus meiner