nach Berka nehmen . Der Graf hatte ihm einen zweiten Boten nachgesandt , der die Wiederkehr des ersten auf halbem Wege erwarten sollte , um dann mit dem Relaispferde den ersehnten Brief der Tochter so schnell als möglich in die Hände der Eltern zu bringen . Am Abende des nächsten Tages konnte er in Berka , am Morgen des fünften Tages konnte die Gräfin in den Armen ihrer Tochter sein . Die erste Freude kennt nicht Raum , nicht Zeit ; sie überflügelt beide , um dann in sehnsüchtiger Ermüdung das unerbittlich gleichmäßige Fortschreiten der Secunden desto schwerer zu empfinden . Sie kennt Nichts , als ihr Ziel , und vergißt mit erbarmungsloser Gleichgültigkeit , was hinter ihr liegt , was sie noch von ihrem Ziele trennt und was sie opfern muß , es zu erreichen . Nur Ein Gedanke , nur Eine Empfindung waren in der Baronin mächtig : das Glück über die ihr bevorstehende Vereinigung mit ihren Eltern und Geschwistern . Daß sie sich von ihren Pflegern trennen , daß sie Seba verlassen mußte , schien ihr völlig zu entfallen ; sie schien sich nicht zu erinnern , wie ihr vor dem Abschiede gebangt , wie sie noch vor wenig Stunden alle ihre Hoffnung darauf gerichtet hatte , sich den Zusammenhang mit der Freundin zu erhalten , vor der kein Geheimniß zu haben ihr eine Herzensbefriedigung gewesen war . Selbst der Zurückweisung , die sie erfahren , gedachte sie in diesem Augenblicke nicht , und Seba liebte sie zu sehr , um sie an sich zu mahnen und die Freude der Baronin durch ein Zeichen ihres eigenen Schmerzes beeinträchtigen zu mögen . Angelika hatte beabsichtigt , in ihren Zimmern Nichts rühren und Nichts einpacken zu lassen , bis Marianne dies thun könnte ; jetzt ließ die Ungeduld sie nicht rasten . Sie hatte ihren Eltern selbst geschrieben und den Caplan beauftragt , den Freiherrn , mit genauer Angabe der getroffenen Verabredungen , von ihrem Entschlusse in Kenntniß zu setzen . Mit dem Kalender in der Hand hatte sie die Tage gezählt , welche bis zu ihrer Ankunft in Richten noch verfließen mußten . Man hatte die Nachtquartiere ausgewählt und die Maßregeln so getroffen , daß mit der Estafette , die man dem Freiherrn sandte , auch die Benachrichtigungen an die verschiedenen Gasthausbesitzer mitbefördert wurden , und kaum waren diese Geschäfte abgethan , so verlangte die Baronin , selbst Hand an das Einpacken wenigstens der kleinen Geräthschaften zu legen , deren sie sich zu bedienen pflegte . Da sie zu schwach war , sich längere Zeit stehend zu erhalten und in den Stuben umher zu gehen , trug Seba ihr die Schatullen und Kästchen zu , holte die verschiedenen Gegenstände , welche Angelika nicht mehr nöthig zu haben glaubte , herbei , und die Baronin bat und forderte , bestimmte und begehrte , wickelte ein und packte und war so von ihrer Arbeit hingenommen , daß sie es gar nicht bemerkte , wie Seba still geworden war und welche Traurigkeit sich über sie gelagert hatte . Auf den Wunsch der Baronin mußte der Caplan hinuntergehen , um Herrn Flies und seine Frau von dem Geschehenen in Kenntniß zu setzen . Sie kamen beide herauf , es wurde Alles noch einmal besprochen ; das sichtliche Bedauern ihrer Wirthe , sie bald scheiden zu sehen , rührte die Baronin und erweckte ihre ganze Dankbarkeit . Sie war gut und herzlich gegen Seba ' s Eltern , sie sprach auch dieser zu , aber es war etwas Rasches , Flüchtiges in ihrer Weise , es war der Ton nicht mehr , den Seba kannte , der aus dem tiefsten Herzen kam , und mit aufsteigendem Zweifel fragte sie sich : Hätte ich auch sie vergebens geliebt ? Am anderen Tage kam Mamsell Marianne . Man hatte sie zu der Baronin beschieden , ohne sie von dem geschehenen Verkaufe des Hauses , in welchem sie ihr ganzes Leben zugebracht , in Kenntniß zu setzen , und es kostete Mühe , sie zu beruhigen , als sie es erfuhr . Die Baronin behielt sie bei sich , nahm augenblicklich ihre Dienste an , um ihr durch die Gewißheit , daß sie ihrer Herrin nothwendig sei , die Trennung von der alten und den Uebergang in die neue Heimath zu ersetzen . Marianne that ihr Bestes , aber für sie war der Abstand , welcher die Nichte ihres Fräulein Esther , die Freifrau von Arten-Richten von den Personen trennte , in deren Hause sie ihre Frau Baronin zufällig antraf , ein gar zu großer . Sie konnte sich nicht darin finden , die gnädige Frau ohne ihre Dienerschaft zu sehen , es kränkte sie , wenn nicht ein Kammerdiener , sondern Seba der Baronin den Tisch bereitete und die Speisen zutrug , und es beleidigte alle ihre Vorstellungen , wenn Angelika , was sie jetzt immer that , die Freundin Du hieß und ihr mit Schmeichelnamen und mit den freundlichsten Worten für ihre Dienste dankte . Unter dem Vorwande , ihr die Mühe abzunehmen , strebte Marianne danach , Seba von diesem Thun zurückzuhalten , und die Baronin selbst ersuchte die Freundin aus Rücksicht für Marianne , die alte Dienerin walten zu lassen . Seba erkannte und ehrte die Beweggründe Angelika ' s , aber mit den feinen Sinnen eines zärtlichen Herzens empfand sie , wie mit dem Hinzukommen von Mamsell Marianne eine fremde Welt zwischen sie und Angelika getreten sei . Sie mußte eine stumme Zuhörerin machen , wenn Marianne von den zahlreichen Verwandten und Bekannten der Häuser von Arten und von Berka erzählte , die in der Residenz ansässig waren , wenn sie von der Herrschaft sprach , die zu ihres Fräuleins Zeiten in das Haus gekommen oder die Gäste der Baronin gewesen waren , als diese die Residenz bewohnte . Sogar die feierlich unterwürfige Art , in der sie zu der Baronin redete und mit der sie sie bediente , fiel Seba auf , und während sie sich bis dahin des Gedankens