mich auf die Geräthschaften des Sakraments verlasse , entsetze ich mich über die Unsauberkeit der Corporalien , Pallen , Purificatorien . Nicht nur , daß sie , dem Gebot zuwider , von Baumwolle statt von Leinen waren , auch seit lange gewaschen waren sie nicht . Die Ciborien , Patenen völlig ungeputzt und der Vergoldung beraubt , ja das Entsetzlichste - ich öffne die Monstranz und finde den Leib des Herrn geschändet , finde das Brot zernagt von Würmern ! Dies Bild : Das heilige Brot in Würmern ! wurde mir zum Symbol meines ganzen Lebens ! Seitdem ich damals die heilige Handlung unterbrechen und das Opfer unvollzogen lassen mußte , muß ich im Geist und in der äußern Erscheinung alles ursprünglich als göttlich Gedachten und in der Wirklichkeit doch nur Menschlichen , immer vor mir jenes Brot in Würmern sehen ! Immer muß ich eingedenk bleiben , daß selbst das Grauenvollste des Misverstandes uns doch an sich nichts von dem entweihen kann , was seinem Ursprunge nach von Gott stammt ! Cajetan Rother lebt hier in der Stadt ? An der Kirche vom Berge Karmel und als Beichtvater der Karmeliterinnen ! Da verdank ' ich dem allwissenden Nück noch eine andere Bekanntschaft mit der irdischen Schale eines heiligen Kernes und eine , die dich näher angeht ! Du hast von dem hier außer Clausur lebenden Pater Sebastus gehört ? Ein Convertit ! Er schreibt eine Feder , die wie in Feuergluten getaucht ist ! Mit der Fackel der Eumeniden schreibt er ! Bonaventura kannte das frühere Leben des Mönches Sebastus theilweise aus den Mittheilungen Grützmacher ' s , der ihm Aufklärungen über Lucinden gegeben ... Aufklärungen , die ihn für diese mehr mit Mitleid , als mit Abscheu erfüllten ... In der Erörterung dieser Lebensbeziehungen fuhr Benno fort : Als damals Jérôme von Wittekind , von Klingsohr ' s Kugel getroffen , zusammenbrach , minderte sich vielleicht in der Wagschale des ewigen Gerichts eines der schweren Gewichte , die gegen diesen Mönch , den Verräther seines Vaters , einst zeugen müssen ! Ich sehe ihn zuweilen in unsern Straßen daherrennen ! Wie der Derwische einer , wie ein Schamane des Orients hat er den stieren Blick des Auges , die krampfhafte Beweglichkeit der Glieder , den Trotz und die Sicherheit des Benehmens , verbunden wieder mit der gemachten Demuth , die sich an jeder Kirchenthür verbeugt ! O wie oft ich doch erbeben muß vor den nächtlichen Schauern , die über unserm Geistesleben wie mit dem Gefieder des Fürsten der Unterwelt dahinrauschen ! An meinem eigenen Leben erfahr ' ich es ja ! Mich bringt in einer Zeit , die keine Nachforschung hat lichten können , dein Oheim Max von Asselyn aus Spanien mit sich , wie man sagte , als die Frucht einer Verbindung mit einer Spanierin , die er geliebt haben sollte und die ihm gestorben . Ein Märchen , das wissen wir alle ! Aber irgendeinen Kern hat diese Erfindung ! Nie jedoch konnte dieser von einer Menge Einhüllungen befreit werden , die mit den uns theuersten Personen auf eine Weise zusammenhängen , deren oberflächliche Besprechung schon Mismuth und düstere Erinnerungen bei ihnen allen heraufbeschwört . Nun hab ' ich für ganz gewiß die Ueberzeugung , daß das , was mir allein so dunkel ist , in den Beichtstühlen licht und hell und deutlich aufgedeckt lebt ! Priester , Klostergeistliche kannten meinen Ursprung und nahmen ihn mit sich ins Grab . Jener Geistliche in Borkenhagen , Leo Perl , ein getaufter Jude , soll eine Schrift hinterlassen haben , die er in seinen letzten Lebenstagen an die bischöfliche Curie von Witoborn schickte . Sie ist so spurlos verschwunden wie jene andere , die Dominicus Nück sucht . Schließ ' ich von dem einzelnen Fall , der mich selbst betrifft und der vielleicht nur von meinem unerlaubten Stolz so empfindlich geschürt wird , schließ ' ich von jenem Mönche , wie ist nicht unser ganzes Leben innerhalb unserer Kirche durch den Beichtstuhl so vermessen geheimnißvoll ! Wir suchen einen Mörder , einen Dieb - der Priester kennt ihn schon und läßt die Gerechtigkeit ihr Haupt verhüllen und beutet das Geheimniß nur aus - zum Besten seiner persönlichen Würde ! Zum Besten des Gottesreiches ! unterbrach Bonaventura . Ich will den alten Streit nicht erneuern , sprach Benno , ich will heute nur von den Schauern sprechen , die die Schritte dieses Mönches begleiten . Ihm ermordet der Kronsyndikus seinen Vater ! Es war ein Todtschlag nach unserer Definition , kein berechneter Mord . Einem langgenährten Hasse bietet sich die Gelegenheit einsamer Begegnung , es entsteht ein Wortwechsel , es kommt zu einem Angriff , zu einer Gegenwehr , der gezogene Hirschfänger fährt aus und trifft eine Stelle , die sogleich tödlich ist . Schrecken und Reue jagen den Thäter von dannen . Die Gerichte , in jener Gegend auf verschiedene Souveränetäten vertheilt , halten sich an einen muthmaßlichen Schuldigen , der Proceß verschleppt sich , der Kronsyndikus findet , wie man sagt , mit Hülfe eines ihm nahe stehenden Freundes , der die Beweisaufnahme in Händen hatte , Mittel , die Gerüchte zu zerstreuen , das Verfahren stockt , der Kronsyndikus , unmittelbar darauf seinen Sohn verlierend , bricht in der Rolle eines Gewaltthätigen , die er bis in sein siebzigstes Jahr durchführte , zusammen , wird nach langem Geiz als plötzlicher Verschwender unter Curatel gestellt und wer möchte den hinfälligen Schatten aus der Nacht noch aufstören , die ihn seit der Reise zum Begräbniß seines Sohnes umgeben soll ! Einer aber hätte es thun müssen , nach allen Gesetzen alter und ewiger Zeit ! Einer hätte das Blut eines Vaters nicht in den Sand sollen rinnen sehen , ohne durch alle Lande um Vergeltung zu rufen ! Ein Sohn , ein Sohn opfert seinen Vater ! Bestochen von dem Mörder , nimmt er dessen Wohlthaten an , unterschlägt ein vom Jagdrock des Kronsyndikus gerissenes Stück , das diesen hätte überführen müssen , reitet , fährt ,