ein Geräusch von der inneren Rathaustreppe vernehmlich , und die Blicke der Menschen ließen von ihm ab , um über die neue Beute , die für die Schaulust kommen sollte , herzufallen . Es dauerte lange , und die Ungeduld wuchs immer stärker an . Endlich drängte es sich heraus , und zugleich gab sich die Ursache zu erkennen , die das Schauspiel so lange verzögert hatte . Es war die Zigeunerin , die um ihr Leben kämpfte . Obgleich ihre Hände gebunden waren , so stieß sie doch die Schergen einmal über das andere zurück , suchte in das Rathaus zurückzukommen , als ob dieses ihr Schutz gewähren könnte , und noch unter der Türe stemmte sie sich mit den Ellenbogen an den Pfosten an . Sie wurde aber immer wieder ergriffen und endlich herausgebracht . » Christine ! « rief Friedrich , dem bei dem jammerwürdigen Anblick das Herz blutete , obgleich er Anlaß genug hatte , jetzt nur noch an sich selbst zu denken : » Christine , klammere dich nicht so fest an diese schnöde Welt ! Wende dein Herz dem Himmel zu , der dir allein noch helfen kann ! « Sie fuhr zurück und sah ihn mit einem Blicke an , für den es nur dann eine Vergleichung gäbe , wenn irgendwo in der Welt , wie im menschlichen Herzen , wo die unmittelbarsten Gegensätze nebeneinander wohnen , glühendes Eis zu finden wäre . » Verräter ! « sagte sie , » finde du dich mit deinem Himmel ab , wie du dich mit der Welt abgefunden hast . Ich hab dich geliebt und alles für dich getan , und das ist nun mein Lohn ! Wenn ich ' s nur gewiß wüßte , ob du in den Himmel oder in die Hölle kommst ! Sieh mich nicht so an mit deinen Augen - ich wär schwach genug , dir zu folgen , aber ich kann es nicht ! Meine Mutter hat sich im Gefängnis erhängt aus Verzweiflung über das Schicksal , das du mir bereitet hast , mir , der Mutter deines Kindes ! Mein armes , armes Kindl Aber es wird mich nicht lang überleben , ich weiß , es hat den Tod in sich , es wird dieser dürren lutherischen Welt nicht in die Hände fallen . Schweig still ! ich kann nicht mit dir gehen . Die Unsrigen speien deinen Namen an , jede ehrliche Seele zwischen dem Rhein und der Donau verflucht dich , dein Name wird der sprichwörtliche Name eines Verräters werden - « Auf einen Wink des Oberamtmannes , der indessen aus dem Rathause getreten war , rissen sie die Henker herum . Sie wehrte sich . » Ist denn kein Pardon da ? « rief sie . Der Oberamtmann gab keine Antwort . » Nein ! « rief ein Henker . » Wer hat denn nun recht ? « rief sie . » Der eine sagt so , der andere anders . « Ihr Auge bohrte in die Menge hinein , ob dort nicht befreundete Hände bereit seien , sie zu retten . » Ist denn kein katholischer Christ da ? « rief sie unter das Volk . » Wenn einer da ist , so gebe er mir doch ein Zeichen . « Niemand gab ein Zeichen . Sie sank halb zusammen , und die braune Farbe ihres Gesichtes wurde immer gelber . Noch einmal raffte sie sich empor , um mit der Wut einer Tigerin , die ihre Freiheit und ihr Leben nicht freiwillig hergibt , eine Kraftanstrengung zumachen . » Fort ! « befahl der Oberamtmann , während man ihm sein Pferd vorführte , hinter welchem die städtischen Richter in ihren schwarzen Mänteln , vom Zwange ihrer Amtswürde befreit , geschwind vorüberschlüpften , um auf dem Hauptschauplatze vor der Stadt noch zu rechter Zeit den ihnen vorbehaltenen Standort einzunehmen . Die Henker griffen kräftig zu und eröffneten den Zug mit ihr . Sie warf noch einen Blick auf ihren Todesgefährten und wurde mehr geschleppt und getragen als davongeführt . » Bitterer Kelch , geh vorüber ! « sagte er , in den Boden starrend . » Frieder ! « rief eine sanfte Stimme neben ihm . Er blickte auf und sah die blonde Christine , die den Zug beschließen sollte . Die ganze Liebe seiner Jugend wallte in seinem Herzen auf . » Meine Christine ! « rief er : » hast du mir auch gewiß verziehen ? « » Von ganzem Herzen und von ganzer Seel « , antwortete sie , » und ich hoff gewiß , daß wir einmal in einer schöneren Welt wieder zusammenkommen , wo uns nichts mehr trennen wird . Sag mir auch noch einmal , daß du mir verzeihst . « » Soll ich dir verzeihen , daß du mich lieb gehabt hast ? Was hab ich dir denn außer Kleinigkeiten zu verzeihen ? Die sind alle längst vergeben . « » Kannst noch etwas von der Welt hören ? « » Von unseren Kindern ? « » Ja . Die beiden jüngsten nimmt die Magdalene , die deinem Vater Haus gehalten hat , in ihren neuen Ehstand mit . Sie heiratet den Müller , weißt , den Georg . Sie haben ja beide früher ein Aug aufeinander gehabt , aber es hat nicht sein mögen , und keinem von beiden ist ' s gut gangen in der Eh . Jetzt sind sie beide frei . Den Friederle haben sie auch nehmen wollen , aber dein Vater gibt ihn nicht her . Er sagt , er sei so einsam in seinem Alter , und es sei so ein aufgeweckter Bub . « » Und du ? « » Wenn ich ' s überleb , so soll ich deinem Vater Haus halten , und wenn ' s der alt Mann nimmer so lang macht , so will mich die Magdalene auch zu sich nehmen . « » Nun sterb ich gern ! « rief er , » nun weiß