Weile ; er war tief gereizt , und es kochte und gärte gewaltig in ihm ; denn er war in seinem besten Bewußtsein angegriffen und fühlte sich um so verletzter und verwirrter , als in Ferdinands Worten etwas lag , das er im Augenblick nicht zu erwidern wußte . Der genossene Wein und die nun schon vierundzwanzigstündige ununterbrochene Aufregung taten auch das Ihrige , seine Lust , die Sache vollends auszufechten , zu entflammen , und er begann daher wieder mit entschiedener Stimme : » Nach deiner vorhinnigen Äußerung zu urteilen , bist du also nicht sehr willens , dem Mädchen die Hoffnungen , die du ihr leichtsinnigerweise angeregt , zu erfüllen ? « » Ich habe keine Hoffnungen angeregt « , sagte Lys , » ich bin frei und meines Willens Herr , gegen ein Weib sowohl wie gegen alle Welt ! Übrigens werde ich für das gute Kind tun , was ich kann , und ihr ein wahrer und uneigennütziger Freund sein , ohne Ziererei und ohne Phrasen ! Und zum letztenmal gesagt Kümmere dich nicht um meine Liebschaften , ich weise es durchaus ab ! « » Ich werde mich aber darum kümmern « , rief Heinrich , » entweder sollst du einmal Treue und Ehre halten , oder ich will es dir in die Seele hinein beweisen , daß du unrecht tust ! Das kommt aber nur von dem trivialen trostlosen Atheismus ! Wo kein Gott ist , da ist kein Salz und kein Schmalz , nichts als haltloses Zeug ! « Ferdinand lachte laut auf und rief : » Nun , dein Gott sei gelobt ! Dacht ich doch , daß du endlich noch in diesen glückseligen Hafen einlaufen würdest ! Ich bitte dich aber jetzt , grüner Heinrich , laß den lieben Gott aus dem Spiele , der hat hier ganz und gar nichts damit zu tun ! Ich versichere dich , ich würde mit oder ohne Gott ganz der gleiche sein ! Das hängt nicht von meinem Glauben , sondern von meinen Augen , von meinem Hirn , von meinem ganzen körperlichen Wesen ab ! « » Und von deinem Herzen ! « rief Heinrich zornig und außer sich , » ja , sagen wir es nur heraus , nicht dein Kopf , sondern dein Herz kennt keinen Gott ! Dein Glauben oder vielmehr dein Nichtglauben ist dein Charakter ! « » Nun hab ich genug , Verleumder ! « donnerte Ferdinand mit starkem und erschreckendem Tone , » obgleich es ein Unsinn ist , den du sprichst , welcher an sich nicht beleidigen kann , so weiß ich , wie du es meinst ; denn ich kenne diese unverschämte Sprache der Hirnspinner und Fanatiker , die ich dir nie , nie zugetraut hätte ! Sogleich nimm zurück , was du gesagt hast ! Denn ich lasse nicht ungestraft meinen Charakter antasten ! « » Nichts nehm ich zurück und werfe dir deinen Verleumder zu eigenem Gebrauche zu ! Nun wollen wir sehen , wie weit dich deine gottlose Tollheit führt ! « Dies sagte Heinrich , während eine wilde Streitlust in ihm aufflammte . Ferdinand aber antwortete mit bitterer verdrußvoller Stimme : » Genug des Schimpfens ! Du bist von mir gefordert ! Und zwar mit Tagesanbruch halte dich bereit , einmal mit der Klinge in der Hand für deinen Gott einzustehen , für den du so weidlich zu schimpfen verstehst ! Sorge für deinen Beistand , und nun geh deines Weges und laß mich allein ! « Er brauchte dies nicht zweimal zu sagen ; denn Heinrich hatte unter anderen Torheiten , als er fechten gelernt , sich auch das großländische Benehmen in sogenannten Ehrensachen gemerkt und angeeignet , ohne daß er es bis jetzt betätigen konnte ; und obgleich er noch genug auf dem Herzen hatte und gern noch lange gesprochen und gezankt hätte , gleich den alten Helden , welche wenigstens ebenso viele Worte als Streiche auszugeben wußten und bei aller Tatkräftigkeit doch gern vorher den Streit gründlich besprachen , so ging er doch jetzt ebenso stramm und lautlos von hinnen wie ein geforderter Student oder Gardeoffizier , während der Zipfel seiner Kappe gemütlich klingelte und sein Herz gewaltig klopfte . Beide erzürnte Freunde fanden nur zu leicht und bald andere Törichte unter den heimwärts schwärmenden Künstlern , welche sogleich mit feierlicher Bereitwilligkeit die erforderlichen Verabredungen und Vorbereitungen trafen . Das Duell sollte in Ferdinands Wohnung stattfinden . Dieser begab sich nach Hause und blieb den übrigen Teil der Nacht auf , ohne sich umzukleiden . Er schrieb einige Briefe und versiegelte sie , warf das erotische Album , das ihm in die Hände fiel , unwillkürlich und errötend ins Feuer , ordnete dies und jenes , und als er damit zu Ende war , löschte er das Licht , setzte sich an das Fenster und erwartete den anbrechenden Morgen . Ohne Haß gegen Heinrich zu empfinden , war er doch sehr traurig und gekränkt durch das unbedachte und bösartige Wort , welches dieser ihm ins Gesicht geworfen . Er unterdrückte daher den Gedanken , als der Ältere die Beleidigung zu verzeihen und sich bei kaltem Blute mit dem jungen Freunde auszugleichen , und gedachte dem Unbesonnenen als einem Vertreter einer ganzen Gattung und Lebensrichtung einmal eine Lektion zu geben oder wenigstens durch den Ernst des Vorfalles ihm die Augen zu öffnen . Für sich war er nicht besorgt , und es war ihm in seiner jetzigen Stimmung gleichgültig , was ihn betreffen möchte , ja er wünschte , daß Heinrich ihn träfe und sein Blut vergösse , damit er recht empfindlich für seine leichtsinnige Kränkung bestraft würde . Dann richtete er seine Gedanken auf Rosalien , die ihm nun , da sie liebte und verlobt war , noch schöner und wünschenswerter erschien . Er glaubte überzeugt zu sein , daß er sie dauernd geliebt hätte , und sah sich die schöne Frau wie ein guter Stern entschwinden , der nie wiederkehrt . Heinrich fühlte sich so aufgeregt und