und Antwort , in der glücklichsten Sicherheit die ganze Welt vergessend . Da hörten sie plötzlich leise und endlich lauter wiederholt die Worte : Wo bin ich ? Margarith , bist Du hier ? Wer umgiebt mich ? Erschrocken sprangen Beide auf , und Margarith flog nach dem Bette . Aufgerichtet saß hier Lady Maria , und blickte matt und fragend in Margariths treue Augen . Theure Lady ! rief das gute Mädchen heiter , o Gott sei gedankt , daß Ihr so weit seid , Ihr könnt ja sprechen und Euch bewegen , nicht ? Euch ist besser ? Besser , gutes Kind , erwiederte Lady Maria sanft , wenn auch nicht genesen ; ich bin sehr matt , aber Deiner liebevollen Mühe danke ich , daß der qualvolle Zustand endete , in den mich die schreckliche Lady versetzt hatte . Wie hat man Dich aber zu mir gelassen , und wie werde ich zu sichern sein gegen die schreckliche Frau , deren Anblick ich fürchte wie den Tod . Doch sage mir , fuhr sie fort , sind wir allein , oder bewegt sich hinter Dir Jemand ? Margarith trat schüchtern seitwärts und zeigte Lanci , der sich auf den Knieen hinter ihr verborgen hatte . Zürnt ihm nicht , theure Lady , sprach sie dabei , er meint es gut , will uns Beide retten . Lanci , sagte Lady Maria , bist Du aus London zurück ? Gutes Kind ! hier sind schlimme Zeiten indeß eingetreten ; Margarith und ich haben unsern einzigen Beschützer verloren . Ja , Lady ! rief Lanci , noch immer auf seinen Knieen liegend und zugleich überwältigt von Verehrung und Betrübniß über ihren Anblick ; ja , es ist viel Trauriges geschehn , aber hat Gott Euch einen Beschützer genommen , so hat er Euch zwei dafür wiedergegeben , die Alles anwenden , Euch hier wegzuführen . Lady Maria schwieg einen Augenblick , und sah ihn trübe und nachsinnend an ; dann sprach sie muthlos : Niemand von Allen , die mir einst Schutz gaben , kennt mein Gefängniß , guter Lanci , wer sollte außer ihnen sich mein erbarmen wollen ? Doch , doch , sprach Margarith eifrig und zog Lanci näher , indem Beide vor dem Bette niederknieten , es sind alte Freunde von Euch , liebe Lady ! Nicht wahr , fragte Lanci , recht beglückt lächelnd , Master Brixton ist ein alter Freund von Euer Gnaden ? Brixton ! rief Maria , und die Ueberraschung goß ein lang verschwundenes Purpurlicht über ihr Gesicht . Mein Lehrer ! Mein Freund ! Mein zweiter Vater ! Ja , Lady ! rief Lanci , er ist in Eurer Nähe , und für Eure Flucht wird gesorgt sein , so bald Ihr gehen könnt ; werdet nur gesund . Gesund ? rief Maria , als früge sie sich selbst , ob sie noch krank sein könne bei dieser Botschaft . Ich bin gesund , gesund genug , um diesem Kerker entfliehen zu können . Steht auf , Kinder , damit ich meine Kräfte prüfe , sie können mich nicht verlassen wollen , wo sie mir dienen sollen . Sie warf die Decke weg und stand plötzlich in ihrem groben Nonnenkleide vor dem erstaunten Lanci . Aber dieser schnelle Aufschwung der Kräfte , dem Ruf des starken Geistes gehorchend , war nur vorübergehend ; schwindelnd fühlte sie ihr Haupt von heftigen Schmerzen durchzuckt und sank fast eben so schnell erbleichend auf ihr Lager zurück . Betrübt sahen die jungen Leute diesen Zustand mit an und mochten daraus bange Schlüsse für ihre Lage ziehn , als Lady Maria sich anstrengte , sich aufzurichten , und , von Margariths Armen unterstützt , aufrecht zu sitzen suchte . Sprich , mein Kind , sprach sie zu Lanci , Du mußt mir viel zu sagen haben . Schickte er mir kein Zeichen seines Daseins , hast Du keine Zeile von ihm an mich ? - Nein , theure Lady , das nicht . Ich mußte heimlich von da fort , wo wir zuletzt rasteten , um Euerm Feinde zuvorzukommen , denn Pater Johannes ist im Anmarsch . Hätte der mich gesehn , so wär ' ich und vielleicht der ganze Plan verloren gewesen . So bin ich nun vorangeeilt , damit Ihr nur erst wüßtet , daß wir da sind , und in der Hoffnung , daß wir eher , als er , ankämen . - Ach , rief Maria schmerzlich , warum verläßt mich meine Kraft ! Wie dringend nöthig scheint sie mir , um aus diesem wohlverwahrten Kerker zu entfliehn , wo die Lady mich bald vermissen wird und ich dann aufs Strengste bewacht sein werde , erfährt sie mein Unwohlsein . Denkt denn aber Master Brixton nicht daran , mich von der Lady selbst zu fordern ? Wie darf sie mich zurückhalten , da sie kein Recht über mich haben kann ? - Nein ! Nein ! liebe Lady , das dürfen sie nicht , das würde uns alle unglücklich machen . Einer , der Alles angeordnet hat , dem sie folgen , weil er es am Besten versteht , er hat es streng verboten . - Und wer ist dieser Eine ? fragte Maria . - Ich darf ihn nicht nennen , liebe Lady , fraget mich nicht , aber er meint es gut mit Euch , und ich bin sein Bote , und Ihr werdet mir doch vertrauen ? - Ach ! sprach Maria , wenn Brixton Dir vertraut und es also will , wie darf ich da noch zweifeln . Doch was kann geschehn , damit ich entkomme , wie soll ich es anfangen ? - Diese Frage ward durch einen schleichenden , schleppenden Schritt auf dem Gange unterbrochen , den Alle zugleich mit nicht geringem Entsetzen hörten . Es nahte Jemand , dies war gewiß , und Lanci durfte nicht entdeckt werden , ohne Verdacht zu erregen , da er überdies aus dem Schlosse verwiesen war . Das Gemach