Sprünglin Auftrag hatten , und es hier offenbar nur einem Liebeshandel galt , so blieben wir zurück , absonderlich , da uns ein wahres Mordgeschrei vom Tannicht her , zu Ohren kam . Wie das wüthende Heer , trotz Blitz und Sturm jagen wir zurück und fallen gerade in ein Gemetzel , das zwei verkappte und bewehrte Buben an einigen Leuten verüben wollen , die mit Leuchte und Haue und einem Pfaffen von Bergen gekommen waren , um beim Tannicht nach Schätzen zu graben . Hier war unsere Hülfe nöthig , und wir schlugen auf die Räuber los , wie die Bären , ohne daß sie recht verwußten , woher das neue Wetter kam . Der Eine wollte just dem Pfaffen an die Kehle , weil er Geld bei sich trug ; der Andere balgte sich mit den beiden andern Leuten herum . Den Ersten rannte ein Lanzenstoß , wie ich glaube , nieder , und dem Zweiten spaltete der Bastian , den der Leuenberger böse gemacht hatte , mit der Hellebarde den Kopf , daß er niederschlug , als hätte er nie gestanden . Zum Unglück verlöschte plötzlich im gewaltigsten Platzregen die schwache Leuchte , und wir sahen unter einander herumschlagend beim nächsten Blitze nur , daß wir in Gefahr waren , uns selbst und gegenseitig todt zu machen . Der Teufel mochte es länger im Freien aushalten . Es wetterte nieder , wie eine Sündfluth , und wir , wie die Leute von Bergen kamen wie gebadet in dem Gehöfte zum Tannicht an . Das Höllengestürme hörte indessen bald auf , und wir suchten nachher in allen Richtungen auf dem Platze nach , aber keine Spur von den Erschlagenen war zu finden , und sicher hat sie der Teufel während des fürchterlichen Donnerschlags geholt , der uns sammt und sonders unter Dach trieb . Nicht einmal ein Saum von Blut war mehr auf dem Boden zu schauen . Der Regen hatte Alles abgespült . Während wir nun lange Zeit suchten und lugten , so sah Einer vor uns , wie von fern ein Brand aufging , und da wir drauf los eilten , so kamen wir gerade an die Martenschenke , die lichterloh brannte , dergestalt , daß sich keiner von uns hinein wagte . Entweder war die Hütte ganz verlassen , oder alle Leute waren darin umgekommen , denn es war nichts zu hören als das Jauchen der Flamme , und das Geprassel der Balken . Von dannen kehrten wir zur Stadt zurück . « - » Und habt bewiesen , daß Ihr trunkne Mannen gewesen , die man in der Folge zum Ochsentreiben , aber nicht zum Spitzbubenfang aussenden wird ; « versetzte der Schultheiß mit erkünstelter Strenge , obschon es ihn ergötzte , daß Diethers Hoffnung auf ein günstigeres Ergebniß getäuscht worden war : » Ihr , Hauptmann , hättet besser daran gethan , einen verständigern Gesellen zum Führer zu wählen , als diesen breitmäuligen Erzähler , den der rohe Witz eines Gaudiebs dergestalt überlisten konnte . Mir thut es leid , « - fügte er aufstehend , und gegen Diether gewendet , hinzu , - » daß Ihr um nichts gelehrter seyd , nach diesem Zuge , und lade Euch ein , von diesem Handel abzubrechen , da ich Leute nahen sehe , die unsre Aufmerksamkeit anderweitig in Anspruch nehmen werden . « - » Sogleich ; « entgegnete Diether finster grollend : » Was ist aber aus dem Leuenberger geworden , und dem Weibe , das zu ihm sich gefunden ? « - » Traun , lieber Herr , « antwortete der Rottmeister verdutzt : » Das mögen die Beiden am Besten wissen . Hat sie nicht der Blitz erschlagen , werden sie wohl mit heiler Haut davon gekommen seyn . « - » Dummkopf ! « murrte Diether dem Fortgehenden nach , und sprach dann vor sich hin : » Bleibt mir denn eine Wahl der Gedanken und Vermuthungen ? Margarethe war das Weib ... und ihr bös Gewissen hat sie von mir gejagt . O , ich stehe allein unter entmenschten Geschöpfen , gezwungen zu hassen , die ich liebe , ein verlassener , betrogener , mißhandelter Greis ! « - » Macht Euch auf Weiteres noch gefaßt ; « sprach der Oberstrichter sanft zu ihm , und Diether gewahrte beim Aufschauen das Gemach von Leuten angefüllt , in deren Kreise sich zu finden er sehr betroffen war . Da waren eingetreten , außer dem Richter in der Amtstracht , der Barfüßermönch Reinhold , der Predigermönch Johannes , berühmt durch seine Gelehrsamkeit und seines herrlichen Gemüths Vorzüge , der Edelknecht Gerhard von Hülshofen , welcher , blaß und abgefallen , kaum mehr zu erkennen war ; und im Hintergrunde verweilten noch zwei langbärtige , schattenähnliche Gestalten , Jochai und sein Sohn David . Frei ging der hundertjährige Vater einher , aber schwere Ketten belasteten die Hände des Sohns , dessen Blick indessen furchtlos war , obschon die Glieder bebten , vor Schwäche theils , theils vor Angst . Ganz zuletzt bemerkte Herr Diether an der Hand des Bettelmönchs einen Knaben , seinen Sohn . - » Hochwürdiger Herr , « sprach er bestürzt zu Reinhold : » wie kommt der Knabe hieher , und was soll er in dieser Versammlung ? « - » Ihr werdet ' s sehen , « antwortete der Mönch mit finsterm Blick , und auch der Predigermönch schwieg mit mißbilligenden Mienen , da der Schöffe an ihn sich wandte . Der Knabe schien an des Beichtvaters Hand nicht furchtsam zu seyn ; aber den Hülshofen betrachtete er mit aufmerksamem Gesichte und unverwandt . - Nachdem der Knecht die Thüre verschlossen hatte , vor dem Andrange des Volks , das in dem Wahne stand , die Juden müßten heute zum Flammentode verdammt werden , begann der Oberstrichter , nachdem er Platz genommen , und dem Schultheiß , dem Schöffen und den Ordensmännern Sitze angeboten , mit feierlichem Tone : » Es sind oft Dinge vor den Schranken