woher es kommt ; und ich habe ihn im Verdacht , daß das ihm alsdann einen kleinen Spaß macht ! « Zu Hause fand die Mutter die Klappe des Schreibtisches noch geöffnet und die Schublädchen aufgezogen , die nun leer waren ; sie schloß dieselben und öffnete beiläufig dasjenige , in welchem für ihr tägliches Bedürfnis ein unbeträchtliches Häuflein Münze in einem Schälchen lag und verkündigte , daß zunächst nun jede Wahl verschwunden war zwischen Gütlichtun und weiterm Darben und daß die gute Frau jetzt mit dem besten Willen sich keine guten Tage mehr hätte machen können . Allein das wurde von ihr weder bemerkt , noch kam es in Frage . Sie stieß auch dies Lädchen sogleich wieder zu , versorgte Schreibzeug und Siegellack , verschloß den Schrank und setzte sich auf das alte Sorgenstühlchen ohne Lehnen , um von ihren Taten auszuruhen , aufrecht wie ein Tännlein . So sehe ich sie jetzt noch , obgleich ich nicht dabei war , dank der Kenntnis ihrer Gewohnheiten , ähnlich wie der Altertumskundige mit seinen Hilfsmitteln und Anhaltspunkten die Ansicht eines zerstörten Denkmales wiederherstellt . Viertes Kapitel Das Flötenwunder Das Geldpack wurde mir nicht wie der Brief von dem Hauswirtskinde , sondern von dem Postboten selbst aufs Zimmer gebracht . Sein gewichtiges Treppensteigen , das so lange ausgeblieben , belebte die Leute sofort mit einer vorläufigen Genugtuung über das ungebrochene Vertrauen , das sie mir geschenkt ; mit dankbarer Gesinnung empfingen sie dann ihr ziemlich aufgelaufenes Guthaben , nachdem ich das Geld nicht ohne Mühe von den vielen Hüllen und Schnüren befreit und den neuen Brief rasch durchflogen hatte , der von unsicherer , ihren Gegenstand nicht übersehender Sorge geschrieben war . Auch der Schneider , der Schuhmacher und die übrigen Lieferanten unterschrieben ihre Rechnungen mit freundlicher Zufriedenheit und empfahlen sich für weitere Kundschaft . Das machte mir alles so viel Vergnügen , als ob es mein eigenes Verdienst wäre und ich die lieben Zahlungsmittel selbst erworben hätte . Fast bedauerte ich , daß nicht noch mehr zu bezahlen und die Herrlichkeit so bald zu Ende war ; doch wurde der Übermut gedämpft , als ich noch am gleichen Tage auch bar Geliehenes an gute Bekannte zurückzahlte und dieselben das Geld mit vollkommener Gleichgültigkeit beiseite legten . Hieran sah ich , daß ich in ihren Augen nicht etwas besonders Merkwürdiges getan hatte , und zog die Hörnlein der Selbstzufriedenheit wieder ein . Dennoch war ich leichten Mutes , betrachtete die Zahlungsfähigkeit der Mutter gewissermaßen als meine eigene und feierte am Abend ein kleines Befreiungsfest , mit dessen Aufwand , so bescheiden er war , das Mütterchen sich einen halben Monat lang erhalten konnte . Ich sang sogar in rascherm Takte , als seit manchen Tagen geschehen , ein Lied voll Sorgenverachtung , wie wenn ich aller Übel der Welt ledig wäre . Allein gleich am Morgen gewahrte ich , daß noch ein Ende der Kette vorhanden in Gestalt des Häufleins Taler , welches von meinem Schatze übriggeblieben war . Denn als ich denselben erst jetzt genauer berechnete und abzählte und die letzte schon angebrochene Papierhülse vollends auseinanderschlug , zeigte es sich , daß ich höchstens ein Vierteljahr daran zu leben hatte . Ich wunderte mich nicht wenig , wie die Sorge so behende wieder hereingeschlüpft , und vermutete zuletzt , sie sei gar nicht von der Stelle gegangen , gleich der Frau des Swinegels , die im Wettlaufe mit dem Hasen ruhig in der Furche saß und rief : » Ich bin allhier ! « Doch zögerte ich nicht , einen neuen Auslauf nach dem Erwerbe zu unternehmen ; mit Überlegung schlug ich , wie ich glaubte , einen klugen Mittelweg ein , indem ich ein paar kleinere Landschaften ohne Anspruch auf geistreichen Stil oder Phantasie , dagegen mit sorgfältiger Rücksicht auf Gefälligkeit zu malen begann , immerhin aber eine gewähltere Naturwahrheit zugrunde legte und nicht mit Gewalt das einmal zierlich Gewachsene ins Plumpe , das Geformte ins Formlose verwandelte . Auf diesem Wege vermeinte ich einen glücklichern Erfolg nicht verfehlen zu können , während mir unterderhand das angestrebte Gefällige der Ausführung nur zu einer gewissen reinlichen Bescheidenheit geriet , die Form aber für den rohern Blick sofort wieder einen verdächtigen Anschein von Stil gewann . Das war freilich wieder nicht zweckmäßig ; denn die gleichen Menschen , welche die Angelegenheiten ihres täglichen Lebens nur mit großen Worten und erhabenen Wendungen behandeln , sind es ja , die sogleich die Nase zurückziehen , wenn sie in der Kunst etwas wittern , das wie Stil oder Form aussieht . Neben der Vorsicht , die ich an die Arbeit verwandte , beschäftigte mich noch das Abwägen der fliehenden Zeit mit der täglichen Abnahme meines Barvorrates ; dies alles , mit einem geruhigen Maße von Furcht und Hoffnung durchwirkt , läßt mir jene kleine Spanne Zeit samt ihren kleinen Verhältnissen als ein Stück wohlverbrachten friedlichen Daseins erscheinen , gleichmäßig erfüllt von bescheidenem Anspruch , redlicher Tätigkeit und tröstlicher Erwartung des unbekannten Erfolges . Fehlt einem solchen Zustande einstweilen das tägliche Brot nicht , während das kommende Bedürfnis doch die Seelenkräfte wach erhält , so wäre er lebenslang leicht zu ertragen . Das erkennt man erst , wenn die Hoffnungen gebrochen sind und man den frühern Zustand , wo sie noch ungewiß waren , wieder herbeiwünscht . Als ich beide Zwillingsbilder fertig hatte , war es mit dem zufriedenen Leben vorbei , und ich mußte auf den Handel ausgehen . Sie der öffentlichen Ausstellung anzuvertrauen , konnte ich mich nach jenem plagiatorischen Unglück nicht schon wieder entschließen , was allerdings ein Zeichen des Anfänger oder Dilettantentumes war ; denn eine volle Begabung kann dergleichen leicht verschmerzen und braucht sich nicht darum zu kümmern , wie das Schattenvolk sich um das Eigentum von Ideen und Erfindungen zankt . Ich begab mich nun zu einem angesehenen Händler , Beherrscher der Auktionen und Aufkäufer von Künstlernachlässen , welcher auch ganz neue Bilder kaufte , wenn sie vor seiner Kennerschaft Gnade fanden oder seine Gewinnlust sonst durch irgendeinen