und was das Brautpaar selbst betreffe , so sei es zum mindesten auffallend , daß Baron Felix sich unausgesetzt in großer Entfernung von seiner Cousine halte , und Fräulein Helene , obgleich sie sich nie durch große Lebhaftigkeit auszeichne , heute offenbar mehr wie eine schöne kalte Marmorstatue , als ein junges Mädchen an ihrem Verlobungstage aussehe . Die Aufmerksamkeit der Gesellschaft wurde für einige Zeit von diesem problematischen Brautpaare abgelenkt , als jetzt , nachdem die ganze Gesellschaft fast versammelt war , ein wirkliches Brautpaar erschien , dessen Verlobung in den letzten Tagen eine so ungemeine Sensation erregt hatte : Fräulein Emilie von Breesen an dem Arme Arthur ' s von Cloten . Das junge Paar hatte zwar schon die üblichen Visiten gemacht ; aber die Nachbarschaft war groß . Zu Einigen hatte man beim besten Willen noch nicht kommen können , Andere hatte man zu seinem größten Bedauern nicht zu Hause getroffen - es gab noch eine Menge Gratulationen in Empfang zu nehmen und zu erwiedern . Fräulein von Breesen , Herr von Cloten bildeten den Gegenstand und Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit hier im Kreise der Damen , dort im Kreise der Herren . Herr von Cloten schien überglücklich ; er lachte und schwatzte unaufhörlich , und es schien ein halbes Wunder , daß von seinem blonden Schnurrbart auch nur ein einziges Härchen übrig geblieben war - so unausgesetzt wirbelte und drehte er denselben durch die Finger . Fräulein Emilie schien ihr Glück mit größerer Gelassenheit zu tragen ; ja , jene Minorität der Scharfsichtigen wollte eine trübe Wolke auf ihrer Stirn bemerken , so viel Mühe sich auch ihr reizender Mund gab , freundlich zu lächeln ; man behauptete , daß ihr Auge oft ruhelos über die Gesellschaft schweife , ohne auf ihrem glücklichen Bräutigam auch nur einen Moment zu verweilen . Es gab heute überreichen Stoff zu pikanten Klatschereien . Das Verhältniß von Cloten ' s zu der ebenso liebenswürdigen , wie gefährlichen Hortense von Barnewitz war in dieser Gesellschaft , in welcher es von Geschichtenträgern und Geberdespähern wimmelte , durchaus kein Geheimniß geblieben , und die letzte große Gesellschaft in Barnewitz , auf welcher es zwischen Cloten und dem Gemahl Hortense ' s zu einer so unerquicklichen Scene kam und Hortense die Unvorsichtigkeit beging , gerade in diesem Augenblicke in Ohnmacht zu fallen , hatte den letzten dünnen Schleier von dem Verhältniß fortgezogen . Nun war man äußerst neugierig , zu beobachten , wie sich Hortense in ihren Verlust schicken werde , und vor allem , ausfindig zu machen , wen die blonde Menschenfischerin zum glücklichen Nachfolger ihres treulosen Galan erkoren habe . Die Einen riethen auf den Grafen Grieben , die Andern auf Adolf von Breesen . Beide bewarben sich eifrigst um die gefährliche Gunst der Circe . Für Jenen sprach der Umstand , daß er ein verschmähter Bewerber der koketten Emilie , und als solcher ganz besonders zum Nachfolger Cloten ' s sich zu qualificiren schien : für diesen , daß er bei weitem der Hübscheste , Gewandteste und Kühnste der ganzen Schaar war - lauter Eigenschaften , welche die kluge Hortense sehr wohl zu schätzen wußte . Ich parire auf Grieben , sagte der junge Sylow ; zwölf Flaschen Champagner ! wer hält ? Ich , rief von Nadelitz ; pah ! da müßte ich Breesen nicht kennen . Sechs Flaschen Reugeld bis zum Cotillon heute Abend ? Ha , ha ! hört Ihr ' s ? Er verliert die Courage schon ; aber angenommen ; angenommen ! Wirklich ein famoses Weib , die Barnewitz ! sagte Hans von Plüggen ; ich wollte , ich stände auch auf der Candidatenliste . Nun , zu der Ehre ist leicht zu gelangen ; meinte ein Anderer . Ich weiß nicht , was Ihr an der Barnewitz findet ; sagte von Sylow . Da ist doch die Berkow eine ganz andere Erscheinung . Ich wollte , die Berkow wäre hier . Das wollten wohl noch Mehrere ! sagte ein Anderer ; aber Ihr wißt doch , daß Berkow todt und Melitta seit vorgestern zurück ist ? Eine alte Neuigkeit . Auch daß sie sich in Kurzem mit Oldenburg verloben wird ? Unsinn ! Ihr könnt Euch drauf verlassen ; ich habe es von der Barnewitz . Die wird es doch wohl wissen . Kommt denn Oldenburg heute nicht ? Ich hörte von Felix , daß er zugesagt habe ; aber Oldenburg hat ja seine besonderen Gewohnheiten . Melitta ' s Rückkehr und der Tod Herrn von Berkow ' s wurden nicht blos im Kreise der Jüngeren lebhaft debattirt . Melitta war eine der gefeiertsten Damen der Gesellschaft und hatte trotzdem merkwürdigerweise wenig Neider und Feinde . Hin und wieder wurde ihr ein etwas excentrisches Wesen , eine Neigung zum Besondern , Ungewöhnlichen zum Vorwurf gemacht ; dieser meinte , sie sei ihm zu gebildet ; jener , sie kokettire mit dem Liberalismus - aber im Allgemeinen wurde ihre Liebenswürdigkeit , ihre Gutmüthigkeit und Anspruchslosigkeit doch willig anerkannt ; abgesehen davon , daß der Zauber ihrer Erscheinung über allen Widerspruch erhaben war . Man freute sich , daß sie endlich von dem Alp , der so lange auf ihrem Herzen gelastet , erlöst sei , und war äußerst begierig zu wissen , wen sie demnächst mit ihrer Hand beglücken werde . Denn daß eine so junge , lebenslustige Frau jetzt , da sie sich wieder frei fühlen durfte , nicht lange unvermählt bleiben könne , schien unzweifelhaft . In der allerletzten Zeit war , man wußte nicht recht durch wen ? das Gerücht verbreitet worden , Baron Oldenburg habe bei weitem die meisten Aussichten ; ja , ganz unter der Hand erzählte man sich , eine Intimität zwischen dem Baron und Melitta habe von jeher bestanden , und Herr von Berkow habe zu sehr gelegener Zeit den Verstand verloren . Man trug sich sogar mit gewissen Details aus der Geschichte dieses geheimnißvollen Verhältnisses , die , wenn sie begründet waren , den Ruf Melitta ' s