Stadt her ein Wagen gefahren , in welchem Graf Damian , Corona , Hyazinth und Felicitas saßen . Orest machte eine große Jagdpartie mit , sonst würde er zwar nicht seine Familie , wohl aber Judith begleitet haben . Florentin erkannte schon von Weitem die Ankommenden und rief : » Da ist die ganze Familie von Graf Orest . « » Wer ist der junge Geistliche ? « fragte Lelio . » Sein jüngster Bruder - ein Schwärmer erster Ordnung ! vielleicht kein Betrüger , doch ganz gewiß ein Betrogener . « » Du machst eine Einteilung und einen Unterschied , als ob Du von den verschiedenen Graden der Eingeweihten in irgend einer geheimen Gesellschaft sprächest , « entgegnete Lelio mit großer Bestimmtheit . » Das paßt aber nicht für den katholischen Priesterstand und ich bitte Dich nicht zu vergessen , daß ich Katholik bin und folglich eine Gleichstellung vom Grand-Orient und von der heiligen Kirche nicht dulden kann . « » Warum denn nicht ! « rief Florentin . » Der Priesterstand ist gleichsam die Miliz einer Sache , die er heilig nennt und er schart sich zu gegliederter Ordnung um seine Anführer , die Bischöfe , welche die Parole erteilen . Wir sind auch eine Miliz , haben auch eine heilige Sache und empfangen auch von unseren Führern die Parole . Aber an uns ist es , uns jeden Vergleich mit der Kirche zu verbitten . « » Kommen Sie , Lelio ! « rief Judith ungeduldig ; » wir wollen zum Zirkus des Maxentius gehen - so nannten Sie ihn ja wohl ? - dessen Trümmer man schon von hier gewahr wird . « Und rasch schlug sie den Weg dahin ein , ohne einen Blick auf den Wagen zu werfen . Madame Miranes blieb etwas zurück , nahm die Ankommenden in Augenschein und sagte dann zu Florentin : » Das ist aber nicht die Gräfin Regina Windeck . « » Nein , es ist die jüngste Tochter von Graf Damian . Die älteste ist im Kloster . « » O Himmel ! warum denn das ? « » Fanatismus ! Sucht nach besonderen Dingen ! Es hieß , sie wolle Fürstin werden und die Heirat sei nicht zu Stande gekommen . « » Und dafür suchte sie Ersatz im Kloster ? « » Ersatz , Trost , was weiß ich ! Unglückliche Liebe ist ja immer der Grund , der junge Mädchen in ' s Kloster treibt . « » Was ist denn aus dem Graf Uriel geworden , der damals in Frankfurt lebte und ein bildschöner und sehr angenehmer junger Mann war . « » Nichts ! ein Herumtreiber ! ein hochgräflicher Vagabund ! « » Hat er sich auch auf die unselige revolutionäre Seite gelegt ? « rief Madame Miranes unbefangen . » O nein , « entgegnete Florentin , äußerst entrüstet über diese naive Frage ; » der ist und bleibt ein Ultra unter den Aristokraten . Aber es ist eben nichts Tüchtiges aus ihm geworden , man hat ihn im Staatsdienst nicht brauchen können und so hat er sich auf die ächte faule Seite gelegt : er reist in der Welt umher , ohne Zweck , ohne Geschäft , ohne Sinn . « » Schade um ihn ! er war schon damals eine brillante Erscheinung in der Gesellschaft . « » Freilich schade ! aber was ließ sich von einer Windecker Erziehung anders erwarten ! Wo eine so bigotte Mutter und ein so fanatischer geistlicher Onkel den Ton angaben , mußten Kirchenblumen erzielt werden , ohne Farbe und Duft . « » Welch ein Glück , daß Sie und Graf Orest diesem traurigen Einfluß sich entzogen haben . « » Ja ! « rief Florentin jubilierend , » da kann der Mensch den rechten Gebrauch seines freien Willens an den Tag legen , wenn er sich über die Mißgriffe , die Fehler , die fesselnden Gewohnheiten seiner Erziehung hinaus schwingt und eine neue Bildung sich zu eigen macht . « - Als die eine Gesellschaft mit der Besichtigung der Zirkusruine und die andere mit dem Grabmal der Cäcilia Metella fertig war und jede zu ihrem Wagen zurückkehrte , rief plötzlich Hyazinth : » Da kommt der heilige Vater ! o seht , er kommt des Weges ! er geht zu Fuß ! in der weißen Soutane - das ist er . « » Welch ein Glücksstern waltet über uns ! « rief Graf Damian vergnügt . » Diese Wonne ! Lili bekommt seinen Segen ! « jubelte Corona . Sie hatte einen herrlichen Blumenstrauß von Rosen und Orangenblüten in der Hand ; sie riß ihn auseinander , gab die einzelnen Blumen an Felicitas und unterrichtete das Kind , was es zu tun habe . Dann warteten alle in frohbewegter Spannung , daß der heilige Vater sich nahe . Er ging zwischen zwei Herren seines Gefolges ; andere hinter ihm ; in einiger Entfernung fuhren die Wagen langsam nach . Lelio hatte mit ebenso großer Freude wie Hyazinth seiner Gesellschaft die Ankunft des heiligen Vaters angezeigt , aber nicht dieselbe Teilnahme gefunden . » Weltlicher Fürst und Priesterkönig ! « rief Florentin ; » zwiefachen Hasses wert ! o könnt ' ich ihm diesen Haß ausdrücken . « » Nahest Du dich ihm oder sagst Du eine Silbe , so schlag ' ich Dich zu Boden ! « rief Lelio zornesbleich . » Ruhig , Lelio ! « sagte Judith ; » Fiorino weiß , wie er sich in meiner Gesellschaft zu benehmen hat . Sie können aber nicht von uns Ihre papistische Adoration verlangen . « » Ein fremder Souverän geht uns gar nichts an , « sagte Madame Miranes ; » und was den Glanz betrifft , so haben wir schon ganz andere gekrönte Häupter gesehen . « - Sie bildeten eine eigentümliche Gruppe ! Judith stand da , hoch aufgerichtet , kalt und stolz , wie jemand , der gewöhnt ist , Huldigungen zu empfangen , nicht darzubringen . Madame