und zerschlüge sie , wie sie schon oft gethan , in einzelne Theile an diejenigen Adeligen , die der Centralisation geneigt sind . Die vierte Partei ist die der Landschaft . Sie bestreitet die Gültigkeit des Familienstatuts und will der Gräfin Paula die volle Freiheit erhalten , ihre Hand zu vergeben , wem sie wolle , und ihm außerdem auch noch die guten 60000 Seelen ganz so zuzubringen , wie diese dermaleinst in Abraham ' s Schoose zu sitzen hoffen . Denn - nun kommen die Spitzfindigkeiten unsers Sporenritters - die in dem Familienstatut vorgesehene Bedingung erfülle sich nicht ; die ältere Linie hätte , als sie katholisch wurde , die Bedingung dahin abgeändert , daß die verlangte Religion auch der andern Linie die katholische sein müßte . Obgleich nun erstens der Beweis für diese Aenderung schwer zu führen ist , im Gegentheil von der jüngern Linie nur ein den Verhältnissen sich fügendes stilles Geschehenlassen und Dulden des Religionswechsels behauptet wird , zweitens der Staat Religionsbedingungen überhaupt bei Testamentsvollstreckungen für unzulässig erklärt , so will die fünfte Partei , die der Geistlichkeit , noch weiter gehen . Sie will nicht nur jene 60000 Seelen , sondern auch noch Paula dazu gewinnen . Sie hofft , Paula würde den Schleier nehmen , vielleicht ein Kloster stiften und den Rest ihrer Güter der Kirche vermachen ... Wie kommt man zu dieser Voraussetzung ? loderte Bonaventura fast unwillig auf ... Benno , ohne auf die Parteinahme des Priesters für seine Mitleviten zu hören , fuhr fort : Ja auch der Kirchenfürst ist betheiligt ! Die Erzdiöcese hat in ihrer geistlichen Obhut hier und da versprengte Stifte ; zu ihnen gehört in jener Gegend das Stift Heiligenkreuz , ursprünglich eine Jesuitenbesitzung . Als die Jesuiten aufgehoben wurden , verblieb Heiligenkreuz dem Staate zu provinziellen Zwecken . Er begründete ein adeliges Fräuleinstift , das dem Lande als solches sehr willkommen wäre , wenn nur die Verleihung der Stellen in den Händen des Adels geblieben wäre . Es ist aber nicht so gekommen . Die Confessionen werden nicht mehr berücksichtigt und die Schwester eines Erzbischofs kann dort ruhig neben der Tochter eines lutherischen Pfarrers sitzen , wenn dieser , wie jetzt schon drüben in den Fabrikgegenden vorkommt , zufällig von Adel ist . Rings um Heiligenkreuz ist Feld und Wald camphausisch . Um diese Einfriedigung von Heiligenkreuz wird der Kampf entbrennen und wer weiß , ob ich nicht nächstens dort mit Nück ' schen Vollmachten auf dem Schauplatze erscheinen muß ! Um sein Recht zu zeigen , hat Graf Hugo von Salem-Camphausen vorläufig schon den Verkauf der Güter um Heiligenkreuz angeordnet ; der Kronsyndikus und dessen Sohn , dein Stiefvater , haben die Berechtigung dazu ebenso wenig beanstandet wie die Regierung , die selbst darauf bietet zum Wiederverkauf an ihre Angehörigen oder zu Staatszwecken . Graf Hugo hat einen gewissen Wenzel von Terschka angekündigt , seinen Chargé d ' affaires . Paula erklärt er schon um deswillen für erbunberechtigt , weil sie - katholisch wäre , und Nück wieder bekämpft den Grafen , weil er Lutheraner ist . Eine Urkunde , nach welcher der katholisch gewordene Graf Franz Dorste-Camphausen Anno 1648 die Urkunde des Familienstatuts zu Gunsten nur der katholischen Religion geändert haben soll , fehlt bisjetzt , doch behauptet Nück , daß sie sich finden würde . Auf Schloß Westerhof ist sie nicht , Nück versichert aber , sie wäre auf Schloß Salem bei Wien oder auf Schloß Castellungo im Piemontesischen . Ich wünschte einigen Italienern zu begegnen , die aus letzterer Gegend gebürtig sind und mir vielleicht die Gelegenheit angeben , wie wir jene Urkunde dort ins gräfliche Archiv - einschmuggeln - Ja , ja ! Lache nicht ! Die Kunst , in alten Lettern auf Pergament zu schreiben , ist in unserer Stadt vortrefflich im Gange ! Welch feindseliges Chaos ! rief Bonaventura aus nach dieser scherzenden Wendung , die wieder doch so viel Ernst enthielt , daß Benno tief aufseufzend hinzufügen konnte : Es ist wahr , daß man am Guten keine reine Freude haben kann , wenn die Vermittler und Förderer desselben mehr List als Kraft einsetzen müssen , um ihm den Sieg zu verschaffen ! Und doch - geht ' s allen menschlichen Bestrebungen nicht so ? Auch eurer Kirche ? Eurer ? sprach Bonaventura fast vorwurfsvoll . Der Hierarchie mein ' ich ! verbesserte Benno . Ist sie nicht recht eigentlich ein reiner Gedanke in oft - wie unreiner Form ! Nein ! unterbrach Bonaventura . Die große Thorheit unserer Gegner besteht nur darin , unser schwaches Streben verantwortlich zu machen für unser Ziel . Daß wir der Priester unwürdige genug haben , sollten wir getrost täglich bekennen dürfen . Schon daß ein Frommer wieder zuweilen in die Sünde zurückfällt , entscheidet ja an und für sich nichts gegen seinen bessern Sinn . Wie wir die Begriffe von der Erscheinung trennen müssen , sah ich recht , als ich in St.-Wolfgang mein Amt antrat . In dem Patron meiner Kirche , dem heiligen Wolfgang , hatt ' ich einen Spiegel der Nacheiferung für die Kraft und Würde des Priesterthums . Der heilige Wolfgang ist ein Deutscher , ein Graf von Pfullingen-Waltenburg gewesen . Mit einem innig geliebten Freunde , dem Bruder des Bischofs von Würzburg , studirte er in Würzburg , schlug alle geistlichen Aemter aus , folgte immer nur diesem Freunde , ward Mönch und wurde zuletzt fast nur gewaltsam gezwungen , das Erzbisthum Regensburg zu übernehmen . Wie aber hat er dann den Tempel von den Wechslern rein gefegt ! Ihm sonst in allem unähnlich , hatte ich einen Vorgänger , der noch jetzt , hieher in diese Gegend versetzt , mehr dem Spiel und Vergnügen , als seinem Berufe ergeben sein mag . Wie der Herr , so der Diener . Den Meßner fand ich bei meinem Antritt von derselben Vernachlässigung . Als ich zum ersten male die Messe lesen will und gewöhnt war , die schöne Ordnung der St.-Zenokirche zu Kocher am Fall vorauszusetzen und