, indem sie mit einiger Heftigkeit das Glas dem jungen Mädchen an die Lippen hielt . Adelheid nippte , aber das Glas fiel auf die Erde , sie selbst knickte zusammen und wäre selbst gefallen , wenn die Fürstin sie nicht aufgefangen , und mit dem hinzuspringenden Bovillard auf ein Kanapée gebracht hätte . Die Lupinus hatte sich diesen Augenblick entgehen lassen , in dem sie mit dem Legationsrath ein rasches Gespräch in stummen Blicken gewechselt . Wandels ernster Blick schien tief eindringend , die Geheimräthin hielt ihn nicht aus , und als sie ihn gesenkt , hörte sie die Worte ins Ohr geflüstert : » Was soll diese Komödie ! Ich hoffe hier ist nichts vorgefallen , was Sie bereuen müssten ! « Sie wollte die Lippen öffnen , als Adelheids unterdrückter , unartikulirter Schrei die Aufmerksamkeit der Hülfeleistenden auf den Gegenstand der Theilnahme wieder zog . » Es muß doch etwas mehr als die Hitze im Hause sein , « bemerkte die Fürstin mit einem eigenen Ton . Bovillard fragte : » War sie vielleicht zum ersten Mal im Theater ? « Er setzte hinzu , die Blicke der jungen Offiziere , die eben nicht mit Schonung sie fixirten , möchten sie afficirt haben . » Ein Flacon ! « nief die Geheimräthin . Die Fürstin neben Adelheid knieend , hielt es ihr bereits an das Gesicht . Die Lupinus wandte sich zum Legationsrath : » Mein Gott , was zaudern Sie ! Eines Ihrer Hausmittel , die Sie stets bei sich führen . « » Meine einfachen Mittel wende ich nur an , wo mir der eigentliche Grund der Krankheit nicht unbekannt blieb . « Die Geheimräthin hatte sich wieder gefunden : » Der eigentliche Grund der Krankheit kann Denen nicht unbekannt sein , die von dem überschwänglichen Gemüth des jungen Mädchens unterrichtet sind . Patriotin bis in die äußersten Fibern ihrer Seele hat sie seit vierzehn Tagen an einer Fahne für unsere Garnison gestickt , und mich und sich um ihre Nächte betrogen . Erst heute Morgen entdeckte ich es , und es hatte leider eine lebhafte Scene zur Folge , die ich jetzt bereue , und zu der mich doch die Pflicht für die Gesundheit des Mädchens trieb . - Man hat etwas mehr zu sorgen für fremde als für eigne Kinder , « setzte sie mit einem feierlichen Tone , der Resignation oder des gekränkten Bewusstseins , hinzu . » Um dem Gerede der Leute zu entgehen , « sagte die Fürstin . » Aber auf Dank rechne Niemand , der Pflichten übernimmt , die über seine Pflicht gehen , « bemerkte der Legationsrath . » Aber wir Alle sind Ihnen dankbar , « fiel die Fürstin besänftigend ein , » für die geschickte Weise , wie Sie das Kind , und noch zu rechter Zeit , aus der Loge führten . Ich bewunderte Madame Lupinus wirklich , und , Gott sei gelobt , es hat gar kein Aufsehen erregt . - Sie athmet . « » Aber noch geschlossene Augen . « » Mein Hotel ist so nahe , liebe Geheimräthin , ich würde mir ein Vergnügen machen , selbst sie dahin zu schaffen . Eine Portchaise steht im Flur . Mein Kammerdiener fliegt dahin - wenn - « » Wenn Madame Lupinus , « fiel der Legationsrath rasch ein , » nicht die Hoffnung hegte , daß die junge Dame sich noch erholte , um an ihrer Seite zur Vorstellung zurückkehren zu können . Und die Hoffnung scheint mir begründet . « Der Legationsrath hatte rasch aus seinem Etui ein Fläschchen geholt , welches er der Fürstin überreichte : » Drei Tropfen in den Händen gerieben , und damit in Intervallen über die Schläfe gefahren . Nur der Luftdruck , nicht Berührung ! « Er war ehrerbietig zurückgetreten , ohne auf die Frage : » Warum nicht Sie selbst ? « zu antworten . Die Ouverture begann schon . » Ich begreife Sie nicht , « sagte leise die Lupinus , an deren Seite er sich gestellt , während der Geheimrath Bovillard der Fürstin beistand . » Noch weniger ich den Zusammenhang hier , « entgegnete er im selben Tone . » Was ging hier vor ? « » Sie sah eben ihren Liebhaber . Sie hatte ihn vor dem Theater erwartet , so glaube ich wenigstens aus ihren Reden in der Extase schließen zu dürfen . Sie hatte ihm geschrieben , ihn zu sich geladen . Und statt zu kommen - « » Sah sie ihn an der Seite eines hübschen Mädchens , dem er viel Aufmerksamkeit erwies . « » Ist das nicht Grund genug , Herr Legationsrath ? « Wandel zuckte die Achseln : » Unter andern Verhältnissen . Erlauben Sie mir indeß zu glauben , daß es hier kein Grund ist . Doch bin ich beruhigt , und verzeihen Sie , wenn ich es vorhin nicht schien . Das erste Gesetz der Wissenden , meine Freundin , ist , sich zu hüten vor dem Unnöthigen , wo das Nothwendige schon unsere ganze Geisteskraft beansprucht . Wir dürfen nicht spielen mit den Dämonen , wie diese hier thun ; sie vertragen es nicht . Sie gehorchen uns nur , wenn wir das eiserne Auge nie von ihnen lassen und mit einem Stahlarm sie pressen - auf das Nothwendige hin . Von Phantasten und Jongleurs reißen sie sich los , und schlagen sie mit den zerrissenen Fesseln nieder . « Im Theater wurde es laut . Ein Theil des Publikums schien durch Summen und Singen die kriegerischen Töne der Ouverture zu accompagniren . » Mein Gott , - wenn sie doch jetzt - wir versäumen etwas ! « rief die Lupinus , es war aber nicht das Verlangen , nach dem Theater zurückzukehren . » Wie sanft sie athmet ! « sagte die Fürstin . » Debarrassiren Sie sich von ihr . Es ist am Ende doch das Gescheidteste ! « flüsterte Wandel der Geheimräthin zu . Sie blickte ihn