hinauf . Es bestand dies Haus aus zwei Theilen , von denen der eine ( beide hatten Plattdächer ) für die berühmte Malerschule des Professors Berg bestimmt war . Der andre enthielt Wohnungen ; sie waren durch eine Terrasse verbunden , die mit Orangen- , Oleanderbäumen und Cactus verziert waren und einen Gang bildeten , über den Professor Berg zu seinen Schülern aus seiner Wohnung hinübergehen konnte . Eben ging auch der gefeierte Meister im leichten Überwurfe aus der Glasthür des Wohnhauses über diese Verbindungsterrasse in ' s Atelier . Er hatte ein ernstes , edles Gesicht , das mit langen grauen Locken beschattet war . Freundlich grüßte er zu den Brüdern hinunter . Aha ! Dein Tizian ! sagte Dankmar . Bruder , ich weiß nicht , Leidenfrost ist doch werth , daß man ihn durchprügelt . Wie du Das so erträgst ! Hätte der Vater nicht auf dem Todtenbette zu uns gesagt : Wie lieblich , wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen ! ich finge einen Heidenlärm mit dir an und zwänge dich mit ihm wenigstens zu einem Gang auf geschärfte Rappiere ! Wetter , Bruder ! Wie kann man harmoniren , wo eine solche unaufgelöste Dissonanz doch immer nebenher brummt ! Hab ' ich nicht , sagte Siegbert , durch dies Alles einen reichen Gewinn ? Leidenfrost ' s geniale Natur ist mir näher getreten : er zeigt mir aus Reue ein Gemüth , das er Allen verbirgt . Was hätt ' ich nun , wenn ich ihn hassen müßte , mich zwänge , ihn zu hassen , den wunderlichen , in sich doch auch nicht glücklichen Menschen ! Und bei dieser Freundschaft gewann ich noch eine andere , jenen Louis Armand , der mir , fast möcht ' ich sagen in reinlicherer , graziöserer Weise die Ideen von dem möglich gesteigerten Glücke des Volkes verwirklicht , als ich sie an unsre schmutzigen , meist rohen und gedankenlosen Handwerker anknüpfen könnte . Wir sehen ihn vielleicht heut ' Abend , wenn ihn der Fürst von Hohenberg nicht in Anspruch nimmt . Prinz Egon ! wiederholte Dankmar mit einem Erstaunen , das der Bruder nur auf den Rang eines Mannes bezog , mit dem ein einfacher Rahmentischler und Vergolder bekannt sein sollte ... Und von dem Tizian sprichst du , sagte endlich Dankmar , als Siegbert ihm die Hand gab , um in ' s Haus zu treten ... Von den Sphinxen und Melusinen sprichst du und von deinen Freunden und deinen durch Großmuth beschämten Feinden .. Aber die Madonna ! Diese Vielgestaltige ! Wer ist sie denn nun ? Dieser weibliche Proteus , Der Jedem anders und dir als eine Heilige erscheint ? Ich habe geschwiegen ... Ich wollte dir meine Bescheidenheit zeigen ... Aber du ehrst sie nicht . So werd ' ich indiscret und frage : Wer ist sie denn ? Hättest du nur nicht so viel Verstand , Dankmar ! sagte Siegbert . Von der Liebe schäm ' ich mich mit dir zu reden ... Wirst du nicht roth über und über ? Ich wette , es ist Berg ' s Tochter ! Der alte Tizian in Venedig hatte ja wol auch eine Tochter , die mit ihres Vaters Schülern ... seine Schule fortpflanzte ? Wie ? Fräulein Berg ist ' s ? Du kennst sie also nicht , sagte Siegbert . Und doch glaubt ' ich ... in Hohenberg ... In Hohenberg ? fragte Dankmar erstaunt . Sie ist eine Schülerin Berg ' s , hat Talent , aber wenig Ausdauer . Seit einigen Tagen ist sie verreist ... du solltest wissen wohin ? Ich ? Zuweilen war ich bei ihr eingeladen . Bis jetzt zog sie mich jedem Andern vor . Was Viele als Koketterie an ihr tadeln , scheint mir ein künstlerischer Sinn . Könnt ' ich sie gewinnen , ich hätte ein Ideal gefunden ; denn sie ist vollendet schön ... Dankmar wurde jetzt von einer Idee ergriffen , die ihn erstarren machte . Er wußte , daß Siegbert heute hier , morgen da , in Soireen und Theegesellschaften gebeten wurde . Daß ihn Melanie Schlurck kannte , schien ihm sowenig auffallend , daß auch nicht ein Gedanke ihm gekommen war , der in seinem Geschmacke an Frauen so wählerische Bruder möchte sich in die Netze gerade dieser Siegbert ' s ganzer Natur widersprechenden Erscheinung verloren haben . Aber als er schon von deren Abwesenheit hörte , von verreist , von Hohenberg , von Koketterie ... erschrak er furchtbar und wie in dem sichern Gefühle einer Ahnung , mit der ihm die Schuppen von den Augen fielen , sagte er : Doch nicht Melanie Schlurck ? Du kennst sie ? antwortete Siegbert hocherglühend und fast begeistert . Ja , gerade Die ist Berg ' s Schülerin und die Madonna . Sahst du sie nicht in Hohenberg ? ... Du schweigst ! So laß uns abbrechen . Ich sehe du bist verdrießlich , - du verurtheilst sie wie - Alle - Alle - oder - was hast du ? Nichts ! - nichts - Du bemitleidest mich - du hast einen wehmüthigen Zug um den Mund - warum wendest du dich ? Was ist dir ? Ich will gehen und die Couverte bei Grüns bestellen ... ... Du willst dort mit mir moralisiren ! Thu ' Das nicht , Dankmar ! Laß mir diese Täuschung , diesen Wahn ! Ich liebe Melanie Schlurck und wenn ich das Gespött der Welt würde . Und sie selbst ? Darüber heut ' Mittag ! Ich will an mein Ölblatt für das Gethsemane ... Du sollst mir Rath geben ! Aber nicht moralisiren ! Hörst du ? Ich liebe wahnsinnig ... Siegbert hatte keine Ahnung , daß sein kalter , gegen Frauen gleichgültiger Bruder , sein Nebenbuhler sein könnte . Er hatte Dankmar ' s erkaltete Hand geschüttelt und nichts von dessen Leichenblässe bemerkt . Dankmar war groß in der Kunst der Selbstbeherrschung .. Siegbert trat in das Atelier . Und doch hätte Dankmarn , als