, die Ursachen anzugeben , warum ich den Grafen Ludwig bewog , mit mir nach Ste . Roche zu gehen . Doch dies wird alles Ihre Funktionen als Richter nicht stören ; denn mein Eingeständniß läßt alle Beweisgründe weit hinter sich zurück ; - und so verzeichnen Sie denn , meine Herren , daß ich der Mörder des Grafen Ludwig bin , da mein abgeschossenes Pistol ihm das Leben geraubt hat ! « Der Angeklagte lehnte sich nach diesen Worten sehr bleich und kurz athmend an seinen Stuhl . Er hörte eine tumultuarische Bewegung um sich her ; es schien ihm , Graf Leonin werde an ihm vorüber aus dem Saale getragen . Als er sich wieder gesammelt hatte , sah er den Stuhl des Grafen Leonin leer ; - sonst hatten Alle ihre Plätze behalten . Auf ein Zeichen des Herrn von Mauville trat Stille ein . » Junger Mann , « rief er mit starkem , überredenden Tone - » ich ermahne Sie , sich zu sammeln ! Sie waren krank , Ihre Geisteskräfte waren geschwächt ; vielleicht sind Sie noch ohne klare Anschauung und verfallen in den oft sich zeigenden Fehler der Jugend , sich lieber bei dem ersten Verdachte , der ihren Ruf angreift , aufzugeben , als zu einer verständigen Vertheidigung überzugehen , die Geduld und Selbstbeherrschung erfordert . « » Weiser , verständiger Richter , « rief hier eine rauhe , trockene Stimme laut und hart - » Dich segne Gott ! Du bist der Erste , der auf dem verfluchten Boden Frankreichs die Rede eines Christen hören läßt ! « » Unglückliche Frau , « rief Reginald , zu Emmy Gray aufblickend , » was willst Du hier ? wie kamst Du hierher ? « » Als sie ihn hinaus trugen , den sein Gewissen gerichtet , fand ich den Weg offen ; und hier bin ich mit allem Rechte , Zeugniß abzulegen , « rief sie fest - » da Deine Lammsnatur das Schwert in der Scheide läßt , und Du den hungrigen Löwen die Speise vorwirfst , nach der sie trachten ! Sagt , « sprach sie , bis zur Tafel vorschreitend und die Hand gegen den Richter aufhebend , » stehe ich vor einem christlichen , berechtigten Gerichtshofe ? Wird hier Zeugniß angenommen - und unverfälscht vor Gottes Angesicht gerichtet ? « Herr von Mauville blickte mit Erstaunen auf eine Gestalt , die , wie aus einem anderen Jahrhunderte , an ein lebendig gewordenes Bild jener Zeit erinnerte , und die in Wort und Bewegung eine Kraft des Willens ausdrückte , unterstützt von dem düstersten Ausdrucke des Zürnens , wodurch sie den vollkommensten Antheil erregte . » Zweifelt nicht , daß Ihr vor Christen stehet , die von Gott die Kraft erwarten , recht zu richten , « sagte er mild - » was habt Ihr uns zu sagen ? « » Meine Herren , « schrie hier der Marquis de Souvré , heftig aufspringend - » diese Frau kann kein Zeugniß vor Gericht ablegen ; es ist die Bewohnerin von Ste . Roche , die schon längst dem Wahnsinne verfallen ist und wahrscheinlich durch ihren thörichten Einfluß den jungen Menschen zu dem bereits eingestandenen Verbrechen verführt hat ! « » Herr Marquis , « rief Reginald , mit einer Energie , die sein früheres Verhalten nicht angedeutet hatte , » Sie haben am wenigsten das Recht , die klaren und gesunden Sinne dieser ehrwürdigen und unglücklichen Frau zu schmähen . Reizen Sie mich nicht durch Beleidigungen gegen dieselbe , die ich nie dulden werde , sie mit den Mitteln zu vertheidigen , die mir , wie Sie wohl wissen , zu Gebote stehen ! « » Ja , « sagte Emmy Gray , welche den Marquis mit kalter Verachtung betrachtet hatte ; - » jetzt erkenne ich das Gesicht des Sünders wieder ; und der , der den Namen des Mörders verdient , wie kein Anderer , wagt , als Zeuge Dir gegenüber zu treten ? Gott wird den Engel der Vergeltung senden und den Boden verwüsten , wo sein Fuß weilte ! - Richter , der Du Dich rühmst , hier im Namen Gottes zu richten , laß den Bösewicht nicht Zeugniß sprechen - und höre von mir , wie schwarz seine Seele ist ! « » Herr von Mauville , « sagte die Marschallin mit der kalten Anmaßung , welche ihren hohen Rang in Erinnerung bringen sollte - » wir wollen nicht Zeuge sein von den Ausbrüchen einer elenden Geisteskranken ; und ich muß Sie erinnern , daß die traurige Veranlassung , die uns pflichtmäßig hier gegenwärtig sein ließ , durch das Geständniß des Verbrechers beendigt ist ; ich fordere Sie auf , das Verhör zu schließen . « Würdevoll erhob sich Herr von Mauville gegen die Marschallin . » Madame , « sagte er - » die Gegenwart Euer Gnaden ist eine freie Wahl , welche weder von uns verlangt , noch verweigert ward ; daher ist die Entfernung Euer Gnaden gewiß Ihrem eignen Ermessen überlassen ; doch kann ich damit das uns vorliegende Verhör um so weniger für beendigt erklären , da das Geständniß eines Angeklagten immer nur dann die Entscheidung mit sich bringt , wenn es mit den verschiedenen Anklagen zusammen fällt und dieselben vollständig erklärt . Dies ist hier nicht der Fall . Das Geständniß , welches unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt , hüllt sich in ein Dunkel , das wir aufzuhellen trachten müssen ; da wir nicht allein berufen sind , Schuldige zu entdecken , sondern auch Unschuldige zu beschützen . Jeder Nachweis , der sich dazu uns darbietet , muß von uns benutzt werden , und das Auftreten dieser Frau ist , wenn auch außer der Form , doch bei einem bloßen Verhöre , welches Beweise zu sammeln hat , vollständig zulässig . « Es kostete der Marschallin einen sichtlichen Kampf , diese höfliche Zurückweisung hinzunehmen . Sie wünschte wenigstens , durch Entfernung ihre Beleidigung hervorzuheben ; aber das brennende Verlangen