kam und sie dadurch gerettet ward . Ach , wenn Du sie siehest , kein Mensch erkennt mehr das schöne Fräulein ; so haben diese Unmenschen sie mißhandelt . Selbst der Wildmeister schlug vor Erbarmen die Hände zusammen , und Lanci gebehrdete sich ganz trostlos . Was sollen wir denn thun ? rief er endlich , hier stirbt sie gewiß , und was werden die Herren sagen ? Wildmeister , sprecht doch , rathet uns doch ! Hört , sagte der Alte , das Ding ist schlimm und , wie mich dünkt , nicht viel zu machen . Lanci habe ich einmal hier , beim Koch will ich bis Mittag verweilen , indeß , Margarith , suche Du Lanci hinauf zu bringen , daß er ihr sagt , wie ' s steht . Hören wird sie ihn doch können , und verständig ist sie auch , wie Miklas sagte , da laßt sie selbst den Bescheid überlegen ; auch thut ein Bischen Hoffnung oft so gut , wie Arznei . Also fort , macht leise und gescheidt , und haltet Euch nicht unnütz auf mit Euch selbst ; länger als bis Mittag kann ich nicht bleiben . Die jungen Leute waren sogleich bereit , zu folgen , und wenn der Weg über den Flur zurückgelegt war , blieb nicht viel mehr zu fürchten . So schickten sie sich mit ihrer kleinen Last an , den Versuch zu machen , und der Wildmeister schritt über den Hof zurück , nach dem Wirthschaftsflügel , wo der Koch sein Reich hatte , der ihn lustig und heiter empfing , und am Heerde niedersetzen ließ . Die ersten Schritte der beiden jungen Leute waren zagend und unsicher , dann flogen sie wie gejagte Rehe und hatten bald den gefährlichen Platz hinter sich . Da es in den Gängen erst spät Tag ward , und heute der im ganzen Schlosse schon bekannt gewordene Zustand der Lady Allen längere Ruhe gönnte , so erreichten sie ohne Hindernisse den kleinen Thurm , dessen Thür sie noch zu ihrem großen Troste mit demselben Gerümpel versetzt fanden , wie Margarith es angeordnet hatte . Nun laß mich erst hinein und verkrieche Dich indeß , sonst möchte sie bei deinem plötzlichen Anblick zu sehr erschrecken , rief die Kleine , und nahm , was er trug , und schlüpfte hinein , so leise sie es nur vermochte . Noch lag die Kranke auf derselben Stelle , mit demselben starren Blick , der nur einen bestimmteren Ausdruck von innerer Angst zeigte . Ach , seufzte Margarith schmerzlich , indem sie ihr näher trat , immer noch so sehr krank , nicht ein wenig besser , liebe Lady ? Der Versuch , zu antworten , den die Kranke machte , mißlang wieder , und das verständige junge Mädchen erkannte bald , daß hier keine Nachrichten helfen würden . Sie breitete daher ihre schöne , warme Decke aus , und hüllte Schultern und Füße besorglich ein , dies Alles mit liebreichen Worten begleitend . Dann aber flog sie zum Kamin und legte auf den lange Zeit ungebrauchten Rost die trockenen Torfstücke , machte an kleinen Bündeln Stroh das Feuer an und war entzückt , als es lustig aufloderte , sie nun ihr Töpfchen mit Wasser hineinschob und die Kräuter bereit hielt , sie in das siedende Wasser zu schütten . So gelang es ihr endlich , der Leidenden das warme Getränk einzuflößen , welches dieselbe mit besonderem Bestreben zu sich nahm , und dessen wiederholter Gebrauch zu Margariths unaussprechlicher Freude die Starrheit der Züge zu lösen schien , ja , es ihr endlich möglich machte : Gute Margarith , zu stammeln , was auszusprechen , sich ihr ganzes Herz gesehnt hatte . Ihr Blick ward nun milder , ja , die Augenlider senkten sich und blieben endlich ruhen . Margarith lauschte mit angehaltenem Athem ; sie war nach einiger Zeit völlig gewiß , daß der Schlaf seinen stillen Segen über die Leidende gesenkt hatte . Nun schob sie sich leise zum Heerde , schürte das sanfte Torffeuer , das die kalte Luft des Thurmes wohlthätig veränderte , und blickte sehnsuchtsvoll nach der Thür , tausend Mal die Wonne , sie zu öffnen , gegen die Gefahr abwägend , die Kranke dadurch zu erwecken . Sie bezwang sich lange , dann verstärkten sich die Ueberredungsgründe , es zu wagen , sie glaubte die Lady tiefer eingeschlafen ; gegen Mittag mußte sie ja ohnehin erweckt werden , um zu entscheiden über Lancis Mittheilungen . Genug , sie öffnete leise , und der dicht davor lauschende Lanci , der sich ziemlich den Zusammenhang gedacht , schlüpfte leise herein , und Beide kauerten sich nun , sich durch mitleidige Blicke nach dem Lager verständigend , am Heerde hin und blickten sich an , stumm lächelnd vor Seligkeit . Wohl mischten sich Margariths sanfte Thränen und Lancis leise Wehklagen um den Vater ein , aber wer wüßte nicht , daß kein Gefühl des Schmerzes lange Raum findet in der Brust , die von dem Wohllaut beglückter und vereinigter Liebe erfüllt wird ! Jede Lage , welche die Glücklichen vereinigt , und wäre es das letzte Brett des gescheiterten Schiffes in der tobenden Fluth , wär ' es unter dem Ausbluten der tödtlichen Wunde , die Beiden den Tod sichert , wär ' es in der tiefsten Gruft des Kerkers , die sie schiede von der übrigen Welt , wenn nur sie Beide nichts scheidet : - jeder Ort ist ihnen dann die kleine glückselige Insel , auf der sie sich befinden , als zur Seligkeit bestimmt , nichts wahrnehmend , was ihnen gebräche , durchdrungen von der Atmosphäre innigster Befriedigung ! Wer nach dieser letzten geretteten Frucht des Paradieses greifen , und ohne Furcht und ohne Reue ihren geheimnißvollen beseligenden Inhalt genießen darf : er schweige ohne Klagen still , wenn das Leben andere Opfer fordert ; zu einer Ewigkeit von Leiden würde er das Gegengewicht finden . - Bald flüsterten sie lauter , und wechselten schneller Frage