eigenen , teils feindliche , sie ließen Anton ihre Zeit erraten , sie forderten keine Rache ; denn ihnen war geschehen , wie sie gewollt ; aber ein feierlicher Ernst , eine Gewißheit ihrer selbst , erhielt sie in einer wohlwollenden Rührung , sie wären gern gnädig gewesen aller Welt und wollten für die Ihren am jüngsten Tage reden . Diesem Heldenzuge des wütenden Heeres entgegen , zog der wilde Jäger aus Osten , ein herrlicher Mann auf hohem Rosse , vor ihm her ein Wolkenzug von ähnlichen weißen Jagdhunden , die suchend liefen , in ewiger Dummheit bellten und am Himmel kein Gewild erspüren konnten , hier roch einer an die Spitze einer Tanne , daß die Nacht ein Hase in ihrem Schatten geschlafen hatte , gleich kamen alle im Kreise , und rochen und bellten , bis der wilde Jäger sie mit starker Jagdpeitsche heulend in die Weite trieb . Die beiden Züge drangen gegen einander und wie sie einander berührten brannte ein Blitzstrahl nieder , daß die Welt in einem Feuerabgrund zu versinken schien , dann war es schwarz vor Antons Augen , er fühlte um sich und fühlte nichts , er wußte nicht , wohin er entrückt war , es war still um ihn her , weder Jagd noch Krieg , aber ein tiefes Atmen , als sei er ein Früherwachter unter vielen Langschläfern . Endlich berührte seine Hand eines Menschen Mund und mit einem Schrei hörte er wieder die Stimme seiner Schwester : » Anton , du lebst , nun so laß uns zu Gott beten , der uns erschüttert hat . « Anton aber fragte : » Katharina , wo sind wir , in welcher Tiefe büßen wir unsre Sünden ? « KATHARINA : » Wir allein stehen aufrecht , wie wir standen , um uns her liegen Freunde und Feinde im Grase hingestreckt und wagen nicht aufzublicken . Aber sprich Anton , was berührst du so stillschweigend meine Augen ? « ANTON : » Siehst denn du mit deinen Augen , warum deckst du mir die Augen zu . « KATHARINA : » Herrlich glänzen deine Augen , wie ich nimmer sie gesehen , weithinleuchtend über die erschreckte Flur und die Feinde , statt zu streiten , beten demutvoll zu dir und bitten dich um Frieden . « - Anton fühlte , er sei vom Blitzstrahl geblendet , aber er schämte sich , es zu gestehen , so verlassen von Gott und von der Welt hatte er sich nie gefühlt , als die Feinde ihm den Jäger gebunden überschickten , daß er und die Zigeuner ihnen Frieden und Freundschaft schenken möchten , nachdem der Blitzstrahl ihren alten Anführer Niklas erschlagen habe , der unter ihnen Manasse geheißen . Anton befahl , den Gefangenen wohl zu bewachen , und die Seinen , die sich jetzt allmählich um ihn versammelt hatten , hoben Geiseln aus , um ihre kleinere Zahl gegen die Übermacht dieser Höhlenbewohner zu sichern . Aber alle diese Bewegungen , diese Vorsicht , alles schien noch durch die betäubende Erscheinung verwirrt , es war als ob ein Menschenfuß durch ein paar Heere streitender Ameisen geschritten , ihre Wut ist in der allgemeinen Zerstörung erloschen und die ergrimmten Feinde suchen gegenseitig bei einander Zuflucht . Da die Herzogin der Zigeuner nicht gegenwärtig war , so hatte das allgemeine Zutrauen Anton als Führer emporgehoben , er aber starrte in eine ewige Nacht und wenn er es ihnen auch zu verbergen trachtete , und jeden Augenblick das Licht der Welt erwartete , so konnte er doch nur nach langsamer Ausfrage gebieten , was der Augenblick erheischte . Aber der Friede war den Menschen aufgedrungen in dem gemeinschaftlichen Schauder vor größeren Ereignissen , die sich der Welt nahten und die jeder vorerst in seinem Kreise sich zu deuten suchte . » Den wilden Jäger kennen wir wohl « , sagte ein Bewohner der Höhlen , » es ist der Hackelnburg mit der Tut Ursel , sie ziehn vor allen großen Festlichkeiten aus ihrem Gebirgswinkel heraus ; - wie mögen sie aber heute sich entsetzt haben , als ihnen das wütende Heer in den Weg getreten ist , denn das bedeutet großen Krieg , und wo die alten erschlagenen Landsknechte herziehen , daher kommt es über Deutschland , das wilde Kriegswetter . « » Wie ist die Geschichte mit dem Hackelnburg ? « fragte Susanna , die Anton wieder traurig auf den Boden hinstarrend erblickte , wie er oft getan , seit dem Tode seiner Frau . Ein alter Jude antwortete : » Wir haben viel von dieser Geschichte im Lande gehört , in unsern Büchern steht nichts davon . Er soll ein gewaltiger Jägersmann gewesen sein , der Hackelnburg , die Tut Ursel aber eine Nonne , die in ihrer höchsten Andächtigkeit die andern Nonnen mit ihrer schrecklichen grunzenden Stimme gestört hat , Hackelnburg hat ihre Stimme im Chore gefallen , weil sie der eines wilden Ebers ähnlich , er entführte sie , verließ sie aber im Walde wegen eines Traumes , der ihn warnte , er werde durch einen großen Eber umkommen . Als er sie verlassen , durchstreifte er wieder das Jagdrevier und traf auf einen großen Eber , zwar entsetzte er sich erst vor ihm , doch fing er ihn ab und als er ihn so vor sich liegen sah , da stieß er verächtlich mit dem Fuße gegen einen der großen Hauer und sagte : Nun , du sollst es mir auch nicht getan haben . Das war sehr unvorsichtig von dem Manne , das hätte er lassen sollen , er stieß sich den Hauer durch den Stiefel ins Fleisch und starb bald an einer Entzündung dieser Wunde . Nicht wahr , das hätte er lassen sollen ? Die Leute sagten gleich , es sei mit dem Eber nicht richtig gewesen , sie begruben ihn mit dem Hackelnburger zusammen , bald zeigte es sich , daß er mit seinen Hunden umziehe , wenn Feste im Lande , und die Tut Ursel vor