dort einige Streifen Rosapapier aus Ihrem Muff hervorlugen . Sollte ich mich täuschen , wenn ich einige Ihrer Gedichte darin vermuthe ? O bitte , verleugnen Sie nicht den Heiland , ehe der Hahn dreimal kräht , und kommen Sie gleich zur Sache ! Ich bin ganz Ohr ! « » O wie Sie alles errathen ! Ich fürchte nur - « » I , wie werden Sie fürchten ! Sind Sie sonst so furchtsam ? Also bitte ! « Nach einigem Geziere deklamirte also Aurelie mit Emphase : Im heißen Biledulgerid Einsam und stolz ein Löwe schritt . Doch fing man ihn , um ihn dem Dey zu schenken . Der ließ ihm einen Käfig baun , Drin waren Palmen selbst zu schaun . Der Löwe sollte sich in Sudan denken . Doch in des Käfigs Ecke lag Er mürrisch wohl den ganzen Tag , Aufsprang er nur , ging roth die Sonne unter . Das Gitterthor er rüttelte Und zornig brüllend schüttelte . » Was fehlt Dir ? « rief der Dey , » so sei doch munter ! Was mangelt Dir , mein schönes Thier , In Deinem goldnen Hause hier ? Willst du vielleicht in Ambraduft Dich baden ? Soll ich die Herzen allzumal Der Lieblingssclavinnen als Mahl Dir zubereiten ? Komm und sei geladen ! « Antwortend donnerte der Leu , Die Nacht erzitterte aufs neu : » Mein Haus ist Gold , doch eng ist seine Schwelle . Die Palmen mögen prächtig sein , Doch bilden sie nicht Nubiens Hain . Dies Marmorbecken , ist ' s die Wüstenquelle ? Die Herzen Deines Harmes gieb Nur Deinem Tiger , dem sie lieb . Ich mag nicht Deine duftigen Gewürze . Doch willst Du mich beschenken , Dey , So schieße mir ins Herz Dein Blei : Mit meinem Tode meine Haft verkürze ! « Eine Fee erblickte Vom Regenbogen Im Menschengewimmel Einst eine liebliche lächelnde Maid , Die Blumen pflückte , Und ward ihr gewogen , Trug zum Himmel Den Liebling ins Reich der Seligkeit . Schöner dort Alles , Als auf Erden ! Die Blume glühte Wie Demantschein ! Des Wasserfalles Funke sprühte Und schien zu werden Ein Edelstein ! Und doppelt empfanden Dort alle Sinne . Wie Zephirfächeln Die Stunden entschwanden . Auf neue Wonnen sann immer die Fee , Damit sie gewinne Ein einziges Lächeln Von der Erdentochter verschwiegenem Weh . Denn ewig traurig Sie Thränen vergoß . Im Reich der Sphären Ward es ihr schaurig . Und holte Wasser die Fee aus der See , Dann fielen Zähren Vom Himmelsschloß Und sie sah dort weinen die Maid in der Höh . Schmachtend sie schaute Zur Wolke nieder , Die über der Erde Düster braute . » Was wünschest Du ? Wonach sehnst Du Dich ? Zieht es Dich wieder Zur Menschenheerde ? Sprich , o sprich ! « » Dort fallen Sterne Und durch mein Haar Gleich Perlenkränzen Flöcht ' ich sie gerne ! « Die Fee ihr brachte das Sternengeschmeid . Umsonst sein Glänzen ! Und traurig war Aufs neue die Maid . » Fort , Gram , von der Stirne ! Was willst Du ? Befiehl ! « Sie sprach : » Ich sehe Manch schlanke Dirne Dort unten tanzen im Frühlingshain . Sie lachen zur Höhe Im frohen Spiel , Sie lachen mein . Glücklicher freilich Sind sie als ich . Doch ihre Zöpfe Sind mir nicht heilig . Ballspielen möcht ich ! Bringe mir Der Dirnen Köpfe , Zu trösten mich ! « Die Fee sprach : » Hier ! « Doch traurig wieder Blickte die Maid Mit heißen Zähren Zur Erde nieder . » Was dünket Dir denn noch wünschenswerth ? Ich wills gewähren , Zu stillen Dein Leid , Zu ersetzen die Erd ' . « » Jünglinge wandeln So schön und lieb Drunten heiter Auf flinken Sandeln . Ich bin im Himmel , doch bin ich allein . Liebe nur gieb , Ich will nichts weiter , Liebe sei mein ! « Die schöne Dichterin legte die Rosapapierchen hin und blickte den Kritiker triumphirend an . » Nun , was sagen Sie dazu ? « » Liebe sei mein ! « hüstelte Leonhardt vorsichtig . » Sehr gut . Es ist ihr ewig Weh und Ach aus einem Punkte zu curiren . « » Wie , wären Sie etwa mit der Pointe nicht einverstanden ? O ich weiß , Sie Cyniker verachten die Liebe ! « » Gott soll mich bewahren ! Nichts Menschliches verachte ich . Nur soll man die Dinge beim rechten Namen nennen . « » Nun was wäre denn die Liebe nach Ihrer Auffassung , Verehrter ? « Aurelie schlug kokett die Augen nieder . Leonhart nahm eine gravitätische Magistermiene an und docirte bedächtig : » Liebe ist verkappte Sehnsucht nach einer höheren Einheit , mit welcher der einsame Einzelmensch sich in Verbindung setzen möchte . So bildet der Geschlechtstrieb die Poesie im Kampf ums Dasein . So geistig ist der Mensch , daß selbst beim Sinnenkitzel er die Leidenschaft verlangt , die ihn unbewußt veredelt . Freilich , wie rächt sich diese geistige Unzucht ! Aus süßester Hoffnung sauerste Enttäuschung , wie Essig aus verdorbenem Wein . - Aber was wird sonst nicht alles über den schönen Instinkt der Fortpflanzung gefabelt ! Wenn ich den Namen Liebe höre , muß ich schon lachen . O Lüge , dein Name ist Mensch ! Wer mit seiner Humanität prahlt , ist meist ein Schurke , und sicher ist grade Der ein grober Sinnenmensch , der Heine ' s Dictum nicht unterschreibt : Denn weißt du , Kind , was Liebe ist ? Ein Stern in einem Haufen Mist . « » Ach Sie Schrecklicher , Sie sind Pessimist wie ich ! « seufzte Aurelie und schmauchte ihre Papyros mit gedankenvollem Behagen . » Ach , wir Tiefempfindenden machen stets trübe Erfahrungen , nicht wahr ? « Sie kreuzte ihre wohlgenährten Beine , so daß ihre Stiefeletten bis zu den Waden