der Belagerung keinerlei Fortschritte gemacht . Lange trugen sie diese Unfälle , die Entdeckung und Vereitelung all ihrer Pläne , mit ungebeugtem Mut . Aber allmählich bemächtigte sich nicht bloß der großen Masse Verdrossenheit , insbesondere da Mangel an Lebensmitteln fühlbar zu werden begann , - auch des Königs klarer Sinn wurde von trüber Schwermut verdüstert , als er all seine Kraft , all seine Ausdauer , all seine Kriegskunst wie von einem bösen Dämon vereitelt sah . Und kam er von einem fehlgeschlagenen Unternehmen , von einem verunglückten Sturm , matt und gebeugt , in sein Königszelt , so ruhten die stolzen Augen seiner schweigsamen Königin mit einem ihm unverständlichen , aber grauenvoll unheimlichen Ausdruck auf ihm , daß er sich schaudernd abwandte . » Es ist nicht anders , « sagte er finster zu Teja , » es ist gekommen , wie ich vorausgesagt . Mit Rauthgundis ist mein Glück von mir gewichen , wie die Freudigkeit meiner Seele . Es ist , als läge ein Fluch auf meiner Krone . Und diese Amalungentochter wandelt um mich her , schweigend und finster , wie mein lebendiges Unglück . « » Du könntest recht haben , « sprach Teja . » Vielleicht lös ' ich diesen Zauberbann . Gib mir Urlaub für heut ' nacht . « Am selben Tage , fast in derselben Stunde , forderte drinnen in Rom Johannes , der Blutige , von Belisar Urlaub für diese Nacht . Belisar schlug es ab . » Jetzt ist nicht Zeit zu nächtlichen Vergnügen , « sagte er . » Wird kein groß Vergnügen sein , in der Nacht zwischen alten feuchten Mauern und gotischen Lanzen einem Fuchs nachspüren , der zehnmal schlauer ist als wir beide . « » Was hast du vor ? « fragte Belisar , aufmerksam werdend . » Was ich vorhabe ? Ein Ende zu machen der verfluchten Stellung , in der wir alle , in der du , o Feldherr , nicht zum mindesten stehst . Es ist schon alles ganz recht . Seit Monaten liegen die Barbaren vor diesen Mauern und haben nichts dabei gewonnen . Wir erschießen sie wie Knaben die Dohlen vom Hinterhalt und können ihrer lachen . Aber wer ist es eigentlich , der all dies vollbringt ? Nicht , wie es sein sollte , du , des Kaisers Feldherr , noch des Kaisers Heer : sondern dieser eisige Römer , der nur lachen kann , wenn er höhnt . Der sitzt da oben im Kapitol und verlacht den Kaiser und die Goten und uns und , mit Verlaub zu sagen , dich selber am meisten . Woher weiß dieser Odysseus und Ajax in Einer Person alle Gotenpläne so scharf , als säße er mit im Rat des Königs Witichis ? Durch sein Dämonium , sagen die einen . Durch seine Egeria , sagen die andern . Er hat einen Raben , der hören und sprechen kann wie Menschen , meinen wieder andere : den schickt er alle Nacht ins Gotenlager . Das mögen die alten Weiber glauben und die Römer , nicht meiner Mutter Sohn . Ich glaube den Raben zu kennen und das Dämonium . Gewiß ist , er kann die Kunde nur aus dem Gotenlager selbst holen ; laß uns doch sehen , ob wir nicht selbst an seiner Statt aus dieser Quelle schöpfen können . « » Ich habe das längst bedacht , aber ich sah kein Mittel . « » Ich habe von meinen Hunnen alle seine Schritte belauern lassen . Es ist verdammt schwer ; denn dieser braune Maurenteufel folgt ihm wie ein Schatte . Aber tagelang ist Syphax fern : - und dann gelingt es eher . Nun , ich habe erspäht , daß Cethegus so manche Nacht die Stadt verließ , bald aus der Porta portuensis , rechts vom Tiber , bald aus der Porta Sankt Pauls , links vom Tiber im Süden , die er beide besetzt hält . Weiter wagten ihm die Späher nicht zu folgen . Ich aber denke heute nacht - denn heute muß es wieder treffen , - ihm so nicht von den Fersen zu weichen . Doch muß ich ihn vor dem Tore erwarten : seine Isaurier ließen mich nicht durch ; ich werde bei einer Runde vor den Mauern in einem der Gräben zurückbleiben . « » Gut . Es sind aber , wie du sagst , zwei Tore zu beobachten . « - » Deshalb hab ' ich mir Perseus , meinen Bruder , zum Genossen erkoren ; er hütet das paulinische , ich das portuensische Tor ; verlaß dich drauf - bis morgen vor Sonnenaufgang kennt einer von uns das Dämonium des Präfekten . « Und wirklich : einer von ihnen sollte es kennen lernen . Gerade gegenüber dem Sankt-Pauls-Tor , etwa drei Pfeilschüsse von den äußersten Gräben der Stadt , lag ein mächtiges altertümliches Gebäude , die Basilika Sancti Pauli extra muros , die Paulskapelle vor den Mauern , deren letzte Reste erst zur Zeit der Belagerung Roms durch den Connetable von Bourbon völlig verschwanden . Ursprünglich ein Tempel des Jupiter Stator , war der Bau seit zwei Jahrhunderten dem Apostel geweiht worden : aber noch stand die bronzene Kolossalstatue des bärtigen Gottes aufrecht : man hatte ihm nur den flammenden Donnerkeil aus der Rechten genommen und dafür ein Kreuz hineingeschoben : im übrigen paßte die breite und bärtige Gestalt gut zu ihrem neuen Namen . Es war um die sechste Stunde der Nacht . Der Mond stand glanzvoll über der ewigen Stadt und goß sein silbernes Licht über die Mauerzinnen und über die Ebene , zwischen den römischen Schanzen und der Basilika , deren schwarze Schatten nach dem Gotenlager hin fielen . Eben hatte die Wache am Sankt-Pauls-Tor gewechselt . Aber es waren sieben Mann hinausgeschritten , und nur sechs kamen herein . Der siebente wandte der Pforte den Rücken und schritt heraus ins freie Feld . Vorsichtig wählte er seinen Weg : vorsichtig vermied er die zahlreichen Fußangeln