nicht abweisen , ja , wir müssen froh sein , wenn sie kommen und den Ruf unserer Kunst und das Sujet unseres neuesten Bildes durch die Salons tragen ; aber , wie gesagt , unbequem ist es und bleibt es , und Arthur hätte wohl auch etwas Gescheidteres thun können , als sich nach so langer Abwesenheit auf diese Weise introduciren . Seine einzige Entschuldigung ist , daß er es gut gemeint hat , indem er mir einen vornehmen und reichen Kunden zuführen wollte Wenn man aus der Oberflächlichkeit eines Menschen auf seine Vornehmheit und seinen Reichthum fließen kann , so muß dieser Graf Ralow eine sehr vornehme und sehr reiche Personage sein . « » Und da hast Du recht gerathen , « sagte ich , » und wenn Du es genau wissen willst : es war der junge Fürst Prora . « » Unmöglich , « sagte Paula . » Ich bin meiner Sache gewiß , « erwiederte ich . » Ich weiß es zufällig aus den Zeitungen , daß der Fürst eben jetzt in England gewesen ist , wo Arthur die Bekanntschaft dieses Grafen Ralow gemacht haben will . Uebrigens hätte ich ihn auch ohne das erkannt ; und dann erinnere ich mich , daß die Fürsten von Prora auch Grafen von Ralow sind . « » Das ist mir lieb , « sagte Paula ; » obgleich ich , wenn es einmal sein mußte , vorgezogen hätte , den Fürsten von Prora persönlich und nicht durch den Grafen Ralow kennen zu lernen . « » Und auch so finde ich dies Incognito unschicklich genug , « sagte ich . » Warum kommt er nicht zu Dir , wie zu der Prinzessin Philipp Franz ! aber freilich , das Unschickliche liegt darin , daß er überhaupt kam . Der einstige Liebhaber Konstanzens durfte nicht Konstanzens Cousine freiwillig unter die Augen treten . Glaub ' mir , Paula , ich habe das Alles während dessen wohl gefühlt , aber ich habe auch gefühlt , daß Deine Wohnung und Dein Zimmer nicht der Ort seien , an diese Dinge zu rühren . « » Und ich danke Dir dafür , « sagte Paula , indem sie mir die Hand reichte . » Ich sah es Deinen Augen an , daß sich da und dort « - sie berührte mir leicht Brust und Stirn - » ein Sturm vorbereitete . Man beweist den Damen seine Achtung , wenn man dergleichen Ungewitter in ihrer Gegenwart nicht losbrechen läßt ; aber auch so wünsche und befehle ich Dir , daß Du die Sache nicht weiter mit Dir herumträgst . Du hast reichlich , allzureichlich gelitten ; das muß ein für alle Mal für Dich abgethan sein . « » Wenn es das nun doch nicht wäre , « antwortete ich . Und ich erzählte Paula , was ich bisher noch immer unterlassen , meine Begegnung in der Kunstausstellung mit der schönen Bellini , die Konstanze so ähnlich gesehen . » Ich weiß nicht , wie es zugeht , « schloß ich ; » ich habe gewiß keine Ursache , Konstanze noch zu lieben , so wenig Ursache , daß ich ihrem Verführer ohne Gefühle des Hasses und der Rache gegenüber treten kann , und doch verfolgt mich das Bild des schönen Weibes , daß es nicht anders sein könnte , hätte ich Konstanze selber gesehen . Wie ist das möglich ? « » Konstanze ist eben Deine erste Liebe gewesen , « erwiederte Paula , » und das bedeutet selbst bei Euch Männern etwas ! « » Bei uns Männern , Paula ? Das klingt ja fast , als ob eine erste Liebe bei Euch Frauen etwas anderes bedeute ? « » Und das meine ich auch , « erwiederte Paula ; » etwas anderes und etwas mehr , in demselben Maße mehr , in welcher der Mann der Frau mehr ist , als die Frau dem Mann . « » Was ist das für eine neue Philosophie , Paula ? « » Keine neue Philosophie : sie ist mindestens so alt , wie meine Gedanken über diese Dinge , was allerdings so sehr alt noch nicht ist . « Ueber Paula ' s sonst immer etwas bleiches Gesicht zog ein lebhaftes Roth ; aber es schien , als ob sie es , allem in allem , nicht ungern sähe , daß wir einmal auf dies Thema gekommen seien ; so fuhr sie mit einiger Lebhaftigkeit fort : » Das Leben der Männer ist wechselvoller , reicher an Thaten und Begebenheiten ; deshalb können die einzelnen Eindrücke und auch die lebhaftesten nicht so lange in ihrem Gemüthe haften . Sie haben die Tafel ihres Lebens so oft mit immer neuen , immer wichtigeren Dingen zu beschreiben , daß sie die alte Schrift nothwendig von Zeit zu Zeit mit dem nassen Schwamm der Vergessenheit wegwischen müssen . Das ist bei uns Frauen anders , ganz anders ; wir wischen nicht leicht ein Wort weg , das uns lieb im Ohr klingt , geschweige denn eine ganze Seite unseres armen Lebens . Und dann , selbst wenn ein Mann ein besonders treues Gedächtniß hat , er kann nicht handeln und nicht wählen , wie er will ; ja , gerade je tüchtiger er ist , je mehr er Mann ist , handelt und wählt er , wie er muß . Und er muß so wählen , wie es sich für seine Jahre und seine Verhältnisse schickt , für seinen Bildungsstand , mit einem Worte : für ihn , wie er , sich fort und fort entwickelnd , geworden ist . Der Mann von fünfundzwanzig unterscheidet sich von dem von neunzehn noch in ganz anderer Weise , als sich die fünfundzwanzigjährige Frau von der neunzehnjährigen unterscheidet ; und der von fünfunddreißig ist abermals ein Anderer , und wollte der Mann von fünfundzwanzig oder gar von fünfunddreißig eine Wahl treffen , wie der von neunzehn ; ich meine , wie der Neunzehnjährige sie zu treffen liebt