zu nennen , welche Sie für diese Papiere zahlen zu können glauben , und die Sache bleibt unter uns . - Ja , ja , der Timm ist ein geriebener Bursche , das habe ich schon vor heute gewußt ! Also glauben Sie , daß er wirklich diese Papiere gefunden hat ? fragte die Baronin erstaunt . Warum nicht ? sagte Felix ; ich finde das Ding äußerst wahrscheinlich , und rathe Ihnen , sich die Papiere in aller Eile zu kaufen , ehe sie im Preise steigen . Und glauben Sie auch , daß dieser - daß dieser Mensch - ich kann es kaum über die Lippen bringen , daß dieser Stein wirklich Haralds Sohn ist ? Möglich ist es immer ; sagte Felix . Nein , es ist nicht möglich , rief die Baronin mit großer Heftigkeit ; es ist Alles ein höllischer Lug und Trug , ein abgekartetes Spiel zwischen den beiden Gaunern . Die Briefe sind gefälscht , sind von Beiden , während sie hier die Köpfe zusammensteckten , geschmiedet und geschrieben worden . Es ist eine pure Erfindung , um uns einen Schrecken einzujagen und Geld abzuschwindeln - oder gar ! jetzt hab ' ich ' s ! Sehen Sie denn nicht Felix , wo das Alles hinaus will ? auf Helene haben sie es abgesehen ! dem Einen Geld , dem Andern das Mädchen ! wahrhaftig ! trefflich , trefflich ! schade , daß Helene nicht auch darüber an Mary Burton geschrieben hat , denn ich wette , sie ist mit im Complott ! Aber nichts sollen sie haben ! nichts , nichts ! nicht einen Thaler - keinen Groschen ! Nehmen Sie die Sache nicht zu leicht , Tante ! sagte Felix , Timm ist ein sehr gewitzter Bursche , und wenn die Briefe wirklich gefälscht sind , so können Sie sich darauf verlassen , daß es keine Stümperarbeit ist , und uns sehr viel zu schaffen machen kann . Wollen Sie meinen Rath hören ? Nun ? Lassen Sie mich morgen , oder wann es ist , nach Grünwald gehen und mit Timm sprechen . Ich habe in früheren Zeiten schon manche absonderliche Unterhandlungen mit ihm geführt ; er weiß , daß er mir kein X für ein U machen kann . Ohne Geld kommen wir freilich nicht los ; aber ich kriege die Papiere billiger , als Sie , oder ein Anderer . Und was soll mit Herrn Stein geschehen ? Den jagen wir mit Schimpf und Schande fort . Wollen Sie mir auch dies Geschäft überlassen ? Ja , thun Sie , was Sie wollen , aber befreien Sie mich von diesem Menschen ! Ich will es schon machen . Es findet sich heute Abend wohl eine Gelegenheit . Mit je mehr Eclat es geschieht , desto besser . Es soll ihm schon die Lust vergehen , mit uns noch einmal anzubinden . Sie werden doch dem Onkel nichts von alledem sagen ? Um Himmelswillen nicht ! rief die Baronin . Er wäre im Stande , heute noch Herrn Stein als unsern lieben Verwandten der Gesellschaft vorzustellen . Er ist ja schon beinahe kindisch ! ich kann mich von heute an in nichts mehr auf ihn verlassen . Nun denn ! sagte Felix , seiner Tante die Hand küssend ; so verlassen Sie sich auf mich . Wir wollen die Sache schon glücklich zu Ende bringen . - Aber ich glaube , liebe Tante , es ist die höchste Zeit , daß wir Toilette machen . Um Himmelswillen ! fünf Uhr ! und um sechs fängt die Gesellschaft an - wie soll ich in einer Stunde fertig werden ! Achtundfünfzigstes Capitel Wagen auf Wagen rollten durch das große Thor auf den Schloßplatz , und hielten vor dem Portale still . Geputzte Damen und Herren stiegen aus und wurden von den Dienern vorläufig in die Garderobezimmer gewiesen , um einige Minuten später in der weit geöffneten Flügelthür , die in die Gesellschaftsräume im Erdgeschoß führte , von dem alten Baron und Felix empfangen zu werden . Nach und nach versammelte sich so ziemlich der gesammte Adel der Umgegend . Schon die glänzenden Equipagen , in welchen man heute gekommen war - die meisten waren mit vier , einige sogar mit sechs herrlichen Pferden bespannt , Vorreiter in allen möglichen bunten Livreen nicht zu vergessen - noch mehr aber der gewählte Anzug der Herren , die glänzende Toilette der Damen bewiesen , daß man sich auf ein Fest im größesten Styl vorbereitet hatte . Man glaubte auch mit ziemlicher Gewißheit angeben zu können , um was es sich heute eigentlich handelte ; hatten doch die Baronin und Felix es an Hindeutungen auf ein Ereigniß , das möglicherweise in nicht allzu langer Zeit eintreten könnte , keineswegs fehlen lassen ! Die Baronin und Felix hatten sich durch diese voreiligen Anspielungen , wie es schien , einen schlimmen Tag bereitet , und sollten jetzt die Erfahrung machen , daß es viel leichter ist , den Mund der Fama zum Reden als zum Schweigen zu bringen . Sie hatten alle Mühe , die bedeutungsvollen Mienen der Bescheideneren , die zarten Andeutungen der Neugierigen , die direkten Fragen der Zudringlichen zu übersehen , zu überhören , ausweichend zu beantworten , und bei diesem Fegefeuer doch noch die officielle gesellschaftliche Freundlichkeit und Höflichkeit zu bewahren . Die Gesellschaft schien im Allgemeinen entschlossen , an dem Glauben einer Verlobung zwischen Felix und Helene festhalten zu wollen , und vertröstete sich auf die Abendtafel , wo man ja doch endlich mit der Wahrheit hervortreten werde . Nur einige wenige Scharfsinnige wollten aus gewissen Anzeichen schließen , daß die Aussicht auf das bewußte Ende wohl nicht so ganz ungetrübt sei , wie die Meisten anzunehmen schienen . Sie machten darauf aufmerksam , daß das Benehmen der Baronin heute um vieles förmlicher sei , wie gewöhnlich , ja in manchen Augenblicken geradezu verlegen ; daß der alte Baron außerordentlich zerstreut sei , und keineswegs den Eindruck eines glücklichen Familienvaters mache ;