sei , so würde sich Ferdinand schon besinnen und müsse es , er wolle ihn dazu zwingen . Als das Geräusch der Verlobung sich verbreitete , eilte Heinrich weg , um Ferdinand aufzusuchen , während Agnes mit banger Hoffnung und aufblitzender Lebenslust seiner harrte . Aber er fand ihn nirgends und kehrte allein zurück . Agnes versank in eine tiefe Erstarrung , alles vergessend , was um sie war . Der Bergkönig und der Winzer begannen jetzt ihren Zustand zu erkennen und bewährten sich als bescheidene und treuherzige Gesellen , welche mit herzlicher Schicklichkeit ihrer schonten und zugleich mit derselben sie aufzuwecken und zu beleben suchten . Heinrich bot ihr an , sie nach Hause zu bringen ; allein sie verweigerte es und ging nicht von der Stelle , indem sie behauptete , Ferdinand müsse sie nach Hause begleiten und würde gewiß noch kommen . Sie trank nun mehreremal von dem brausenden Weine , den sie in ihrem Leben noch nie getrunken , und als derselbe seine Wärme durch ihr Blut ergoß , wurde sie allmählich laut und ergab sich einer selbstbetäubenden Freude . Sie sang nun selbst mit den Gesellen und ließ eine so wohlklingende Stimme ertönen , daß alle bezaubert wurden . Sie wurde immer lustiger und trank in kurzer Zeit einige Gläser aus . Die drei Burschen , wenig erfahren in so bedenklichen Sachen , ließen sich nun ohne Arg von ihrer Ausgelassenheit hinreißen und freuten sich über das reizende lustige Mädchen , über welches ein eigentümlicher dämonischer Zauber gegossen war . Sie brach blühende Myrten- und Lorbeerzweige und flocht Kränze daraus ; sie plünderte das ganze Gewächshaus , um Sträuße zu binden , und indem sie ihre Zechbrüder mit den fremden Wunderblumen aufputzte und ihnen die Kränze aufsetzte sowie sich selbst , tanzte sie nicht wie eine Diana , sondern wie eine kleine angehende Bacchantin herum , ohne daß indes die ganze Szene das geringste von ihrer Unschuld und Harmlosigkeit verloren hätte . Aber plötzlich , als die Lust am größten war , veränderte sich ihr Gesicht , und sie fing bitterlich an zu weinen ; sie warf sich auf einen Stuhl und weinte mehr und mehr , es war , als ob alle Quellen des Leides sich geöffnet hätten , und bald war das Tischtuch , auf das sie ihr schluchzendes Haupt niederbeugte , von ihren strömenden Tränen benetzt , die sich mit dem Champagner ihres umgestürzten Glases vermischten . Mit durchdringender , klagender Stimme rief sie , vom Schluchzen unterbrochen , nach Ferdinand , nach ihrer Mutter . In größter Ratlosigkeit suchten die Gesellen sie zu beruhigen und aufzurichten , zugleich befürchtend , daß andere Gäste herbeikommen und Agnesens bedenklichen Zustand sehen möchten . Allein ihr Schrecken wurde noch größer , als die Tränen unversehens versiegten , Agnes vom Stuhle sank und in wilde Krämpfe und Zuckungen verfiel . Sie warf ihre feinen weißen Arme umher , die Brust drohte das spannende Silbergewand zu sprengen , und die schönen dunkelblauen Augen rollten wie irre Sterne in dem bleichen Gesicht . Heinrich wollte nach Hilfe rufen , aber der Bergkönig , welcher der älteste war , hielt ihn davon ab , um einen allgemeinen Auftritt zu verhüten . Sie hofften , der Anfall würde vorübergehen , sprengten ihr Wasser ins Gesicht und lüfteten das Brustgewand , daß der kleine pochende Busen offen leuchtete . Heinrich hielt das schöne tobende Mädchen , das mehr dem Tode als dem Leben nahe schien , auf seinen Knien , da kein geeigneter Ruhesitz im Treibhause war , und indem er das zärtlichste Mitleid für sie fühlte , verwünschte er den eigensüchtigen Ferdinand , welcher nun weiß Gott wo umherschweifen mochte . Als aber der unglückliche Zustand , anstatt vorürberzugehen , immer schlimmer und bedrohlicher wurde , indem die Zuckende kaum mehr zu halten war , entschlossen sie sich in der größten Angst , die Kranke vorsichtig nach dem Hause zu tragen . Der Bergkönig und der Winzer hoben sie auf ihre Arme und trugen die tobende Diana auf dem dunkelsten Seitenwege durch den Garten , indessen Heinrich voranging und die Gelegenheit erspähte . So gelangten sie mit der verräterisch glänzenden und ächzenden Last mit Mühe endlich durch eine Hintertür in das Haus und in das obere Stockwerk , wo sie ein mit Betten versehenes Zimmer fanden . Sie legten dort das arme Kind hin und suchten in der Stille einige weibliche Hilfe herbei . Es war auch die höchste Zeit , denn sie lag nun in tiefer Ohnmacht ; zugleich erregte aber die herbeigeeilte Gärtnersfrau , die Heinrich gefunden , ein solches Lamento , daß bald alle noch anwesenden Damen in dem Zimmer waren , der Vorfall nun mit dem größten Aufsehen bekannt ward und die betroffenen drei Zecher sich in den Hintergrund ziehen mußten . Es gelang endlich , die Ohnmächtige wieder ins Leben zu rufen , und da sich auch zweckmäßige Hilfsmittel fanden , erholte sie sich in etwas , ohne jedoch zum klaren Verstande zu kommen . Doch konnte keine Rede davon sein , sie noch heute nach Hause zu bringen , obgleich ein schnell herbeigekommener Arzt die Sache nicht für gefährlich erklärte und Ruhe und Schlaf als die sicherste Hilfe zur gänzlichen Erholung bezeichnete . Heinrich machte sich auf den Weg nach der Stadt , um Agnesens Mutter zu benachrichtigen . Die Fahrstraße war bedeckt mit Wagen , die , mit Tannenreis geschmückt , die heimkehrenden Masken trugen , und dazwischen von vielen Fußgängern . Um schneller vorwärts zu gelangen und ungestörter zu sein , schlug Heinrich einen Fußpfad ein , welcher im lichten Walde sich hinzog zur Seite der Straße . Als er einige Zeit gegangen , holte er Ferdinand ein , dessen weiter seidener Mantel sowie der Saum des batistenen langen Rockes sich unablässig in den Sträuchern und Dornen verwickelten und zerrissen und so sein Fortkommen erschwerten . Fluchend schlug er sich mit dem Gestrüpp herum , als Heinrich zu ihm stieß . Sobald sie sich erkannten , erzählte Heinrich das Vorgefallene ,