Ihrem Leben kein Nachweis bösartiger Leidenschaften vorliegt ? - Indem ich Sie pflichtmäßig auf diese Umstände aufmerksam mache , fordere ich Sie nunmehr auf , die vorangehenden , nöthigen Erklärungen über Ihren Namen und Ihre Geburt zu geben und dann den Eid zu leisten , mit dem Sie sich vor Gott verpflichten , die Wahrheit höher zu achten , als irdischen Vortheil . « » Mein Herr , Sie heißen Reginald , Chevalier de Ste . Roche , sind in Paris in dem Stadttheile St. Sulpice geboren , in dem Kloster St. Sulpice unter der Vormundschaft des Grafen Crecy-Chabanne erzogen . Haben Sie diesen Notizen noch etwas über Ihre Eltern und Familie hinzuzufügen , von denen ich hier keine weitere Erwähnung finde ? « Wir werden die Aufregung begreifen , die diese nöthigen und doch von den Anklägern übersehenen oder vergessenen Aufforderungen bei den Anwesenden erregen mußten . - Graf d ' Aubaine blickte mit ungetheilter Erwartung auf den bleichen Jüngling , der jetzt den Versuch machte , sich zu erheben , und langsam an dem Stuhle sich stützend , endlich aufrecht stand und das schwermüthige Auge aufschlug , um das Antlitz des Richters zu suchen , der eben so mild und menschlich zu ihm geredet . Da traf sein Blick zuerst auf Franziska ' s Vater , und der Jüngling erbebte , als wolle er zurück sinken - dann war es vorüber ! Er preßte krampfhaft einen Augenblick die Hände vor die Stirn , dann richtete er sich fest auf . Graf d ' Aubaine ahnte die Ursache dieser heftigen Bewegung nicht , und Wenige außer Reginald sahen sie , so gespannt war die Aufmerksamkeit Aller ; - und so blieb Franziska d ' Aubaine , welche während der Rede des Herrn von Mauville leise durch eine Seitenthüre eingetreten war , ohne Störung , an den Stuhl ihres Vaters gelehnt , stehen . Mit der sorglosen Ruhe und Sicherheit , die bei so zarten , weiblichen Naturen immer das Zeichen einer Geistzerstörenden Gemüthsbewegung ist , schloß sie sich einer Verhandlung an , die weder für ihr Alter , noch für ihr Geschlecht passen wollte . Doch werden wir die Wirkung für Reginald begreifen ; nach der ersten Erschütterung fühlte er nur eine Steigerung seiner Empfindungen dadurch eintreten . Es schien ihm , Gott habe den Engel gesendet , der ihn trösten und stärken solle ; - auch glich sie einer solchen Erscheinung mehr , als einem irdischen Wesen ! Ihr schönes , todtenbleiches Antlitz war von ihrem reichen Haare umwallt , und drei weiße Rosen schienen die seltene Fülle halten zu wollen . Von ihrer hohen , schlanken Gestalt floß das bedeutungsvolle Kleid von blaßblauem Atlas nieder ; und um so glänzender hob sich ihre Erscheinung hervor , da Alles um sie her in die tiefste Trauer gehüllt war . Herr von Mauville wünschte , dem Jünglinge nur über das erste Wort hinweg zu helfen . » Mein Herr , « sagte er , » die Formalität , die Ihre Identität beweisen soll , erfordert Nichts , als ein bestätigendes : Ja ! Es wird an Eides Statt angenommen werden , und es bleibt Ihnen frei , dem hohen Gerichtshofe später darüber die dort nöthigen Anzeigen zu machen , wenn Sie sich jetzt zu bewegt dazu fühlen sollten . « » So kann ich diese Bestätigung nicht geben ! « rief plötzlich Reginald , indem er sich frei aufrichtete . » Mein Herr , « sagte Herr von Mauville - » Sie mißverstehen vielleicht meine Frage ! Es handelt sich hier bloß um die einfache Bestätigung , daß Sie der Chevalier de Ste . Roche sind . « » Ich habe Sie vollkommen verstanden , « entgegnete Reginald ; - » doch soll meine Antwort an Eides Statt gelten , so kann ich sie nicht bestätigend geben ; denn der Name und Titel : Chevalier de Ste . Roche gehört mir nicht wirklich , sondern ward mir mit böser Absicht bei meiner Geburt untergeschoben . « » Verweisen Sie den Lügner dort zur Ruhe ! « rief hier plötzlich die Marschallin von Crecy , indem sie außer sich aufsprang ; - » er will die Angelegenheit verwirren , indem er etwas Fremdes - Ungehöriges hinein mischt ! « Herr von Mauville verneigte sich . » Das Verhör darf nicht unterbrochen werden , Madame ! Wir sind genöthigt , den Angeklagten zu hören ; zweifeln Sie nicht , Madame , daß wir die Dinge werden zu ordnen wissen . « Die Marschallin setzte sich in der größten Empörung , da sie einsah , nicht durchdringen zu können . Reginald hatte sie keines Blickes gewürdigt ; er blieb ruhig gegen die Richter gewendet . Als eine augenblickliche Stille eintrat , sagte er : » Ich habe Gott vor Augen und achte die Wahrheit höher , als irdischen Vortheil , darum habe ich diese Erklärung abgeben müssen . Aber diese Angelegenheit , die ich entschlossen bin , um der verletzten Ehre meiner tugendhaften Mutter willen , der Wahrheit nach , an das Licht zu ziehen , hat nur einen vorüber gehenden Einfluß auf die Angelegenheiten , die ich hier zu erklären habe . Daher bitte ich , mir die Angabe meines wahren Namens zu erlassen ; - meine übrigen Erklärungen werden bald darthun , wie wenig ich geneigt bin , dieselben zu meinem Vortheile zu lenken . « » Ich glaube , mein Herr , « sprach Herr von Mauville , nach kurzer Besprechung mit den beisitzenden Richtern - » daß wir um so eher in Ihren Wunsch einwilligen können , da Sie nicht vor dem hohen Gerichtshofe selbst stehen , und wir unsere Verhandlung nur als ein vorbereitendes Verhör ansehen können , indem die endliche Entscheidung nach Paris gehört ; wenn unsere ungewöhnliche Sendung hierher allerdings schon der Rücksicht gegen eine der ersten Familien des Königreiches zuzurechnen ist . « » So muß ich ferner erklären , « fuhr Reginald fort , » daß ich zu gleicher Zeit außer Stande bin