bangen Sorgen für die Zukunft , die sich eindrängen wollten . Der nächste Tag erschien und mit ihm , um das Maaß des Glücks zu füllen , Evremont . Wie ganz anders leuchtete dem Grafen der Frühling nun entgegen , dessen Pracht er am vorigen Morgen kaum beachtet hatte , als er am Arme des geliebten Sohnes unter seinen Blüthenbäumen wandelte . Mit väterlichem Stolz bemerkte er die Veränderung , die mit Evremont seit ihrer letzten Trennung vorgegangen war . Sein Körper hatte sich männlicher ausgebildet , die Stimme tönte etwas tiefer aus der schön gewölbten Brust , die Augen waren befehlender geworden , die Wangen gebräunter und etwas magerer , indeß alle Anmuth der Jugend und die liebevollste Zärtlichkeit um den edel geformten Mund schwebte , dessen rothe Lippen im herzgewinnenden Lächeln die schönsten Zähne entblößten . Zwei kurze Tage des Glücks waren den Freunden gegönnt . Nie hatte der Graf seine leidenschaftliche Zärtlichkeit für Evremont so ohne Rückhalt gezeigt , als in diesen beiden Tagen , und es war ein rührender Anblick , wie innig der junge Krieger die Liebe erwiederte und mit kindlicher Unterwürfigkeit vereinigte . Endlich führte der Morgen des dritten Tages den Schmerz der Trennung herbei . Der Graf , der sonst immer zur Fassung ermahnt hatte , war dieß Mal ohne Fassung . Er führte den Sohn in den Garten hinaus , und dort mit ihm allein , drückte er ihn lange und schmerzlich an die Brust . Mein Sohn , sagte er endlich mit vor Angst unterdrückter Stimme , mein theurer Sohn , ich fürchte , wir sehen uns nicht wieder . Mein Vater , rief der Sohn erschreckt , Gort wird Sie uns erhalten ; Ihr Alter ist noch nicht so weit vorgerückt , Sie sind gesund . O ! um Gottes Willen , erwecken Sie mir solche Angst nicht ; Sie sind ein Segen ihrer Umgebung , und der Himmel wird Sie zum Wohle der Menschen erhalten . Der Graf widersprach ihm nicht . Er wollte ihm nicht sagen , daß er an seinen Tod nicht gedacht hatte und daß ihn diese Vorstellung auch nicht mit solcher Angst erfüllen würde . Er lehnte schweigend die Stirn an des Sohnes Heldenbrust und überließ sich ohne Rückhalt seinem Schmerz , der sich in heißen Thränen ausströmte . O mein Vater ! sagte Evremont , indem er mit inniger Liebe den Grafen umschlang und sich dann vor ihm auf ein Knie senkte , geben Sie mir Ihren Segen auf den Pfad mit , den ich nun wandeln muß , denn ich fürchte , er wird rauh und dornenvoll sein . Der Graf legte seine Hand auf das Haupt des jungen Mannes , indeß seine betenden Lippen und sein nach oben gerichteter Blick den schönsten Segen des Himmels für dieß theure Haupt erflehten ; dann küßte er mit langem Drucke Evremonts Stirn und riß den bis zu Thränen bewegten Krieger heftig empor . Laß uns wie Männer scheiden , sagte er dann entschlossen , und nicht mit unserm Jammer Deine Mutter tödten . Als der Graf und Evremont zu der Familie zurückkehrten , wurde dem letztern gemeldet , daß Alles zum Aufbruch bereit sei . Die schmerzliche Trennung war nicht mehr zu verschieben . Mit tiefbewegter Seele zog Evremont an der Spitze seines Regimentes hinweg , und in Thränen aufgelöst blieb seine trostlose Familie zurück . Wie schwere , dunkle Wolken das Blau des Himmels bedecken und die leuchtende Sonne verhüllen , so lastet der Schmerz auf der Seele des Menschen ; aber wenn die dunkeln Wolken ihre Wasser ergossen haben , wenn ein frischer Wind die Nebel zerstreut , dann freut sich die Erde von Neuem der goldnen Sonne und das reine Blau des Himmels erglänzt von Neuem . In Thränen löst der Mensch seinen Schmerz auf , nothwendige Thätigkeit zerstreut den Nebel des Kummers , und wir erstaunen oft selbst , daß unsere Schmerzen sich lindern und Hoffnung von Neuem uns tröstend entgegen lächeln kann , und wir müssen uns dann gestehen , wandelbar sind alle Gefühle der menschlichen Brust . Diese Bemerkungen theilten sich einander die Glieder der Familie des Grafen mit , als der leidenschaftliche Schmerz der Trennung nach einigen Tagen schwieg und die Hoffnung leise tröstend in alle Herzen schlich . Die Frauen beschäftigten sich fast ausschließend mit dem Kinde , und es wurde auf die Nahrung , Kleidung und Gesundheit des Kleinen eine Sorgfalt gewendet , die er gar nicht zu schätzen verstand . Das erste Aufdämmern von Gedanken , von Besinnung erregte in seinen Angehörigen Entzücken . Der Graf lächelte über dieß Treiben , und doch konnte man bemerken , daß er oft zu dem Kinde schlich und versuchte , ob es ihn noch nicht erkenne . Oft küßte er die dunkeln Augen und die rosigen Lippen dieses kleinen Abdrucks seines Vaters und eilte , die Rührung zu verbergen , die ihn zu bewältigen drohte . Dübois versicherte , daß der kleine Graf ihn schon verstände ; dieß sei auch natürlich , da er nur französisch mit ihm rede , und er zweifle gar nicht , daß dieß auch die erste Sprache sein würde , die der junge Herr sprechen würde . Noch hatte die Familie die größten Leiden nicht erfahren , die der Schooß der dunkeln Zukunft für sie in sich hegte . Evremont erfüllte sein Wort . Er gab regelmäßig Nachricht und man folgte ihm in Gedanken über den Niemen . Nach jedem bei dem weiteren Vordringen bestandenen Gefechte stiegen die innigsten Dankgebete zum Himmel empor , denn glücklich hatte der junge Held sie alle bestanden und nicht einmal eine leichte Verwundung erschwerte ihm die Mühseligkeiten des Kampfes . In dieser Abwechslung von Freude , die jeder Brief erregte , und von Angst , wenn man bedachte , was alles vorgefallen sein könnte , seit er geschrieben , war der Sommer entschwunden , und der Herbst , so reizend in der Gegend , wo der Graf lebte , erhöhte die Beschwerden dort , wo sein Sohn