, bald Musiker ; am meisten lieben sie in der Jugend körperliche Tapferkeit , weil sich hier die Kraft am kürzesten und leichtesten durch den Arm ausspricht . Daher macht sie früher alles Große , was sie sehen , entzückt , weil sie es nachzuschaffen denken , später aber ganz verdrüßlich , weil sie es doch nicht vermögen . Sie sollten aber einsehen , daß gerade sie , wenn sie ihren Ehrgeiz früh einzulenken wissen , das schönste Los vielartiger und harmonischer Kräfte gezogen ; sowohl zum Genusse alles Schönen als zur moralischen Ausbildung und zur Besonnenheit ihres Wesens scheinen sie recht bestimmt zu sein , zu ganzen Menschen ; wie etwan ein Fürst sein muß , weil dieser für seine allseitige Bestimmung allseitige Richtungen und Kenntnisse haben muß . « Sie standen gerade , als er dies sagte , auf dem Aventinischen Berge , vor sich die Cestius-Pyramide , dieses Epitaphium des Ketzer-Gottesackers , worin so mancher unausgebildete Künstler und Jüngling schläft , und nahe dabei der hohe Scherben-Berg180 ( monte testaccio ) , wovor Albano immer mit einem ekeln kahlen Gefühl schaler Ödheit vorbeiging . Der Stoß der väterlichen Ideen gegen seine und die Verwandtschaft des Scherben-Bergs mit dem Fremden-Kirchhof machten , daß Albano mehr sich als dem Vater antwortete , mit einem geschmolzenen Eisen-Tropfen des Unwillens im Auge : » Ein solcher namenloser Töpfer-Berg ist im ganzen auch die Geschichte der Völker . - Aber man möchte sich doch lieber auf der Stelle töten , als erst nach einem langen Leben sich so namen- und tatenlos in die Menge eingraben . « Seit seiner Einigkeit mit sich selber wurd ' er glücklicher ; mit Eifer tat er sich schon jetzt zum Werk , seiner Natur gemäß , die wie im Samenkorn Stamm und Wurzel aus einer Samenspitze trieb , Gedanken und Taten . Er warf alles andere Treiben weg und studierte alte und neue Kriegskunst , wozu ihm Dian die Bücher und das Museum borgte und lieferte . Mit namenloser Entzückung und Erhebung durchlief er wieder die Sonnenkarten der römischen Geschichte , hier auf dem ausgebrannten Sonnenkörper selber , und oft , wenn er ihre Entzündungen gezeichnet las , stand er eben in den Kratern , wo sie aufgegangen waren . Dian gab noch dazu seine Kenntnis des kleinen Dienstes und sich gern zu körperlichen Übungen her , wenn er ihn vorher zu dem Gottesdienste unter Raffaels Kunsthimmel hinaufgezogen , wo Grazien wie Sternbilder im hohen Äther gehen ; denn bei Dian war Leib und Seele ein Guß , der weichste Augennerve und härteste Armmuskel ein Band . Zuletzt führt ' er , da ihm ein Wort viel sauerer wurde als eine Tat und da er lieber den ganzen Leib als die Zunge regte , dem Grafen einen rednerischen Kriegs-Genossen zu , einen korsischen Jüngling , lebendig wie aus lauter Mark des Lebens geformt . Beide Jünglinge liebten und übten sich eine Zeitlang in romantischer Freiheit , ohne einander nur die Namen abzufragen . Sie fochten , lasen , schwammen . Der Korse vergötterte fast Albanos Gestalt , Kraft , Kopf und Mut und goß sein ganzes Herz in eines , das er nicht ganz faßte ; wie viele Mädchen nirgends als in der Liebe , so zeigte er nirgends als im Kriegsspiele Seele und Sinn . Albanos helles Gold spiegelte gefällig die fremde Gestalt zurück , ohne wie Glas dabei die eigne zu vernichten . Einst wurde des Korsen Glut eine Flamme , die das ganze eigne Leben dem Freunde beleuchtet zeigte und seinen einzigen Zweck und Durst , nämlich den nach Franzosen-Blut , » den er « ( sagt ' er ) » im kommenden Kriege zu löschen hoffe « . Wär ' ihm Albano ähnlich gewesen , so hätten sie sich wie kämpfende Hirsche in die Geweihe tödlich verwickelt ; denn die störrische , unbiegsame Tapferkeit des Korsen - mehr eine sinnliche , so wie Albanos seine mehr eine geistige - litt kein Gegenwort . Gleich seiner Klasse begehrte er auf seine Rede ein recht starkes Zuwort von Albano ; aber dieser sagte : » Das ist eben das Große im Kriege , daß man ohne leidenschaftliche Erbitterung , ohne persönliche Feindschaft alles kann und wagt , was der Schwächling nur durch sie vermag ; wahrlich es wäre edler , in der Schlacht einen Geliebten als einen Gehaßten zu töten . « - » Tolle Chimären ! « ( sagte der Korse zornig » wie ? du willst die Franzosen töten und sie doch lieben ? « - Albanos Großsinn warf jede bange Larve ab und sagte : » Mit einem Wort , ich streite einst für die Gallier mit . « - » Du , Falscher ? « ( sagte der Korse » Unmöglich ! - Gegen mich ? « - » Nein , « ( versetzte Albano ) » ich bitte Gott , daß wir uns in jener Stunde nie begegnen . « - » Und ich will ihn recht anflehen , « ( sagte der Korse ) » daß wir uns nicht mehr treffen als einmal mit dem Bajonett . Addio ! « So schied er entrüstet von ihm und kam nicht wieder . 106 . Zykel Unähnlich andern Vätern war Gaspard gegen Albano seit dem ersten Kriege über den Krieg noch wie sonst , ja fast besser ; mit seiner alten Achtung für jede starke Individualität nahm er es heiter auf , daß so merklich des Jünglings Sonne in die Zeichen des Sommers trat und über die Erde sowohl höher stieg als wärmer . Er gab ihm den nächsten Beweis dadurch , daß er unter den allmählichen Anstalten zur Rückreise nach Pestitz ihm einen ganz unerwarteten Wunsch der - Trennung bejahte . Nämlich Albano , der jetzt wie Efeu mit allen Blüten und Zweigen immer fester um und in alle Denkmäler der heroischen Vergangenheit ging , wollte nicht von Rom scheiden , ohne Neapel gesehen zu haben . Zu seiner Sehnsucht kam noch Dians Begeisterung für dies Tochterland seines Vaterlandes