, so schwör ' ich dir zu , daß du sie völlig erreicht hast . Sie haben die Erinnerungen an dich und deine Musarion so lebendig in mir aufgefrischt , daß alle meine andern Gedanken vor ihnen verlöschen , und alles , was ich um mich her sehe , mir schal und ungenießbar wird . Oft möcht ' ich auf deine Kunst zürnen , daß die Zaubrerin , die dem bloßen gefärbten Schatten so viel Lebenähnliches geben konnte , ihnen nicht auch das , was zum Leben noch fehlt , zu geben vermochte ; daß ich die Rede , die auf den Lippen deines Bildes zu schweben scheint , nicht mit meinen Ohren höre , und der Freund , den ich an meine Brust drücken will , ein bloßes Blendwerk ist . Unwillig reiß ' ich mich dann von diesen Bildern los , bei denen ich oft Stunden lang verweile , und kehre doch immer wieder zurück , als ob ich hoffte sie nun lebendiger zu finden . Kurz , lieber Kleonidas , dein Geschenk hat meine Weisheit aus dem Gleichgewicht , worauf ich sonst immer ein wenig groß zu thun pflegte , herausgehoben , und ich sehe wohl , mir ist nicht anders zu helfen , als daß ich meine hiesigen Geschäfte so schleunig als möglich zu Ende bringe , ein eigenes Jachtschiff miethe , und mit dem ersten besten Nordwestwind nach dem Lande zurückfliege , das meine Liebe zu euch , weit mehr als das Ungefähr der Geburt , zu meinem wahren Vaterlande macht . Das holde Familienbild und die liebliche junge Malerin haben mich zwar nicht blind gegen die Reize deiner Psyche gemacht , aber doch so viel bewirkt , daß ich mich zu Gunsten meines Korinthischen Freundes Learchus leichter von ihr trennen konnte , der sie zu besitzen verdient , und ganz glücklich dadurch ist . Die dreitausend Drachmen , die du gegen seine Anweisung ausgezahlt erhalten wirst , sind der Preis , den er selbst dafür bestimmt hat . Da er die Bilder als Geschenk nie angenommen haben würde , so hielt ich für das schicklichste , ihm die Schätzung derselben anheimzustellen : und ich finde daß er sich , ohne zu viel zu thun , auf eine edle Art aus der Sache gezogen hat . Er hat wirklich Sinn für ächte Kunst ; und überdieß schmeichelt es seinem Stolze , daß er ( Lais allein ausgenommen ) der einzige in Griechenland ist , der etwas von deiner Hand aufweisen kann . Daß mir die beiden Stücke , die ich für mich behalte , zu heilig sind um in meiner Galerie aufgestellt zu werden , trauest du mir zu ohne daß ich es sage . Antipater ist der einzige , der das Familienbild gesehen hat ; aber ihm auch die Malerin sehen zu lassen , kann ich nicht über mich gewinnen . Sie steht in meinem Schlafzimmer , in einem Schranke verborgen , der , seitdem er dieses Kleinod verwahrt , täglich so oft aufgeschlossen wird , daß du über meine Kinderei lachen würdest , wenn ich dir sagte wie oft . Mich dünkt die Kunst hat noch nichts Vollendeter ' s hervorgebracht als dieses kleine Bild . Vollendet - ja , das ist es - aber ich habe dir doch nicht das rechte Wort gesagt ; nichts Anziehender ' s , wollt ' ich sagen - was hielt mich zurück ? - Ist mein Vorwitz zu wissen , wer der Glückliche ist , mit dessen Zügen die liebenswürdige Kleone sich so theilnehmend beschäftigt , unbescheiden , so laß dein Stillschweigen meine Strafe seyn . Ich lege diesem Brief eine Abschrift dessen bei , den ich von Learchen über die Gemälde erhalten habe ; vornehmlich , weil er uns Nachricht von unsrer reisenden Circe gibt , die den Thessalischen Zaubrerinnen zeigt , daß sie in ihrer eigenen Kunst , gegen eine Meisterin wie sie , nur Pfuscherinnen sind . 41. Kleonidas an Aristipp . Wenn unsre Freunde oder Verwandten in einem lebenssatten Alter ohne Reue , indem sie ins Vergangene , ohne Kummer , wenn sie vorwärts blicken , die Welt verlassen , so sollte der Gedanke , daß wir nie hoffen konnten sie von dem allgemeinen Loose der Menschheit ausgenommen zu sehen , billig zu unsrer Beruhigung hinreichend seyn . Nach dieser kleinen Vorrede , lieber Aristipp , wirst du , wie ich hoffe , die Nachricht , daß dein achtzigjähriger Oheim zu leben aufgehört , und dich nebst deinem Bruder zu einzigen Erben seines ansehnlichen Vermögens eingesetzt hat , bloß als einen Ruf des Schicksals aufnehmen , dein Vorhaben , bald nach Cyrene zurückzukehren , desto bälder auszuführen . Vermöge seines letzten Willens ist dir sein schönes Haus in der Stadt und sein nur wenige Stadien von derselben entferntes Landgut zum voraus vermacht : und dein Bruder , der dich zu gut kennt , um deine Weigerung nicht voraus zu sehen , läßt dir wissen , daß er euerm Oheim sehr ernstlich angelegen habe , dir die ganze Erbschaft zu hinterlassen , und daß er also um so fester über dem Buchstaben des Testaments halten werde , da er durch das große Vermögen seiner Frau ohnehin reicher sey , als es einem Bürger eines kleinen Freistaats zustehe . Nach dieser Erklärung , die dein Bruder bereits öffentlich gethan hat , würde es dir als eine bloße Ziererei aufgenommen werden , wenn du dich nicht mit guter Art fügen wolltest ; zumal da ganz Cyrene das Benehmen deines Bruders höchlich billiget , und sich darauf freut , dich künftig auf immer bei uns festgehalten zu sehen . Das Gut wirft wegen seiner Nähe an der Stadt jährlich über zwei Talente ab , das Haus ist eines der besten in Cyrene , und , wie mir dein Bruder sagt , so kommen von dem übrigen Nachlaß wenigstens vierzig Talente auf deinen Antheil . Du wirst also auf einen hübschen Fuß in deiner Vaterstadt leben , und ( was mir vorzüglich Freude macht ) uns deine