der da hätt ’ ich geglaubt , sie hielt ’ es aus ! Na , man wird nie zu alt zum Lernen . “ Die Willmers brachte die Senfteige , man legte sie Ernestinen in den Nacken und auf die Sohlen ihrer kleinen weißen Füße . „ Laßt mich nur los , “ bat Ernestine , „ ich kann ja gar nicht davonlaufen , ich kann in den Schuhen nicht gehen , ich trete ja überall in heißen Sand . Huh , der Boden sengt mir die Sohlen durch ! Wozu in der glühenden Asche waten ? Johannes soll mich hinauf tragen , er ist ja so stark , er hat mich schon getragen . Weh ! der Vesuv speit Feuer , jetzt packt mich die Flamme hier und dort , von allen Seiten , wie das Buch , das arme Buch ! Das ist die Strafe , weil ich den Schwan verbrannte . — Ach ! es verzehrt mich und Keiner löscht . Wenn ich verbrenne , dann bin ich aber wenigstens tot — ganz tot ? Nein , o nein , die Seele nicht — die Seele kann auch nicht verbrennen ! “ „ Sie spürt die Senfumschläge , “ sagte Heim zu Johannes . „ Gib ihr dann noch das Kalomel . “ „ Meinst Du nicht , daß eine Blutentziehung nötig wäre ? “ fragte Johannes . „ Bei Leibe nicht . Solch junges Volk verliert doch gleich den Kopf ! Wer wird denn diesem geschwächten Körper ohne die äußerste Not noch Blut entziehen ? “ „ Ich unterordne mich Deinem Ausspruche , “ erwiderte Johannes mit Widerstreben . „ Nehmt ihr jetzt den Senf ab , “ befahl Heim . Es geschah und Ernestine , die indessen etwas matter geworden war , atmete tief auf : „ So , nun bin ich verkohlt , nun ist mir besser . Nur die Seele , die ist noch , wie sie war , die ist unvertilgbar ! “ Eine plötzliche Abspannung erfolgte auf diese Worte , in der sie regungslos liegen blieb . Heim nahm Hut und Stock . „ Ich denke , die Nacht wird wohl ruhiger werden . Du solltest Dich auch einmal niederlegen , Johannes . Du hältst das ununterbrochene Wachen nicht aus . “ „ Ach , wie oft habe ich ihn schon darum gebeten , “ sagte die Mutter . „ Ich könnte so gut eine Nacht aufbleiben und noch dazu jetzt , wo ich eine so liebe Gehilfin habe . Auch die treue Willmers bedarf Erholung ; aber sie ist so eigensinnig wie Johannes . “ „ Ja , mit dem Starrkopf ist nichts zu machen . Ein Glück , daß jetzt gerade Ferien sind , sonst könnte er es nicht so treiben , “ meinte Heim . „ Na , ich muß fort , man fährt lange von hier bis in die Stadt . “ „ Es wäre besser gewesen , wir hätten sie mit uns nach Hause nehmen können , “ sagte die Staatsrätin , „ aber die Krankheit trat ja gleich so heftig auf , daß wir sie hier lassen und selbst herausziehen mußten , um sie zu pflegen . “ „ Ihr seid brave Menschen ! “ Heim reichte ihnen die Hand . „ Gott wird ’ s vergelten , was Ihr an dem armen Geschöpf tut ! “ „ Was ich tue , bester Freund , das geschieht für meinen Sohn — und der wird es mir danken , das weiß ich . “ „ Ja , Mutter , so viel in meinen Kräften steht , “ beteuerte Johannes . Als Heim in das Nebenzimmer trat , fand er Hilsborn am Fenster und träumerisch hinausblickend . „ Na , Junge , fährst Du mit ? “ „ Vater , ich möchte wohl heute Nacht hier bleiben und Möllner beistehen , “ meinte Hilsborn verlegen . „ Möllner beistehen ? Hm ! “ Heim schwieg ein Weilchen . Seine klugen Augen hefteten sich mit prächtigem Humor auf Hilsborns errötendes Gesicht . „ Nu , nu , mein Junge , wenn Dich ’ s freut , da steh Du Möllner bei . Mir kann ’ s recht sein ! “ Der junge Mann warf sich in einer ihm selbst unbewußten , dankbaren Anwandlung an die breite Brust des Pflegevaters . „ Hm ! “ sagte Heim wieder . „ Versteh ’ schon , versteh ’ schon ! “ Er klopfte Hilsborn auf die Wange „ Ist ja ganz in der Ordnung — wär unnatürlich wenn ’ s anders wäre . Brauchst Dich der Wahl nicht zu schämen . Na , gute Nacht ! und — “ Ein gemütliches Lächeln spielte um den alten Mund : „ Steh mir nur dem Möllner recht bei ! Hörst Du ? “ So trollte der bidere und doch so zartfühlende alte Herr zur Tür hinaus . Hilsborn besann sich ein Weilchen , dann schaute er vorsichtig in das Krankenzimmer und winkte Gretchen . Diese kam gehorsam herbei . „ Nur einen Augenblick ! “ bat er und zog sie sanft mit sich . „ Sie müssen es mir zu Liebe tun und einige Schritte in die Luft gehen . Das ist unbedingt nötig für Sie . Die Anderen und Sie selbst denken nur an Ernestine , ich bin hier , um für Sie zu denken , und zu sorgen , daß Sie sich nicht unnütz übernehmen . Kommen Sie , ich führe Sie ein paarmal durch den Garten . “ „ Wie Sie befehlen , “ sagte Gretchen demütig . „ Nicht wie ich befehle , Gretchen ! So müssen Sie nicht sprechen , das klingt nicht hübsch . “ Er hüllte sie in ihr Mäntelchen und gab ihr den Arm . Sie stiegen miteinander die Treppe hinab und traten ins Freie . „ Ach , “ sagte Gretchen , „ der Garten erinnert mich recht an den unsern in der Pension . “ „ Waren Sie gerne dort ? “ fragte