zugunsten der letzteren Version entschieden wurde . Das Fundament selbst aber , alsbald ans Licht geschafft , erfuhr eine doppelte Verwendung . Die eine Hälfte ward als Mauerbruchstück aufgerichtet und erhielt eine Tafel mit der Geschichte der Auffindung des Freyatempels , während die andere Hälfte , ebenfalls nach Sitte der Zeit , als künstlicher » Ruinenturm « in eine neue Phase des Daseins trat . Inschrift : » Wie schön ist Gottes Erde . « Unser nächster Besuch gilt dem Ziegenberg , früher » Zickenberg « , der sich jedoch an seiner einfachen Erhebung ins Hochdeutsche nicht genügen ließ und in einen » Monte Caprino « verwandelt wurde . Von seiner Höhe blickt man ebenfalls in die Bruchlandschaft hin ein , aber die Stadt im Vordergrunde fehlt . Dies mag uns Veranlassung geben , die sich um Freienwalde herumgruppierenden Bergpartien auf ihre Formation hin ein wenig näher anzusehen . Ihre Eigentümlichkeit besteht nämlich darin , daß sie , wiewohl frei und offen daliegend , doch zugleich einen sehr exklusiven Charakter haben und untereinander wenigstens landschaftlich , in gar keiner oder sehr geringer Verbindung stehen . Wir beschreiben diese hufeisenförmigen Täler vielleicht am besten , wenn wir sie als ebenso viele Amphitheater bezeichnen . Da alle diese Amphitheater am Bruche entlang liegen und nach vorn hin geöffnet sind , so ist der Blick auf das Bruch das allen gemeinsame ; alles das aber , was sie von rechts und links her mit ihren Flanken umspannen , ist ihre jedesmalige Spezialität , und kann nur von den verschiedenen Plätzen des eignen , nicht aber von den Plätzen des angrenzenden Amphitheaters aus gesehen werden . Wenn wir den Ruinenberg die » älteste Firma « nannten , so ist der Monte Caprino die jüngste . Professor Valentini , manchem unsrer Leser aus alten Berliner Tagen her bekannt , hat dem Städtchen , in das er sich zurückzog , diesen Berg erobert und die höchste Kuppe desselben in die Liste der Freienwalder Schönheiten eingereiht . Wofür ihm zu danken . Ob wir ihm auch für das Häuschen zu danken haben , das unter dem Namen » Valentinis Ruh « sich an höchster Stelle des Berges erhebt und mit blau und roten Gläsern ausstaffiert , den Besucher auffordert , die Wiesenlandschaft abwechslungshalber auch mal blau und rot auf sich wirken zu lassen , ist ungewiß . Als desto gewisser aber wird es gelten können , daß die doppelspaltige , fünf Fuß hohe Inschrift des Häuschens auf den Professor allerpersönlichst zurückgeführt werden muß . Wer hier gestanden und diesen Versen gegenüber nach Verständnis gerungen , denkt mit Wehmut an den Ruinenberg und den kurzgefaßten Höltyschen Nachklang zurück . Wenige freilich werden angesichts dieser lachenden Landschaft Lust bezeugen , unsern alten Professor auf die Monte Caprinohöhe seines mißverstandenen Pantheismus zu begleiten , wenige werden ihn lesen , und sie tun recht daran . Aber eine Aufgabe , deren sich der freie Wandersmann entschlagen kann , wird zur unabweislichen Pflicht für den ex officio Reisenden , der lesen muß und der in nachstehendem aphoristisch enthüllt , was er an Ort und Stelle gewissenhaft verzeichnet hat . Das Ganze ist ein ins Religiöse hinüberklingender Naturhymnus , in dem Logik und Grammatik , wie der Lahme und Blinde , einen wunderlichen Wettlauf anstellen . » Gott ist die Seele seiner Schöpfung , in der Er sich gleichsam wie in ein herrliches Gewand hüllt . « Dieser Dativ überrascht . Aber Valentini bringt alles wieder ins Gleichgewicht . » Wie ein freundlicher Talisman erhält uns die Religion über die Wellen im Schiffbruch des Lebens . « So vollzieht er in seinem eignen Hymnus einen Akt der Gerechtigkeit und zahlt schließlich dem Akkusativ die Schuld zurück , die er anfangs bei ihm eingegangen . Denken wir milde darüber , hat er doch selber seitdem die letzte Schuld gezahlt . Auf » Valentinis Ruh « rasten jetzt andere ; er selber aber ist , am Fuße des Hügels , längst eingegangen zu dauernder Ruh . 2. Falkenberg 2. Falkenberg Da liegt zu Füßen ein schimmernd Bild , An die Berge geschmiegt das weite Gefild , Falter fliegen im Sonnenstrahl . Paul Heyse Etwa wie sich Heringsdorf zu Swinemünde verhält , so verhält sich Falkenberg zu Freienwalde . Ein Dorf , das durch seine schöne Lage , vielleicht auch durch den schlichten Zauber des Ländlichen bevorzugt , dem eigentlichen Badeorte gefährlich zu werden droht . So dort wie hier . Und wie sich zwischen Heringsdorf und Swinemünde ein tannenbekränzter Dünenrücken zieht , der von seinen höchsten Punkten einen prächtigen Blick in die grünliche See hinaus gestattet , so ziehen sich zwischen Freienwalde und Falkenberg die steilen , tannen- und laubholzbesetzten Abhänge des Barnim-Plateaus , dessen Kuppen meilenweit in das grüne Bruchland herniedersehen . Der Weg von Freienwalde nach Falkenberg ist begreiflicherweise derselbe , wie von Falkenberg nach Freienwalde ; wir fahren also , am Fuße des Plateaus hin , denselben malerischen Weg zurück , auf dem wir im vorigen Kapitel Freienwalde entgegenfuhren . Die Pflaumenbäume sind noch dieselben wie am Tage vorher , aber nicht nur die Kinder fehlen , deren Übermut wir etwas zugute halten durften , auch der Baldachin fehlt , dessen ausgezackte Wachsleinwand gestern die Pflaumen von den Bäumen harkte . Ohne Erlebnis , ohne Lärm und Jubel , nur dem stillen Eindruck der Landschaft und der Herbstesfrische hingegeben , beenden wir unsern Weg und biegen jetzt , mit plötzlicher Schwenkung nach links , in die Falkenberger Dorfstraße ein . Bis dahin am Rande der Berge fahrend , sind wir mit Hilfe dieser Biegung nicht nur in das Dorf , sondern auch in die Berge selbst geraten . Die steile Wand , die eben noch frei ins Bruch blickte , blickt jetzt auf eine Hügelwand gegenüber ; das Bild hat seinen Charakter geändert und unser Weg ist ein Hohlweg , eine Schlucht geworden . In dieser Schlucht liegt Falkenberg . Die einschließenden Berge gewähren die schönste und wechselndste Aussicht ; der Abhang rechts blickt in das Bruch , die Wände und Kuppen