Bohnenmehl ist , aber mit der nämlichen rätselhaften Vermischung von Arbeit und Täuschung , innerer Hohlheit und äußerm Erfolg , Unsinn und weisem Betriebe , bis der Herbstwind der Zeit alles hinwegfegt und auf dem Blachfelde nichts übrigläßt als hier einen Vermögensrest , dort ein verfallendes Haus , dessen Erben nicht mehr zu sagen wissen , wie es vordem entstanden , oder es nicht zu sagen lieben . Will ich nun , grübelte ich weiter , ein Beispiel wirkungsreicher Arbeit , die zugleich ein wahres und vernünftiges Leben ist , betrachten , so ist es das Leben und Wirken Friedrich Schillers . Dieser , aus dem Kreise hinausfliehend , zu welchem Familie und Landherr ihn bestimmt , alles im Stiche lassend , was ihn nach ihrem Willen beglücken sollte , stellte sich in früher Jugend auf eigene Faust , nur das tuend , was er nicht lassen konnte , und schaffte sich sogar durch eine Ausschweifung , eine überschwengliche und wilde Räubergeschichte , Luft und Licht ; aber sobald er dies gewonnen , veredelte er sich unablässig von innen heraus , und sein Leben wurde nichts anderes als die Erfüllung seines innersten Wesens , die folgerechte kristallinische Arbeit des Idealen , das in ihm und seiner Zeit lag . Und dieses einfach fleißige Dasein verschaffte ihm endlich alles , was seinem persönlichen Wesen genügte . Denn da er , mit Respekt zu melden , ein gelehrter Stubensitzer war , so lag es eben nicht in ihm , ein reicher und glänzender Weltmann zu sein . Eine kleine Abweichung in seinem leiblichen und geistigen Wesen , die eben nicht Schillerisch war , und er wäre es auch geworden . Aber nach seinem Tode erst , kann man sagen , begann sein ehrliches , klares und wahres Arbeitsleben seine Wirkung und seine Erwerbsfähigkeit zu äußern , und wenn man ganz absieht von der geistigen Erbschaft , die er hinterlassen , so muß man erstaunen über die materielle Bewegung , über den bloß leiblichen Nutzen , den er durch das treue Hervorkehren seiner Ideale hinterließ . So weit die deutsche Sprache reicht , sind in den Städten nicht viele Häuser , in welchen seine Werke nicht stehen , und auf den Dörfern sind sie wenigstens in einem oder zwei Häusern zu finden . Je weiter aber die Bildung der Nation sich verbreitet , desto größer wird diese Vervielfältigung werden und zuletzt in die niederste Hütte dringen . Hundert Gewinnhungrige lauern nur auf das Erlöschen des Privilegiums , um die edle Lebensarbeit Schillers so massenhaft und wohlfeil zu verbreiten wie die Bibel , und der umfangreiche Nutzverkehr , der während der ersten Hälfte eines Jahrhunderts stattgefunden , wird während der zweiten Hälfte um das Doppelte wachsen . Welch eine Menge von Papiermachern , Druckersleuten , Verkäufern , Angestellten , Laufburschen , Lederhändlern , Buchbindern verdienten und werden ihr Brot noch verdienen . Dies ist , im Gegensatze zu der Revalenta arabica manches Treibens , auch eine Bewegung und doch nur die rohe Schale eines süßen Kernes , eines unvergänglichen nationalen Gutes . Das war ein einheitliches organisches Dasein ; Leben und Denken , Arbeit und Geist dieselbe Bewegung . Aber es gibt doch auch ein getrenntes , gewissermaßen unorganisches Leben von gleicher Ehrlichkeit und Friedensfülle : das ist , wenn einer täglich ein bescheidenes dunkles Werk verrichtet , um die stille Sicherheit für ein freies Denken zu gewinnen , Spinoza , der optische Gläser schleift . Aber schon bei Rousseau , der Noten schreibt , verzerrt sich das gleiche Verhältnis ins Widerwärtige , da er weder Frieden noch Stille darin sucht , vielmehr sich wie die anderen quält , er mag sein , wo er will . Was ist nun zu tun ? Wo liegt das Gesetz der Arbeit und die Erwerbsehre , und wo decken sie sich ? Dergestalt spintisierte ich über etwas , worin ich zunächst gar keine Wahl hatte ; denn die Not und der Ernst des Lebens standen zum ersten Mal wirklich vor der Türe . Das fiel mir auch endlich ein ; ich gedachte auch jener Spinne , die ihr zerstörtes Netz von neuem herstellte , und sagte mir , indem ich mich erhob Es hilft nichts , ich muß wieder anfangen ! Ich sah mich unter meinen Habseligkeiten um und suchte nach Gegenständen , welche zu einer zierlich bunten Behandlung in anspruchslosen kleinen Schildereien geeignet schienen . Nichts Minderes führte ich plötzlich im Sinne , als eine derartige Praktik aufzutun , welche sich , wie ich wähnte , jederzeit beiseite legen ließ . Es handelte sich nicht um jene höhere Schönmalerei , wie sie der Motive stibitzende Meister handhabte , ich aber nicht bewältigen konnte , sondern um ein Herabsteigen auf eine tiefere Stufe , wo der Glanz der gemalten Teebretter und Dosendeckel beginnt . Freilich nicht ganz so tief wollte ich gehen ; ich dachte immerhin einen gewissen Wert zu verarbeiten , dabei aber auf die Urkunde und den rohern Geschmack des untern Marktes Rücksicht zu nehmen mit allerhand billigen Effekten . Aber so eifrig , ja ängstlich ich auch in meinen Mappen suchte , so dünkte mich doch alles , was ich in die Hand bekam , jedes Studienblatt , jeder kleine Entwurf zu gut dafür , es war zu schade darum . Wollte ich meine früheren Arbeitsfreuden nicht gewaltsam selbst verderben , so mußte ich noch tiefer gehen und eigene Erfindungen machen , an denen nichts verlorenging . Indem ich dieses genauer bedachte , trat mein Vorhaben in ein sehr ungünstiges Licht ; ich ließ mutlos das Blatt sinken , das ich eben hielt , und setzte mich wieder auf den Reisekoffer . Das sollte also das Ende so langer Lehrjahre und die Erfüllung so großer Hoffnungen und zuverlässiger Worte sein ! Der Selbstausschluß vom Gebiete gebildeter Kunst und ein unrühmliches Verschwinden in der Dunkelheit , wo arme Teufel mit Nichtswürdigkeiten das Leben fristen ! Ich bedachte nicht einmal , daß ich ja mit einer ernsthaften Arbeit auftreten gewollt , ein diebischer Routinier mich aber