dies Bild verscheuchte dann alle jene Schrecken für einen Augenblick ; aber sie kehrten wieder und peinigten ihn auf das ärgste . Und als er sie endlich gewaltsam unterdrückte , sagte er sich Und was wäre es denn , wenn mir dieser Teufel zuvorkäme und das täte , was ich schon längst hätte wagen sollen ? Wer wäre zu tadeln als ich selbst ? Soll mir die liebe Schöne sich selbst auf einem Teller präsentieren ? Hole der Henker das Geld ! Ich glaube , ich wäre nicht halb so blöde , wenn sie nicht so reich wäre ! Aber was tut das zur Sache ? Sie ist ein Weib , ich ein Mann , Himmel ! sie wird mir den Kopf nicht abbeißen ! Als ob seine Seligkeit auf dem Spiele stände , durchmaß er alle Zimmer , und als er sie nirgends fand , riß er voll Furcht und Zorn die letzte Tür auf , die ihm noch übrigblieb , trat hastig in das schwach erleuchtete Stübchen und fand Rosalien auf dem Sofa sitzend . Sie hielt sich ganz still und sah ihn an , und Erikson stand plötzlich ratlos da . Nachdem er eine Weile gestanden , indessen sich die Schöne nicht gerührt , gewann er über ihrem Anblicke seine Bewegung wieder , stärker als vorhin , aber nun rein und gleichmäßig , eine schöne , mächtige Wallung . Er tat einen Schritt auf sie zu , ergriff ihren Arm so fest , daß es sie schmerzte , und gab nun seinen Gefühlen und Meinungen Worte , so gut er sie zu finden vermochte . Rosalie beklagte sich nicht über den Druck seiner starken Hand , es schien sogar , als ob ihr der kleine Schmerz das größte Vergnügen gewähre . Sie hörte ihn mit schwer verhaltenem Lächeln an , und eine Viertelstunde nachher sah man ihn feierlich und zufrieden durch die Räume kommen , mit glänzenden Augen einige Verwandte Rosaliens zusammenzusuchen und zu ihr zu berufen , und abermals eine Viertelstunde nachher erschienen diese wieder und ordneten in dem Saale eine Abendtafel für die gesetztere Hälfte der Gesellschaft und besonders für sämtliche Verwandte und Freunde Rosaliens , deren noch manche schnell geholt wurden ; und als alles dies zustande gekommen , indessen auch die Lichter angesteckt wurden , verkündete ein ehrwürdiger Oheim die unverhoffte Verlobung , und das glückliche Paar nahm die überraschten Glückwünsche von allen Seiten frohlauschend auf . Alle , die in gewöhnlicher Kleidung anwesend waren , führten unter sich alsbald eine gelinde Kritik über die seltsame Verlobung und die künstlerischen Neigungen der reichen Witwe , die so rasch nacheinander zutage träten ; doch wenn sie , besonders die Schönen , auf Erikson blickten , so blieben ihre Worte nur noch tönende , während das Auge gestehen mußte , daß die feine Rosalie wohl zu wählen gewußt habe . Die Künstler aber freuten sich unbändig über diese neue glückliche Wendung zu Ehren ihres Standes und machten Erikson glückwünschend zu ihrem Helden , nicht ahnend , welcher Abfall von Pinsel und Palette mit dieser Verlobung sich vollende . Denn Erikson hat in der Tat nie wieder gemalt , obgleich er den Künstlern zugetan blieb und mit vieler Behaglichkeit sich später eine Bildersammlung anlegte . Nur Ferdinand ertrug diesen Vorfall nicht ; er verlor sich in der größten Uneinigkeit mit sich selbst aus dem Hause und stürmte in den Buchenwald hinaus , in welchem viele einzelne Masken umherirrten und lärmten . Viele kamen auch von den Forsthäusern auf die Kunde von den artigen Begebenheiten in das Landhaus der Witwe oder nunmehrigen Braut und wurden da bewirtet . Erikson rührte sich sogleich lustig als künftiger Herr des Hauses und schaffte mit ausgiebiger Bewegung Raum und Stoff in die Verwirrung , die rauschend hereingebrochen war . Dann aber geleitete er Rosalien , die sich zurückziehen wollte , als sie alles im besten Gange und durch treue Freunde und Diener überwacht sah , nach der Stadt . Sie erbebte in der Dunkelheit vor Vergnügen , als er sie in den Wagen hob und als der leichte Kasten heftig schaukelte , da der hünenmäßige Erikson einstieg . Während sich dies alles begeben , hauste in dem Gewächshause ein kleines Trüppchen Leute , abgelegen und vergessen von der großen Gesellschaft , und führte zwischen den Myrten- und Orangenbäumen ein wunderlich verborgenes Leben . Da saß an einem Tischchen der fabelhafte Bergkönig , welcher mit seiner Krone und seinem weißen Barte aussah , als wäre er eben aus den Fluten des Rheines , aus der Nibelungenzeit heraufgestiegen , und sang , indem er das lange Kelchglas schwenkte , die lustigsten Lieder ; neben ihm zechte ein Winzer aus dem Bacchuszuge , ein wirklicher Rheinländer , welcher eine Anzahl Champagnerflaschen erhascht und unter den Myrten verborgen hatte . Es war ein untersetzter Mann von dreißig Jahren mit einem braunen Krauskopfe und kindlich lachenden Augen , welche bald mit frommem Ausdrucke in die Welt schauten , bald in schlauer Lustigkeit funkelten . Seine Hände verkündeten einen fleißigen Metallarbeiter und der weichgeschnittene Mund einen andächtigen Trinker , indessen doch die Mundwinkel einen sinnenden festen Zug hatten vom häufigen Verschließen und Verziehen des Mundes über der beharrlichen plastischen Arbeit . Man nannte ihn den kleinen Gottesmacher , weil er nicht nur alle für den katholischen Kultus notwendigen Silbergefäße , sondern auch sehr wohlgearbeitete Christusbilder in Elfenbein verfertigte . Nebenbei war er ein trefflicher Musikus , der mehrere Instrumente spielte und ein Kenner der alten Kirchenmusik sowohl als einer Menge melancholischer Volkslieder war . Diese sang er jetzt abwechselnd mit dem Bergkönig und dem grünen Heinrich , welcher mit Agnes den kleinen Kreis vervollständigte . Das verzweifelte Mädchen hatte sich hierher zurückgezogen , weil sie nicht unter den anderen Frauensleuten sein mochte , die alle glücklich waren und sich ihres Lebens freuten . Sie saß nun wieder stumm und still und lauschte auf die Worte Heinrichs , welcher ihr fortwährend Hoffnung machte und zuflüsterte , sie solle nur Geduld haben ; wenn erst diese tolle Zeit vorüber