zur letzten Prüfung vorgelegt werden kann . Wir wollen , indem wir diese ernste und heilige Pflicht auszuüben uns berufen finden , uns alle ermahnen , unsere Seele von dem Vorurtheile frei zu erhalten , welches gehäufte Wahrscheinlichkeiten gegen den Angeklagten erzeugen könnten , damit wir geneigt bleiben , die mögliche Rechtfertigung mit eben der Treue und Sorgfalt zu verfolgen , als wir gefaßt sein müssen , die Vergehung zu finden und zu bestrafen . « Jetzt erfolgte eine ruhige und klare Erzählung der Thatsache , in wie weit sie den Richtern vertraut sein konnte . Wir übergehen sie um so eher , da wir nicht gesonnen sind , unsere Mittheilungen in den geschlossenen Formen einer gerichtlichen Verhandlung zu machen . Indem wir auf die Erinnerungen des selbst mit Durchlebten den Leser verweisen , werden wir die daraus entstehenden Ansichten nur in der Weise mittheilen , wie sie zur vollständigen Theilnahme des Folgenden verhelfen wird . Unbezweifelt lag in den wohlgesammelten und geordneten Anschuldigungen eine auffallende Wahrscheinlichkeit für den bezeichneten Thäter ; selbst der Unbefangenste , Wohlwollendste konnte dies nicht in Abrede stellen . Der Kammerdiener des Marquis erzählte das erlauschte Gespräch , in welchem Reginald durch die dringendsten Bitten den jungen Grafen zu der Reise nach Ste . Roche bewogen hatte . Der hier sich anknüpfende Verdacht ward besonders dadurch gestützt , daß Reginald die Geheimhaltung dieses Schrittes verlangt und die Furcht ausgesprochen hatte , daß man sie sonst daran verhindern werde . Die Reise selbst sei nun mit einem Ungestüme und einer Uebereilung vorgeschritten , die selbst die ungern nur zeugenden Domestiken der beiden jungen Leute nicht läugnen konnten ; ja , die , nach ihren Aussagen , hauptsächlich dem Angeklagten zur Last fiel . Dieser Verdachtgrund ward durch den Prior des Klosters Tabor , wie durch dessen Mönche verstärkt . Durch ihn erfuhr man Reginald ' s Anwesenheit im Kloster , am Tage vorher ; durch ihn die lange , von Seiten Reginald ' s , mit heftigen Ausbrüchen endende Unterredung mit der alten Bewohnerin des Schlosses Ste . Roche , welche der Prior , als das Haus Crecy aus unbekannten Gründen bitter hassend , bezeichnete . Weiter ward der Ungestüm erzählt , mit dem Reginald bei dem heftigsten Gewitter und dem nahenden Abende , dennoch die Fortsetzung der Reise betrieben hatte ; und selbst der Wegweiser mußte diese Anschuldigungen fortsetzen , da er seine Abmahnungen erwähnte , und wie der Angeklagte dessen ungeachtet den anderen jungen Herrn sich nachgezogen hatte , um das Schloß zu erreichen . Vor Allem freilich erhielt nun die Aussage des Marquis de Souvré , deren Inhalt uns hinlänglich bekannt ist , die Wichtigkeit , alle bereits vorhandenen Verdachtgründe in einen Zusammenhang zu bringen , der dem Angeschuldigten fast keine Ausflucht gestattete und ein Eingeständniß erwarten ließ , daß in den Thatsachen schon klar enthalten schien . Als alle Einzelheiten verhandelt waren , kam der , von allen Anwesenden mit Spannung und den verschiedensten Empfindungen erwartete Moment , der den Angeklagten zu seiner Vertheidigung oder seinem Eingeständnisse aufforderte . Mit Ruhe und Sammlung hatte der junge Mann , ohne durch Worte oder Bewegung eine Unterbrechung auch nur anzudeuten , dieser langen und schrecklichen Vorbereitung beigewohnt . Was in ihm vorging , blieb auch den ihn näher kennenden Freunden unergründlich . Der Schmerz , der mit dem verrätherischen Wechsel der Farbe sein Gepräge so verständlich in seinen Zügen ausgedrückt hatte , war doch entfernt von Verzweiflung oder Gewissensangst . Herr von Mauville , der erfahrene Rath eines so würdigen Gerichtes , als der Kriminal-Hof von Paris , hätte doch , trotz aller Beweisgründe , die er sich bemühen mußte darzulegen , schwören mögen : der Jüngling sei der absichtliche Thäter nicht . Und da er fand , daß die Züge des Angeklagten weder Schrecken , noch Unruhe zeigten , fürchtete er , der Jüngling übersehe die Größe der Gefahr und werde dadurch vielleicht weniger sorgsam sein , zu seiner Vertheidigung die ihn noch möglicherweise entschuldigenden Umstände zu sammeln . Er erhob sich demnach und leitete seine Aufforderung zur Vertheidigung an den Jüngling auf eine Weise ein , die seine Achtsamkeit wecken sollte . » Obwol sich aus den eben beendigten Angaben der vorhandenen Zeugen eine traurige Wahrscheinlichkeit entwickelt hat , die das Attentat mit Ihnen , mein Herr , in einen kaum zu trennenden Zusammenhang bringt , muß ich Sie doch darauf aufmerksam machen , wie viel hierbei dennoch im Dunkeln bleibt , was in demselben Maaße die Wahrscheinlichkeit zu widerlegen scheint und Widersprüche erzeugt , die wir geneigt sein werden , zu Ihren Gunsten erklärt zu sehen . Sie werden , indem wir Sie auffordern , Ihre Erklärungen abzugeben , die Wichtigkeit derselben nicht übersehen und sich mit Besonnenheit sammeln ; da , trotz Ihrer Jugend , die Ueberweisung eines solchen Verbrechens nur mit dem Tode bestraft werden dürfte . So sehr ich nun bemüht war , den vorhandenen Akten meine Aufmerksamkeit zu widmen , ist es mir doch nicht gelungen , eine Hauptsache heraus zu finden : nämlich die Veranlassung - die Nothwendigkeit einer solchen Handlung . Ihr Verhältniß zum Grafen Ludwig war von Jugend auf das der zärtlichsten Freundschaft ; Ihre Diener beschwören , daß Ihre gemeinschaftlichen Reisen die innigste Einigkeit verschönte . Sie waren überall die Stütze des schwächeren Grafen . - Dies Verhältniß hat sich bis in die Mauern von Ste . Roche erstreckt ; auch hier verschafften Sie dem Freunde erst Ruhe und Bequemlichkeit ; und das Pistol , was man nachher in Ihrer Hand fand , hatten Sie nach Aussage der Diener ergriffen , den schlafenden Freund zu bewachen . Außerdem waren Ihre bürgerlichen Verhältnisse außer aller Berührung mit denen des Grafen Ludwig ; Sie besaßen ein unabhängiges Vermögen und konnten durch den Tod des Grafen keinen Vortheil erreichen , da Sie in keinem verwandtschaftlichen Grade mit einander standen . Wo also - da Liebe und Eintracht bis zum letzten Augenblicke erwiesen sind , wo bleibt die Veranlassung zu einem so fürchterlichen Verbrechen , da in