verschlossenen Lippen nicht öffnen ; nur zusammenschaudern sah man sie oft und Margarith versuchte , den fast starren Körper auf das elende Lager zu legen und ihn mit Allem zu bedecken , was in dem elenden Zimmer sich vorfand . Doch hiermit sah sie auch ihre Hilfsmittel erschöpft , denn wie sie ihr weiteren Beistand verschaffen oder einen der Schloßbewohner zur Hilfe bewegen sollte , da ihr Vater nicht mehr lebte , der Einzige , der es gewagt , die strengen Befehle der Schloßfrau hinsichtlich der Unglücklichen zu umgehen , sah sie nicht ein und schien ihr ein hoffnungsloser Versuch . Dabei kam es ihr vor , als fürchte die Kranke ihre Entfernung , als erkenne sie den Schutz ihrer Nähe , denn so starr die Züge waren , drückten sie doch Angst aus , wenn Margarith nach der Thür ging . Schon brach der Morgen an und sendete ein fahles trostloses Licht auf diese Verlassenen , und noch saß Margarith in Plänen zu Maria ' s Rettung vertieft , und verwarf , was sie beschlossen , und beschloß , was sie aufs Neue verwerfen mußte . Dabei blieben die Augen der Kranken starr und trübe , aber weit offen ; der Schauder durchrüttelte , wie es schien , höchst schmerzhaft zuweilen ihren kalten , gelähmten Körper , und längst hatte Margarith aufgehört zu fragen , denn angstvoll aber vergeblich war die Anstrengung , zu antworten . Endlich in immer steigender Angst kniete sie dicht an ihrem Kopfkissen nieder und rief : Ihr braucht nicht zu antworten , liebe Lady , ich werde Euch nur sagen , was ich thun will ; denn so könnt Ihr nicht länger liegen bleiben ; ich will ins Schloß gehn , Eure Thüre unterdessen verschließen und Euch herbeischaffen , was Gott mich vielleicht finden läßt . Auch hier blieb die Antwort aus , aber der Ausdruck von Angst und Betrübniß kehrte stärker zurück , als vorher , und hätte beinahe Margarith zurückgehalten , hätte sie sich nicht schnell entschlossen , davon zu laufen . Ihre Sorge war nur , wie sie die Thür , die ohne Schloß war und nur von Innen einen Riegel hatte , verwahren sollte . Sie schleppte einiges Gerümpel , was den früher erwähnten Eingang verbarg , zusammen . Sie hatte dadurch wenigstens den ersten Versuch verhindert , einzudringen , und durfte um so mehr auf einige freie Zeit hoffen , da Lady Sommerset den auf solche Nachtzustände folgenden Tag über gewöhnlich in ihrem Bette blieb . So eilte sie nun flüchtigen Fußes zurück in den bewohnten Theil des Schlosses und hatte in ihrem frommen Eifer , zu helfen , so ganz vergessen , was sie selbst betroffen hatte , daß sie fast vor Entsetzen zurücktaumelte , als sie in das schwarz behangene Zimmer trat , dessen ganze frühere Einrichtung verschwunden war , nur das leere hölzerne Gestell zeigte noch den Ort , von wo , am Abend vorher , der Sarg des Vaters zu seiner Bestattung abgehoben wurde . Gott sei mir gnädig ! rief sie und wäre fast zurückgewichen , aber ein unschuldiges junges Gemüth rechnet sich die Furcht vor einem verehrten Verstorbenen immer als ein Unrecht an , auch war mit der gänzlichen Verlassenheit ihrer Lage und den Ansprüchen , die eben jetzt an ihre Entschlossenheit gemacht wurden , der zarte Uebergangspunkt zu einer höhern Periode des jugendlichen Daseins eingetreten , wo die erste Anforderung an eigne Wahl und eigne Entscheidung jenes Gefühl von Selbstständigkeit hervorruft , das die Seele süß und weh mit der Ahnung eines nun eingetretenen höhern Lebens durchschauert . Ach , mein Vater ! rief sie , kindlich die Hände faltend und an dem leeren Gerüste niedersinkend , als trüge es noch den geliebten Todten , lenke Du meine Schritte , führe Du die Rettung herbei , die uns Noth thut , Du , der Du Alles segnen wirst , was ich für die Arme thue . Muthig und gestärkt erhob sie sich , und durchmaß furchtlos das kleine Gemach , das der Morgen schon mit einzelnen Sonnenstrahlen erhellte . Sie selbst löste die schwarzen Vorhänge an der Hinterwand und öffnete das dahinter verborgene Schränkchen . Da hörte sie das Anschlagen der Hunde an der äußeren Mauer ; die Eingangsglocke läutete , und sie überlegte nun , daß die Thätigkeit im Schlosse erwacht und ihr Rückzug nicht ohne Gefahr sei . Sie horchte , und die kleine Pforte drehte sich , ein lautes Hundegebell gesellte sich innerhalb zu dem frühern von Außen . Ach , nie konnte sie dies Gebell hören , das ihr fast so lieb war , wie bekannte Menschenstimmen , ohne der süßen Zeit zu gedenken , wo mit dem Wildmeister , dessen muntere Rüden es anschlugen , Lanci einzuziehn pflegte und bei der Ablieferung des Wildes die Gelegenheit wohl zu benutzen wußte , ihr einen zärtlichen Gruß zuzuflüstern . Seufzend dachte sie seiner weiten Entfernung , und Thränen traten in ihre Augen über so viel Mißgeschick . Doch , sich zusammenraffend , nahm sie ein Säckchen mit Kräutern , welche , gekocht , der Vater oft bei plötzlichen Erkrankungen für sich und Andere angewendet hatte ; sodann auch noch eine große , warme Decke von bunter Seide mit den Abbildungen von Adam und Eva , ein Prachtstück aus dem Nachlaß ihrer Mutter , womit sie nun die arme erstarrte Lady zu erwärmen beschloß . Ferner legte sie in einen kleinen Tragkorb den Torf , der am Kamin unverbraucht lag , steckte ein Töpfchen dazu , um die Kräuter zu kochen , nahm das Feuerzeug des Vaters und wollte eben den Rückweg antreten , da sie aus dem lauten Gespräche im Hofe schließen konnte , daß der Weg im Schlosse noch frei sei : als ihr Auge durch das uns bekannte Fenster blickte und theilnehmend an der großen Gestalt des guten Wildmeisters hängen blieb , der ihr Pathe war , Lanci geliebt und das Liebesspiel der unschuldigen Kinder nie gestört hatte . Er stand mit dem Gesichte nach dem Fenster