der edle Herr noch völlig allein . Als er den Schöffen hereinkommen sah , blieb er stutzig in der Mitte des Zimmers stehen , und nahm eine drohende Haltung an , da er um des ganzen Wesens des Alten willen auf einen stürmischen Angriff rechnen konnte . Diether rechtfertigte diese Vermuthung , und fing mit übelverhaltnem Groll an : » Mir ist ' s lieb , daß ich Euch allein treffe , Schultheiß , - oder auch nicht lieb , denn ich hätte Euch auch gerne vor Zeugen gesagt , was ich nicht auf dem Herzen behalten kann . Ihr seyd ein frecher unritterlicher Mann , der viel zu kurz kommen möchte , würde ihm Rechenschaft von seinem Handeln abgefordert . « - » Herr ! ... « entgegnete der Schultheiß empört ; der Schöffe ließ ihn jedoch nicht vollenden , sondern fuhr fort : » Es ist ein Unglück , das öffentliche Wohl in den Händen eines Mannes zu wissen , der ; im Innersten verderbt , seinen Leidenschaften jeden Zügel schießen läßt , das Beispiel der Unsittlichkeit gibt , und in jedem Dirnengesicht einen Stachel für seine Wollust findet . « - » Seyd ihr toll geworden , Schöff ? « fragte der Schultheiß trotzig : » oder plagt Euch der Teufel der Eifersucht abermals ? « - » Keine Ausflüchte ! « fuhr Diether heftig fort : » Was soll die Geschichte vergangener Nacht bedeuten ? Warum habt Ihr mein Eigenthum , den Schellenhof , verletzt durch unziemlichen und verbotnen Angriff ? Warum habt Ihr Leute , die ich dorthin gesetzt , gefangen wegführen lassen ? Ist ein ehrlicher Mann nicht mehr hinter seiner Gränze und Feldmark sicher ? Oder ist mein Haus ein Sammelplatz , eine Herberge lüderlichen Gesindels ? Ich verlange , daß Ihr Abbitte leistet , und die unschuldig Gefangenen losgebt . « - » Ihr redet irre , guter Mann , « erwiederte spöttisch und kalt der Ritter : » Von dem Auftritte verwichner Nacht weiß ich wohl , doch ging er nicht auf mein Geheiß vor sich . Was hätte ich auch auf Euerm Schellenhof zu suchen ? Der Oberstrichter jedoch hatte Fug und Recht , Kraft seines Amtes , den Versuch zu machen , ein gefährliches Weib , dem man lange schon auf der Spur gewesen , aus dem Nest zu heben , das ihm sicherlich Euer Sohn auf Euerm Eigenthum bereitet . Man hat statt dieser Dirne , die wohl , früher gewarnt , die Flucht nahm , eine Andre ergriffen , die Euch ziemlich nahe angehen mag , und die , sammt ihrem Kinde , wenn sie das übliche Verhör ausgehalten , Euch wieder zurückgegeben werden wird . Das ist der Zusammenhang der Sache , und ich finde es frech von Euch , Schöff , daß Ihr Euch herausnehmt , mich bei jedem Anlaß zu verunglimpfen . Für meine Würde ziemt sich indessen Vergebung besser , denn Rache , und ich behalte mir vor , einmal später mit Euch die ganze Rechnung abzuthun auf einmal . « » Ihr seyd eine glatte Schlange ; « entgegnete der gereizte Diether : » Der Oberstrichter schiebt die Schuld auf Euch , und Ihr wälzt alle Verantwortlichkeit auf den Richter . « - » Hagel , Blitz und Strahl ! « fuhr der Schultheiß auf : » Wahnwitziger Mann ! treibt mich nicht aufs Äußerste . Eurer groben Tücke bin ich schon längst herzlich müde . Solch Verfahren steht Eurem Greisenalter wenig an , schier so wenig als es sich für Euch schickt , eine fahrende Tochter sammt ihrem Bankert auf Euerm Hofe zu halten . Ihr gebt das Beispiel der Unsitte und schlechten Zucht , und es ist gar kein Wunder , daß Sohn und Frau nicht aus der Art schlagen . Schämt Euch und schreibt es Euch selbst zu , wenn die Gerichte Euch auf dem Halse liegen . Es gehen unerbauliche Dinge in Euerm Hause vor , und Ihr selbst habt Rath und Bürgerschaft in Eure mißliche Händel gezogen . Auf allen Gassen spricht man von der Historie Eurer Ehewirthschaft : Auf allen Straßen laufen Spärer umher , nach Eurer Tochter zu forschen , die , - wer weiß , in welchem Waldneste , mit einem Buschklepper Buhlerei treibt , mit dem sie willig entlaufen ? Euer Argwohn hat ja nicht geruht , bis ich dem Stadthauptmann erlaubte , gestern einen Troß seiner laufenden Gesellen nach dem Sprünglin zu senden . Wie ich vernommen , hat sich die kaiserlich freie und heimliche Acht nicht minder in die Unthaten Eures Sohns gemischt . Donner und Teufel ! was soll nach solcher Menge von Ärgerniß , die Euer Haus gegeben , die stolze verletzende Rede , welche Euer Mund so freigiebig führt ? Ich weiß sehr gut , daß Ihr wünscht , jetzo ein Basilisk zu seyn , um mich mit einem Blicke zu erstechen , weil Ihr noch immer so thöricht seyd , zu glauben , ich hätte Euerm Weibe nachgestellt . Allein ich lache Eures possierlichen Grimms , und wenn Ihr ' s noch ärger macht . « - Diether stand wort- und bewegungslos da , so gewaltig hatte ihn des Schultheißen Rede zerschmettert , weil sie eine Masse von Unrecht auf ihn warf , die er nicht mit einem heftigen Worte abzuschütteln die Macht besaß . - Der Schultheiß dagegen freute sich , den überaus verhaßten Schöffen , so recht in ' s Leben treffen zu können , und sprach mit boshaftem Lächeln weiter : » Wie steht ' s mit Euerm Weibe , Diether ? Ich hörte schon in aller frühe , Margarethe sey entlaufen . Läugnet nicht , denn ich weiß es von guter Hand , wie es schon die Stadt weiß , und mich wundert nur , daß Ihr mir nicht auf den Kopf zusagt , ich hätte sie Euch gestohlen . Wie es aber auch damit gegangen seyn mag , ... ich kann ihr nicht Unrecht geben . Einmal ist es hart für eine