. Wie ein neues Wunder des Malimmes war ' s. Herr Heinrich konnte am folgenden Morgen zu seinen schreienden Hirschen reisen . Er reiste mit solcher Hast , daß er an einem schwülen , wolkenschweren Morgen bei Mühldorf den kleinen Reiterzug der Berchtesgadnischen und den Reiseschwarm der Salzburger überholte , die zwei Tage früher von Regensburg aufgebrochen waren . Gegen Abend drohte vom schwarzgewordenen Himmel ein schweres Oktobergewitter herunterzufallen . Man mußte einen Wolkenbruch besorgen . Fürst Pienzenauer , der weit hinter den Salzburgischen zurückgeblieben war , beschleunigte die gemächliche Reise , um vor dem drohenden Wasserguß das Städtchen Laufen noch zu erreichen . Als durch eine Waldgasse schon die Türme und Mauern der kleinen festen Stadt zu erblicken waren , hörte man über die Straße her ein wildes , zorniges Geschrei . Lampert Someiner jagte voraus und brachte seinem Fürsten die Nachricht , zu Laufen wüßte man schon , daß von Regensburg der schwarze Tod in die Welt liefe ; jetzt hätte der Rat von Laufen das Tor gesperrt , gedächte keinen Reisenden in die Stadt zu lassen und hielte mit einem Häuflein von Spießknechten und bewehrten Bürgern die Straße verriegelt ; darüber wäre ein Zank zwischen den Salzburgischen und denen von Laufen ausgebrochen und die Streithähne wären schon nahe daran , mit dem Eisen aufeinander loszuschlagen . » Ein Jammer , Lampert ! « klagte Herr Pienzenauer . » Die Menschen mögen nicht lernen . Komm ! Da müssen wir Frieden stiften . « Die beiden spornten ihre Gäule . Ehe sie die Stelle erreichen konnten , von der das wüste Geschrei zu hören war , wurde zwischen denen von Salzburg und Laufen schon mit dem Eisen geredet . In der Abenddämmerung gab es Funken . Doch die kleine Straßenschlacht , die da begonnen hatte , war noch zu keinem Toten , nicht einmal zu einem leicht Verwundeten gediehen und nahm mit verblüffender Schnelligkeit ein Ende . Aus dem Himmel fuhr ein Blitz in den Wald herunter , wie ein brennender Baum so dick ; ein Donner rasselte , daß die Erde beben mußte ; und plötzlich wurde die dunkle Höhe der Lüfte weiß , so weiß wie Schnee . Ein grauenvolles Sausen und Geknatter . Und mit Körnern , die größer als eine Nuß und nicht viel kleiner als ein Hühnerei waren , prasselte der Hagel in dicker Masse auf die erschrockene Welt herunter . Das klang auf den Kürassen und Eisenhüten derer von Salzburg und Laufen , als würde mit tausend harten Löffeln auf tausend blecherne Pfannen getrommelt . Die Gäule wurden scheu , die Knechte zu Fuß begannen wie Narren zu rennen , und immer hörte man die flinkversöhnten Helden schreien : » Au ! Au ! Au ! « Propst Pienzenauer und Lampert hatten sich mit ihren Rossen in einen Heuschuppen geflüchtet . Durch den weißen Schnürchenvorhang der Hagelkörner sahen sie ein komisches Gezappel von Gäulen und Menschen , die nach allen Richtungen auseinanderstoben . Das war anzuschauen wie der lustige Hohn und Übermut eines Fastnachtspieles . » Seht nur , Herr « , sagte Lampert Someiner , » der Himmel kann doch das ! Warum macht er ' s nicht immer so , bevor die Menschen zu stoßenden Ochsen werden ? « » Da müßte der Himmel hageln lassen durch Tag und Nacht . « Lächelnd sah der Graubärtige den jungen Gesellen an . » Und der Himmel hat auch Blumen erschaffen . Die wollen Zeit haben , um zu blühen . « Hinter dem Hagel kamen unter Blitz und Donner noch so schwere Regengüsse , daß es die Schindeln des Heuschuppens diesem Wassersturz nicht verwehren konnten , die zwei Philosophen einzuweichen bis auf die Haut . Fürst Peter sagte : » Komm ! Wir wollen reiten . Draußen werden wir auch nicht nässer ! « Sie trabten durch den strömenden Regen . Hinter Laufen fand sich auf dunkler Straße ihr halbes Geleit und ein Trupp der Salzburger mit ihnen zusammen . Erst blieb man stumm . Dann wurde man heiter . Weil alle so lieblich plätscherten , spottete einer über den andern . Drei Stunden nach Mitternacht , als man Salzburg erreichte , begann der Regen zu versiegen . Sterne guckten durch die ziehenden Nebel , und frischbeschneite Bergspitzen sahen aus , als hätten sie Mondschein . » Ich will rasten und mich trocken legen ! « sagte Fürst Pienzenauer in der Herberg . » In dir ist Ungeduld . Dich will ich nicht halten . Reite voraus ! « Lampert fand keinen höflichen Widerspruch . Er leerte einen Becher Glühwein , genoß einen Bissen und sprang in den Sattel . Die rein werdende Frühe dämmerte , während er durch die stillen Gassen der Stadt davontrabte . Draußen auf der freien Straße ließ er den Moorle jagen . Der Pongauer , der bei aller Müdigkeit die nahe Heimat witterte , machte Sprünge , als müßte er einem Sumpf entrinnen und festen Boden finden . Und wurde der Gaul ein bißchen ruhiger , so brauchte der vorgebeugte Reiter , dessen Eisenzeug sich nach dem Regen und bei der frischen Morgenluft in roten Rost zu tauchen begann , nur leise mit der Zunge zu schnalzen . Und der Pongauer stieß mit keuchenden Sprüngen vorwärts . Die Ache rauschte mit so vielem Wasser neben dem Untersberge her , daß man das Röhren der Hirsche von den Wiesen des engen Tales und aus den steilen Wäldern nur wie ein dumpfes Murren vernahm . Immer heller wurde der Morgen , immer blauer der klare Himmel . Um eine dunkle Bergrippe herum , die letzte Wende . Und der weite herrliche Talkessel von Berchtesgaden tat sich auf mit nebeldampfenden Tiefen , mit einem Kranze rot und gelb gewordener Wälder unter den sammetgrünen Fichtengehängen , mit den weißbeschneiten Almen und den silbernen Zinnen , die sich vor der kommenden Sonne schon in glühendes Gold verwandelten . Lampert Someiner mußte schreien wie ein Trunkener . Schmerz und Freude brannten in seiner Seele , in seinem Herzen , in seinem Blut