« lachten die übrigen und gingen hin , mein Schicksal zu betrachten . Ich blieb vor der siegreichen Arbeit stehen und dachte seufzend : Wer ' s kann , der macht ' s ! Wie ich aber das Bild länger studierte , glaubte ich zu entdecken , daß die von dem Maler getroffenen Abänderungen wohl für seinen technischen Standpunkt gut und nützlich , dagegen für meine platonische Art eher schädlich gewesen seien . Denn da mir der energische Glanz seines Pinsels nicht zu Gebote stand , so wäre die tiefere Innerlichkeit meines ersten Entwurfes , die nachwirkende Unmittelbarkeit der reichen Naturstudie mit ihrer Formenfülle für den Liebhaber ein etwelcher Ersatz gewesen . Als ich im Weggehen einen Augenblick vor meinem verlassenen Bilde weilte , überzeugte ich mich , daß es , statt besser zu werden durch den Ratschlag des Meisters , förmlich verarmt , zum Beweis , daß auch in diesen Dingen der Fink nichts von der Drossel lernt . Nach der bestehenden Ordnung mußte ich mein Werk acht Tage auf der Ausstellung lassen , während welcher keine Seele nach seinem Preise fragte . Dann holte ich es weg und lehnte es einstweilen an die Wand . Dann ging ich in das nebenliegende Schlafzimmerchen hinein und setzte mich auf meinen dort stehenden Reisekoffer , was meine Gewohnheit war , wenn ich etwas Kritisches zu überlegen hatte , weil der Koffer ein Stück heimatlichen Gerätes war . So verlief der Ausgang meines ersten Versuches , ein Stück Brot zu erwerben . Was ist Erwerb und was ist Arbeit ? fragte ich mich ; hier führt ein bloßes Wollen , ein glücklicher Einfall ohne Mühe zu reichlichem Gewinne , dort eine geordnete , nachaltige Mühe , welche mehr wirklicher Arbeit gleicht , aber ohne innere Wahrheit , ohne notwendigen Zweck , ohne Idee . Hier heißt Arbeit , lohnt sich und wird zur Tugend , was dort Müßiggang , Nutzlosigkeit und Torheit ist . Hier nützt und hilft etwas stückweise , ohne wahr zu sein ; dort ist etwas wahr und natürlich , ohne zu helfen , und immer ist der Erfolg der König , der den Ritterschlag erteilt . - Ein Spekulant gerät auf die Idee der Revalenta arabica ( so nennt er es wenigstens ) und bebaut dieselbe mit aller Umsicht und Ausdauer ; sie gewinnt eine ungeheure Ausdehnung und gelingt glänzend ; tausend Menschen werden in Bewegung gesetzt und Hunderttausende , vielleicht Millionen gewonnen , obgleich jedermann sagt : Es ist ein Schwindel ! Und doch nennt man sonst Schwindel und Betrug , was ohne Arbeit und Mühe Gewinn schaffen soll . Niemand aber wird sagen können , daß das Revalentageschäft ohne Arbeit betrieben werde ; es herrschen da gewiß so gute Ordnung , Fleiß und Betriebsamkeit , Um- und Übersicht wie in dem ehrbarsten Handelshause oder Staatsgeschäfte ; auf den Einfall des Spekulanten gegründet , ist eine umfassende Tätigkeit , eine wirkliche Arbeit entstanden . Die Beschaffung des Mehles , die Anfertigung der Büchsen , das Verpacken und Versenden erhält viele Arbeiter ; ebenso viele werden beschäftigt durch die zahllosen marktschreierischen Ankündigungen , mit der größten Mühe und Umsicht betrieben . Keine Stadt der verschiedenen Kontinente gibt es , in welcher nicht Setzer und Drucker mit der Herstellung der Inserate und Reklamen Nahrung finden , kein Dorf , in welchem nicht ein Wiederverkäufer eine kleine Steuer darauf erhebt . Diese läuft in tausend Äderchen zusammen und wird in hundert Bankhäusern von ehrwürdigen Buchhaltern , lakonischen Kassieren weitergeleitet bis an die Quelle der Idee zurück . Dort sitzen die Urheber in ihrem Comptoir mit ernster Miene in tiefsinniger Tätigkeit ; denn sie haben nicht nur das tägliche Geschäft zu überwachen und fortzuführen , sie haben schon auch ihre Handelspolitik zu studieren , um dem Bohnenmehl neue Bahnen zu eröffnen , es in diesem , in jenem Weltteile vor drohender Konkurrenz zu schützen . Doch nicht immer waltet die tiefe Geschäftsstille , die unverbrüchliche Strenge der Arbeit in diesen Räumen ; es gibt Tage der Erholung , der Freude , der sittlichen Belohnung , welche den heiligen Ernst lieblich unterbrechen . Das Zutrauen der Mitbürger hat das Haupt des Hauses mit magistratischen Würden geehrt , und es findet eine anständige Bewirtung aller Schutzbefohlenen statt . Oder es wird die Hochzeit der ältesten Tochter gefeiert , ein Ehrentag für alle , die es angeht ; denn es hat sich die durchaus ebenbürtige Verbindung mit der angesehensten Familie des Stadtviertels vollzogen ; die Reichtümer sind auf beiden Seiten so gleichmäßig abgewogen , daß keine vernünftige Störung des ehelichen Glückes denkbar ist . Schon am Vorabend wurden Wagenladungen von Palmen und Myrtenbäumen ins Haus gebracht und die Blumenkränze aufgehangen ; am Morgen füllt sich die Gasse mit Neugierigen , und das Volk weicht ehrerbietig vor den Kutschen zurück , die in endloser Reihe auffahren , wegfahren und wieder zurückkehren , bis das Festmahl unter schmetternden Fanfaren seinen Anfang nimmt . Bald aber tritt lautlose Stille ein , als der Brautvater an das Glas schlägt und mit bescheidener Rührung , ohne das Schicksal herauszufordern , seinen Lebensgang schildert und das höhere Walten preist , das ihn , den Unwürdigen , so weit geführt habe , wie jetzt allen Augen sichtbar sei . Mit nacktem Wanderstabe , der noch im stillen Kämmerlein aufbewahrt werde , sei er einst in diese werte Stadt gekommen und habe Schritt für Schritt mit Not und Sorge , aber unverdrossenem Fleiße gekämpft und öfters fast den Mut verloren ; allein die edle Gattin , die Mutter seiner Kinder , zur Seite , habe er sich immer wieder aufgerichtet und seine Blicke auf das eine , das Große geheftet , was da not getan ! Einsame lange Nächte hindurch habe er mit dem schöpferischen Gedanken gerungen , dessen Früchte nun einer Welt zum Segen gereichen und allerdings nebenbei auch sein redliches Streben gelohnt , einen bescheidenen Wohlstand bereitet haben usw. So wird aber Revalenta arabica gemacht in noch vielen Dingen , nur mit dem Unterschiede , daß es nicht immer unschädliches