Freiheit ? und ihr huldigst Du ! und ihr bist Du bereit , allerhand Opfer zu bringen ! und von ihr erwartest Du die Wonne Deines Lebens ! Und was Du tust für ein sterbliches Wesen und es gerechtfertigt findest durch Deine Liebe - und wenn Dich tausendmal die Welt deshalb verdammt ! - Das nennst Du wahnwitzig , wenn es gilt , die Liebe zu einer unsterblichen Idee in Taten auszuprägen ? wenn es gilt , die wonnige Braut der Menschheit , die Freiheit , in ihrer vollen , wilden , ungeschminkten Schönheit zu erringen ! wenn es gilt , mit ihr eine neue Aera zu begründen - nicht für ein Haus und an einem Herde ! sondern für die große Familie der Nationen , die nach ihr schmachtet und der sie schon so lange verheißen ist . Ich sehe , Orest , daß ich auf Dich noch geraume Zeit werde warten müssen . « » Ja , « entgegnete Orest kaltblütig ; » und um so länger , je glücklicher ich sein werde . Kein glücklicher , mit seinem Schicksal zufriedener Mensch macht Revolution . Drum habt ihr bei den euren immer Banditen und Leute dieses Schlages bei der Hand , die ihr Glück erst machen wollen und in ruhigen Zeiten und geordneten Zuständen nicht dazu kommen können . Also auf mich rechne nicht . « - - Hyazinth hatte Coronas Mitteilungen mit um so größerem Schmerz aufgenommen , als er vor ihr verbergen mußte , wie tief sie auch ihn erschütterten . Corona verlangte von ihm in Geduld und Kraft bestärkt und zu edler Ergebung ermuntert zu werden . In dem Sinn mußte er zu ihr sprechen und von demselben beseelt vor ihr erscheinen , denn das ist der ächt christliche Sinn : er ist gefaßt in den Willen Gottes - nicht aus Stumpfheit , sondern weil er ein St. Christophorus des Geistes , ein Riese in der himmlischen Liebe ist , und durch die brausenden Wellen des reißenden Lebensstromes zärtlich und unerschütterlich den Heiland der Welt auf seinen Schultern trägt . Wohl stand Hyazinth mit seinem Willen auf diesem Gipfelpunkt des inneren Lebens ; aber er sah zugleich auch in den Abgrund hinab , in welchem die Sünde , die tötliche Beleidigung Gottes fort und fort geboren wird und sah diesen Abgrund geöffnet im Herzen seiner Familie , unter dem Dach seines Hauses . Welche Strafgerichte konnten da nicht einbrechen ! auf welche Gottesgeißel mußte man da nicht gefaßt sein ! Wird die Ehe nicht in ihrer vollen Heiligkeit hoch und unangetastet gehalten , so durchschleicht ein geistiges Gift nicht ein Herz allein , sondern es ergießt sich , wie die übervolle Schale eines Springbrunnens in ein weiteres Becken - in die Familie , und geht aus ihr , in tausend Kanälen , deren Zusammenhang das Menschenauge freilich selten entdeckt , in die ganze menschliche Gesellschaft über . Denn der Mensch ist nicht ein abgerissenes Einzelwesen , das ohne Zusammenhang mit seinesgleichen und mit den Höhen und den Tiefen , die ihn umgeben , sein Dasein für sich allein hat , wie eine Kugel dahin rollt . Durch das Gnadenleben , welches Christus der Menschheit gebracht hat , ist sie in eine übernatürliche Gemeinschaft eingetreten und zu einem mystischen Leibe geworden , an welchem die Schönheit und Vollkommenheit jedes einzelnen Gliedes dem Ganzen zur Zier gereicht . Indem jeder einzelne an seiner Vervollkommnung arbeitet , dient er zugleich der übernatürlichen Gemeinschaft und trägt , nach dem Maß , das ihm geworden , sein Sandkorn oder seinen Edelstein zu ihrer Vervollkommnung bei . Wer es nicht tut , reißt eine Lücke in sie ; seine Arbeit fehlt ; der Platz ist leer , den er ausfüllen sollte , und alsbald zeigt sich und vergrößert sich der Schaden . Wo eine Lücke war , bröckelt mehr und mehr die Mauer ein , bis sie zusammenstürzt und aus einem schönen Gebäude einen Schutthaufen macht , worin häßliches Getier wohnt . Je mehr der Mensch von der Wahrheit und Wärme dieser übernatürlichen Lebensgemeinschaft durchdrungen ist , welche durch die Menschwerdung Gottes begründet und durch die Sakramente erhalten wird , desto schärfer erkennt er den Frevel gegen diese göttliche Liebesordnung , der in der Sünde liegt ; desto schmerzlicher beweint er die Vereitlung göttlicher Liebesabsicht , welche sich der Frevler in sündiger Verblendung zu Schulden kommen läßt . Und das war Hyazinths untröstlicher Gram : die Sünde hatte sich eingenistet in seinem Hause ! sein Bruder vergaß Gott und seine Pflicht und huldigt einem Götzen und seiner Leidenschaft ; und wie weit der innere Abfall ihn auch äußerlich noch stürzen werde - das war nicht zu berechnen und ließ den schlimmsten Befürchtungen Raum . Ihm war zu Mut , als müsse er sich vor den Abgrund werfen , dem Orest zutaumelte , und den Berauschten auffangen und festhalten - sollte er auch unter der Last zusammenbrechen . Mit unaussprechlichen Ängsten und mit grenzenlosem Vertrauen bat und flehte , weinte und seufzte er vor Gott um die Rettung seines Bruders , und indem er sein Kreuz an das des göttlichen Erlösers lehnte , begehrte Hyazinth sein Opfer mit dem Opfer des Gottessohnes zu vereinigen und die Seelen zu lieben , wie Christus sie geliebt hat : für alle sein Blut zu vergießen , für die fremdeste , die geringste , die unbekannteste - nicht für Orest allein . So lebten sie alle ein Doppelleben , wie das bei den meisten Menschen der Fall ist ; äußerlich - rosenrot , Sammt und Seide , gefälliger Umgang , genußreiche Unterhaltung . Trat dann jeder in sein Kämmerlein zurück , so war es anders ! da fand sich jeder gegenüber seinem Herzen , das die Folge und Strafe der Sünde , der eigenen und der fremden - einen Dornenkranz trug . Das Auge der Welt Es gehörte zu Florentins größten Peinen , daß Judith nach wie vor eine treue Freundschaft für Lelio bewahrte . Die kleine Mißstimmung , die sie am Genfersee gegen ihn äußerte