Aber nein , sagte er , ich muß Ihnen doch irgend ein Opfer bringen , irgend eine Sühne ! Wollen wir uns duelliren ? fiel er ein . Auf Kanonen ? war meine Antwort . Soll ich mit der neuen Hebemaschine , die ich construire , sagte er , mich zur Probe so oft in die Luft schleudern lassen , bis ich mich in einen unappetitlichen Brei verwandelt habe ? Als ich auch dies großartige Opfer nicht annehmen wollte , sagte er : Verlangen Sie , daß ich mich zur Strafe in meinen chemischen Tincturen vergreife und eine Portion Äther trinke und mit dem Motto : Leichte Lüfte heben mich ! in ' s Unendliche verschwebe ? Kurz ich lehnte alle seine komischen Opfer ab , bis wir auf unserm Schlendergange in der Wallstraße vor einem Hause standen , wo wir einen kleinen Schild ausgehängt fanden , mit der Inschrift : Armand Doreur de Paris . Neben dem Schilde hingen in einem großen Glaskasten eine Menge sehr feingearbeiteter , bronzirter Goldleisten . Da , Leidenfrost ! sagt ' ich , zur Strafe sollen Sie zwanzig Thaler zahlen und wissen Sie , auf welche Art ? Ich weiß es , sagte er : Wir gehen zu Lippi und bestellen zehn Flaschen Champagner , von denen Sie eine trinken , ich muß die übrigen neun vor meinen Augen von Ihnen zum Fenster ausgegossen sehen und nicht einen Tropfen bekommen . Ist Das keine Strafe ? Zu hart ! sagte ich . Gut denn , schlug er vor , so trink ' ich davon so viel , bis ich nicht stehen kann und dann jagen Sie mich auf die Straße , daß die Jungen hinter mir herlaufen und ich ein Pietist werden muß , um meinen verlorenen guten Ruf wiederherzustellen . Noch zu stark ! sagte ich . Zur Strafe sollen Sie mir hier bei dem aus Paris neuangekommenen Franzosen , der allen Ateliers seine Karte geschickt hat , einen prachtvollen Rahmen zu einem neuen Gemälde schenken , durch das ich mich an Ihnen rächen will . Bravo ! rief er und zog mich die Stiege hinauf zu Monsieur Armand Doreur de Paris . Wie wir bei diesem eintreten ... Hier wurde Siegbert ' s Erzählung und Dankmar ' s gespanntere Aufmerksamkeit unterbrochen . Ein Offizier ritt eben vorüber und hielt , da er Siegbert zu kennen schien , mitten auf der Straße an . Siegbert zog artig den Hut und trat zu ihm vom Bürgerstiege näher . Das Bild wird vortrefflich ! sagte der Offizier , eine hagere , aber strengmilitairische Erscheinung mit durchdringenden Augen und einem eigenthümlichen Lächeln , das halb graziös , halb sarkastisch erschien . Ich danke Ihnen , Herr Major , für die gute Vormeinung ! sagte Siegbert . Doch wissen Sie wohl , wie bedenklich es ist , ein Portrait in seiner ersten Anlage zu beurtheilen .... Ich muß doppelt dankbar sein , sagte der Offizier , da meine Frau nicht genug rühmen kann , wie anregend sie von Ihnen unterhalten wird .. Bitte , Herr Major ! Wann dürfen wir Sie heute erwarten ? Ich wollte eben der gnädigen Frau anzeigen , daß ich heute vielleicht eine Sitzung überspringen werde und erst morgen fortfahre .... Wie Sie wünschen , Herr Wildungen ! Soll ich Ihnen den Weg ersparen und es meiner Frau selbst anzeigen .. ? Sie sind zu gütig , Herr Major ! Meine Schuldigkeit ! Guten Morgen , meine Herren ! Damit lenkte der Offizier vom Trottoir zurück und sprengte mit einer artigen Begrüßung , die auch Dankmarn galt , von dannen . Siegbert war von dieser Unterredung etwas verlegen geworden . Das muß ich sagen ! begann Dankmar . Du bist mir völlig fremd ! Du steckst ja in lauter neuen Verhältnissen ! Wer ist denn Das ? Der Major von Werdeck , sagte Siegbert , dessen Frau ich male .... Frau von Werdeck , fiel Dankmar sich besinnend ein ; eine Polin - ? Ganz Recht , antwortete Siegbert , eine geborene Kaminska .... Eine vortreffliche Reiterin , eine Amazone , die dir scheinbar zu einem Portrait sitzt und sich ärgert , daß du keine Tête à Têtes aus diesen Sitzungen machst ! Abscheulich ! Dankmar ! Dankmar ! Die Welt taugt aber nichts , lieber Bruder ! Aber die Menschen taugen noch hie und da etwas . Diese Polin liebt nur Eins , ihr Vaterland .. Hoffentlich nach dem Major von Werdeck ... ? Ich glaube auch ihn nur , wenn er die Gedanken theilt , die durch ihr glühendes Herz gehen ... Dankmar besann sich , daß er auf der Rückreise von Hohenberg noch vorgestern von der Majorin von Werdeck wie von einer Demokratin hatte reden hören ... Wem verdankst du diese Bekanntschaft ? fragte er . Auch meinem Max Leidenfrost ! sagte Siegbert . Er trat mir diese Bestellung eines Portraits ab . Er ist rührend in der Art , wie er mich versöhnen will . Auch glaub ' ich wol , daß Major von Werdeck Anstand nehmen mußte , diesen Cyniker , den er übrigens sehr schätzt , in das Boudoir seiner Frau zu führen . So entschloß ich mich , die Bestellung zu übernehmen und freue mich , hier mehr als ein Portrait zu liefern . Diese leidenschaftliche Frau trägt den Typus ihrer Nationalität in jeder Fiber ihres Antlitzes . Die Bitterkeit ihrer Ansichten ist so grell , daß ich sie oft ersuchen muß , sich zu mäßigen , damit sie nicht unschön erscheint . Ich opponire ihr meist nur aus ästhetischen Rücksichten .. Dankmar war durch den Anblick jenes Offiziers , der wieder etwas von der fesselnden Ausströmung besaß , die ihn sogleich auch für Ackermann gewonnen hatte , noch theilnehmend beschäftigt . Er verfiel in die Gedankenreihe , wie wol ein Offizier in dem bekanntlich streng genug ihm vorgezeichneten officiellen Ideenkreise sich behaglich fühlen könne , wenn ein geliebtes Weib ihm den ganzen Schmerz einer durch die Politik zerrissenen Nation und die Hoffnungen , die