. Schon war die Nacht weit vorgerückt , schon brach sich die Wuth des Fiebers , da nahete aufs Neue ein wildes Geheul ihrer Thür . Selbst in der Verwilderung ihres Geistes erkannte sie die grauenhaften Töne , die so oft zur Nacht das Schloß aufstörten durch den Wahnsinn der furchtbaren Lady Sommerset , und ein heller Schrei des Entsetzens entfuhr ihren Lippen , als sie die Thür aufreißen sah , und die Wahnsinnige mit einem Doppelleuchter und zwei Kerzen hereinstürzte . Langsam heulend nahte sie sich lauschend ; vorgebogen streckte sie den Leuchter nach dem Lager vor und betrachtete mit starren , trüben Augen das Schlachtopfer ihrer Wuth . Ich komme , Dich selbst zu pflegen , rief sie höhnisch , da ich Dir Electa eingesperrt habe . Ja , Du wirst bald genesen , koste nur erst von meiner Arznei ! Ein schauderhaftes Lachen folgte diesen Worten . Sie setzte den Leuchter taumelnd auf die Erde und rieb sich wie in großer Angst die Hände . Arznei war es ! schrie sie plötzlich furchtbar auf , über Maria hinaus blickend , wie nach einem andern Gegenwärtigen . Ich sage Dir , Arznei war es , die ich Overbury schickte , nicht Gift ! nicht Gift ! nicht - nicht Gift ! Furchtbar röchelnd wiederholte sie dies letzte Wort viele Mal hinter einander , während sie , starr zum Boden blickend , alles Andere vergessen zu haben schien und so furchtbar zitterte , daß ihre dürren Glieder zu knistern schienen . Doch plötzlich , mit dem schnellen Wechsel des Wahnsinns , fuhr sie empor . Aber Du , Du , rief sie , auf Maria einstürzend , sollst mir büßen ! Er war so schnell , den Platz einzunehmen , von dem er ihn verdrängt ; Herzog mußte der Bube Villiers werden , Herzog , Herzog ! wie mein Sommerset , und ich sollte mich nicht rächen ? Habe ich doch Dich , auf die er neue Pläne des Ehrgeizes baut , bist Du mir doch sicher . Nie , nie sollst Du sie wiedersehn ! Nennt mich die ganze Welt Giftmischerin , Mörderin , wohlan , ich will den Ruf verdienen , an Dir verdienen . Mit diesen Worten flog sie auf Maria zu und umklammerte sie mit der Stärke des Wahnsinns . Starr vor Entsetzen hatte die Unglückliche den ganzen Vorgang mit angesehn und , von der eignen Qual des heißen Fiebers beherrscht , kein Gebein geregt . Als sie sich aber jetzt in der Todesnoth von den wüthend eingegrabenen Händen des schrecklichen Weibes fast erwürgt fühlte , erwachte alle Kraft der Jugend , erhöht durch die Ueberspannung des Fiebers , und sie riß sich mit der schrecklichen Last empor und schleuderte die würgenden Hände von ihrem Halse los . Doch wenn auch ihr erstes Erstaunen , Widerstand zu finden , die Wahnsinnige abgewiesen hatte , mit neuer Wuth fühlte sich Maria bald umklammert , und ihre eigenen Kräfte , vom Fieber verzehrt , schienen zu erlahmen , ihre Besinnung ward undeutlich , ihr Haupt heiß und schwer , ihr Auge ließ sie alle Gegenstände im Kreise tanzend sehen . Noch eine angstvolle Bewegung , sich loszuwinden , machte sie , dann brachen ihre Kniee , sie sank mit ihrer Verfolgerin zur Erde , so daß sie den Armleuchter umwarf und die Kerzen erloschen . Die tiefste Dunkelheit , welche jetzt beide Ringende umfing , änderte plötzlich die Scene . Die Wahnsinnige schien zu vergessen , was sie vorhatte , als sie Maria nicht mehr sehen konnte ; sie ließ sie los und richtete sich auf . Wo bist Du , Sommerset ? sprach sie leise ; sprich , mein Gemahl , wo soll ich Dich finden ? Warum gehst Du so einsam durch die Nacht ? Overbury starb ja nicht an Gift , Du , Du wenigstens bist ja unschuldig ; ich werde Dich suchen , Du darfst nicht ohne Beichte sterben . Komm in Dein Zimmer , heulte sie von Neuem furchtbar auf , stirb nicht auf der Treppe , ehe Dir die Kirche vergab ! - Seine Leiche , seine Leiche ! schrie sie plötzlich auf , als sie an Maria ' s daliegenden Körper stieß , und eilte , sich aus der Thür zu stürzen , die eben von Außen geöffnet ward und einen matten Lampenschein eindringen ließ . Wüthend und blind für jeden Gegenstand stürzte die Elende an der Eindringenden vorüber , den langen Gang in grauenvoller Schnelligkeit hinabfliegend , von dem aus sie einen erleuchteten Vorplatz erreichte . Zum Tode erschreckt trat Margarith nun näher ; denn diese arme Leidtragende hatte nach der Ermüdung in ihrem Kummer voll Sorge ihres Fräuleins gedacht und sich einsam durch die langen Wege geschlichen , die Einzige zu erreichen , bei der sie Linderung hoffte , die Einzige , die ihr in diesem Schlosse geblieben . Doch wie fand sie dieselbe , todtenbleich und einer Leiche ähnelnd , mit zerrissenen Kleidern , mit blutender Stirne ! Margarith zweifelte nicht , das entsetzliche Weib habe sie erdrosselt . Ihr Schmerz und ihre Verzweiflung drohten sie anfänglich zu überwältigen , aber das Gefühl , wie viel darauf ankäme , daß sie bei Besinnung bliebe , und die gänzliche Hülflosigkeit ihrer Lage riefen ihre Kräfte ins Leben und gaben ihr die Mittel ein , eine Rettung zu versuchen . Sie brachte die Unglückliche nach ihrem Bette , sie wusch das Blut ab und verband die Wunde , deren Ursache sie an dem blutig daneben liegenden Armleuchter erkannte , und hatte die unaussprechliche Genugthuung , bald einen Seufzer , dann ein leises Athmen wiederkehren zu hören und endlich die Augen sich öffnen zu sehen , die nun keinen Zweifel ließen , daß sie lebe . Aber wie wenig schien damit erreicht , als Margarith nun erst erkannte , wie zerstört die geliebte Herrin war . Angstvoll und unsicher irrten die Augen der Erwachten umher , sie verstand keine Frage , die Margarith that , oder konnte doch die krampfhaft