denn weiter auf der Erde die Stelle als auf dem Schlachtfeld , wo alle Kräfte , alle Opfer und Tugenden eines ganzen Lebens , in eine Stunde gedrängt , in göttlicher Freiheit zusammenspielen mit tausend Schwester-Kräften und Opfern ? Wo sind denn allen Kräften , von dem schnellsten Scharfblick an bis zu allen körperlichen Fertigkeiten und Abhärtungen , von der höchsten Großmut und Ehre an bis auf die weichste Träne herab , von jeder Verachtung des Körpers an bis zur tödlichen Wunde hinauf , so alle Schranken aufgetan für einen wetteifernden Bund ? Wiewohl eben darum der Spielraum aller Götter auch dem Larventanz aller Furien freisteht . Nimm nur den Krieg höher , wo die Geister , ohne Verhältnis des Gewinstes zum Verlust , nur aus Kraft der Ehre und des Zwecks , sich dem Schicksal verdingen , daß es unter ihren Körpern die Leichen auslese und das Los des Sieges aus den Gräbern ziehe . - Zwei Völker gehen auf die Schlacht-Ebene , die tragische Bühne eines höhern Geistes , um ohne persönlichen Haß die Todesrollen gegeneinander zu spielen - still und schwarz liegt die Gewitterwolke auf dem Schlachtfeld - die Völker ziehen hinein in die Wolke , und alle ihre Donner schlagen , und düster und allein brennt die Todesfackel über ihr - es wird endlich Licht , und zwei Ehrenpforten stehen aufgebauet , die Todespforte und das Siegestor , und das Heer hat sich geteilt und ist durch beide gezogen , aber durch beide mit Kränzen . - Und wenn es vorüber ist , stehen die Toten und die Lebendigen erhaben in der Welt , weil sie das Leben nicht geachtet hatten . - Wenn aber der große Tag noch größer werden , wenn dem Geiste das Köstlichste kommen soll , was das Leben heiligen kann : so stellt Gott einen Epaminondas , einen Kato , einen Gustav Adolph vor das geheiligte Heer - und die Freiheit ist zugleich die Fahne und die Palme - o selig , wer dann lebt oder stirbt für den Kriegs-Gott und für die Friedens-Göttin zugleich . - Lasse mich das nicht durch Sprechen entweihen . Nimm aber hier mein leises festes Wort und leg es in deine Brust zurück , daß ich mir , sobald Galliens wahrscheinlicher Freiheitskrieg anhebt , meine Rolle durchaus nehme in ihm , für ihn . Abhalten kann mich nichts , auch nicht mein Vater . Dieser Entschluß gehört zu meiner Ruhe und Existenz . Aus Ehrgeiz ergreif ' ich ihn nicht ; obwohl aus Ehrliebe gegen mich selber . Schon in meinen frühern Jahren konnt ' ich nie das platte Lob einer ewigen häuslichen Glückseligkeit genießen , was gewiß eher Weibern als Männern geziemt . Freilich deine Stärke oder Gemütsweise , alles Große ruhig aufzunehmen und die Welt still in einen innern Traum zu zerschmelzen , hat wohl niemand . Du schauest die Abendwolken an und hernach die Milchstraße und sagst kalt : Gewölk ! Kommst du aber doch nicht zu tief in dieses Gefühl , in diese kalte Gruft hinunter ? Zwar will das Gift dieses Gefühls einen überall und gerade in Rom , diesem Kirchhof so ferner Völker , so entgegengesetzter Jahrhunderte , süßer als irgendwo verzehren ; aber wüßtest du vom Vergänglichen ohne den Nebenstand des Unvergänglichen , und wo wohnt der Tod als im Leben ? Lasse verstieben und versiegen ! es gibt doch drei Unsterblichkeiten - wiewohl du die erste , die überirdische , nicht glaubst - : die unterirdische ( denn das All kann verstäuben , aber nicht sein Staub ) und die ewigwirkende darin , die , daß jede Tat viel gewisser eine ewige Mutter wird als eine ewige Tochter ist . Und dieser Bund mit dem Universum und mit der Ewigkeit macht der Ephemere Mut , in ihrer Flug-Minute das Blütenstäubchen weiterzutragen und auszusäen , das im nächsten Jahrtausend vielleicht als Palmenwald dasteht . Ob ich mich meinem Vater entdecke , ist mir noch zweifelhaft , weil ich es noch darüber bin , ob ich seine bisherigen Äußerungen gegen die Neufranken für scharfen Ernst zu nehmen habe oder nur für die scherzhafte Kälte , womit er sonst gerade seine Gottheiten - Homer , Raffael , Cäsar , Shakespeare - aus Ekel gegen den nachsprecherischen Götzendienst , den der Pöbel der wahren Hoheit wie der falschen erweiset , im Munde führet . - Grüße meinen braven mannhaften Wehrfritz und erinner ' ihn an unser Bundesfest am Zeitungstage der niedergerissenen Bastille . Lebe wohl und bleibe bei mir ! Albano . « An dem Abende dieses Briefes ging er mit seinem Vater in eine Conversazione im Palazzo Colonna - hier fanden sie die schwarzmarmorne Galerie voll Antiken und Gemälde aus einem Kunst- und Gesellschaftszimmer in einen Fechtboden verkehrt , alle Arme und Zungen der Römer waren in Bewegung und Kampf über die neuesten Entwicklungen der gallischen Revolution , und die meisten für sie . Es war damals , wo fast ganz Europa einige Tage lang vergaß , was es aus der politischen und poetischen Geschichte Frankreichs jahrhundertelang gelernt hatte , daß dasselbe leichter eine vergrößerte als eine große Nation werden könnte . Der Ritter allein gab sich lieber den Kunstwerken als dem leeren Gefechte seiner Nachbarschaft hin ; endlich aber hört ' er von weitem , wie Albano , gleich allen damaligen Jünglingen , der Himmels-Königin , der Freiheit , jauchzend nachzog , unter den ewigen Freien und ewigen Sklaven mitgehend nach der damaligen Gleichheit ; da trat er näher und merkte nach seiner Weise an : » die Revolution sei etwas sehr Großes ; er finde indes an großen Werken , z.B. an einem Coliseo , Obeliskus , an dem Flor einer Wissenschaft , an dem Kriege , an der Höhe der Astronomie , der Physik weniger als andere zu bewundern , denn bloß die Menge in der Zeit oder im Raume schaff ' es , eine beträchtliche Vielheit kleiner Kräfte . Aber nur große achte man178 . In der Revolution seh ' er mehr jene als diese -