Seppi Ruechsam mit dem Kopf einen wunderlichen Tunker gegen das Knie gemacht hatte , seine von Leder umhüllte Hand auf die Schulter und sprach : » Du bist gesund . Dich können wir gleich entlassen . Komm ! « » Gelt , ja ? « Ein langsames Aufrichten mit schweren Gliedern . Auch das war komisch . » Hab mir eh schon gedacht , daß ich bis morgen nimmer warten muß . « Nun gab ' s ein klagendes und doch so lustiges Durcheinanderschwatzen , als würde von einer vergnügten Tafelrunde ein Überfröhlicher verfrüht nach Hause geholt . Nur daß man das Küssen und Händedrücken unterließ . Das galt unter dem Dache des heiligen Lazarus als üble Sitte . Bei der Türe rief die weiße Maske noch lachend über die Schulter : » Auf Wiedersehen , ihr lieben Gesellen ! Seid ihr genesen , so treffen wir uns im Bratwursthäusl . Da laß ich allweil ein Dutzend über der Glut halten , daß keiner warten muß , wenn er kommt ! « Hundert heitere Stimmen . Eine Tür fiel ins Schloß . Und während der Scheidende durch die dämmerige Halle taumelte , konnte er vom Saal der Geduld noch immer das Lachen und das heitere Schwatzen der Zurückbleibenden hören . Ruhig fragte er den vermummten Arzt : » Wo steht mein Bett ? « » Nicht weit ! Komm , du Tapferer ! « Als man in der Bettstube aus der weißen Gugel den kranken Malimmes herausschälte , hatte der Duselnde schon einen so dichten Schleier vor den Augen , daß er die anderen Betten nimmer sah . Er fragte in seinem Taumel : » Nächtet ' s schon ? « Wie aus weiter Ferne antwortete eine müde Stimme : » Nach aller Nacht kommt wieder ein Morgen . « » So so ? « Malimmes schmunzelte . Nun lag er ausgestreckt auf den feuchten Kissen , dehnte die Glieder , die zu schmerzen begannen , und plauderte ganz leise vor sich hin : » Jetzt , Frau Königin ! Wo ist das wundertätige Fingerlein ? « Tief atmend schloß er die Augen . Man wollte ihn aus diesem Dusel noch einmal ermuntern , um die heilige Zehrung auf seine Zunge zu legen . Er tat die Augen auf , tastete mit den Händen ins Leere und lallte schwer : » Der Bub - wo ist denn der Bub - « Dann sprach er nimmer . Irgendwo läutete eine kleine , dünne Glocke . Die läutete immer , die ganze Nacht hindurch , den ganzen Tag . Manchmal schwieg sie so lange , daß man halb ein Vaterunser hätte beten können . Bis zum Amen wäre man nicht gekommen . So hurtig und ohne Geduld fing ihr leichter , zappliger Schwengel wieder zu tingeln an . Sie läutete , läutete , läutete - Diese Friedensglocke ! Der die Ärzte prophezeiten , daß sie bis in den Winter tönen würde . - Am dritten Tage bekam der heilige Lazarus schon zahlreiche Gäste aus der Stadt , neben Verdächtigen auch solche , über die kein Zweifel herrschte . Doch der Zuzug von der Holzlände und von den Wiesen außerhalb der Mauer versiegte langsam . Vor dem Ostentor war es still und öd geworden . In den leeren Zehrbuden wurde der Freiwein des gütigen Königs in den halbverzapften Fässern sauer . Und auf dem Anger , obwohl da kein Schwertstreich gefallen war , sah es aus wie nach einer grimmigen Schlacht - nur mit dem Unterschied , daß kein Mensch die grauen Beutestücke haben wollte , die in schrecklicher Menge umherlagen . Und wenn die Schweine , die hungrig von den Dörfern gelaufen kamen , in dieser herrenlosen Erbschaft wühlten , geschah es manchmal , daß eins von den Tieren umfiel , wie vom Blitz erschlagen . Die vierzigtausend , die den geliebten König und ersehnten Retter nur auf der Steinernen Brücke gesehen hatten , waren vor dem großen Sieger , dem auch der König wich , in alle Windrichtungen davongelaufen , vermindert um einige Hunderte . Und sie ließen noch auf allen Straßen , am Wegrain und in den Gräben viele Müdgewordene zurück , die über Nacht des Wanderns völlig vergaßen . Auf den Reisestrecken der Fürsten mußten die Wegmacher vorausreiten , um die Straßen von aller Gefahr zu säubern , die man sehen konnte . Die unsichtbare blieb . Sie lief mit den Laufenden , ritt mit den Reitenden und ließ sich mit den Bequemen in der Sänfte tragen . Am vierten Tage nach dem Friedensfeste war von allen Fürsten nur Herzog Heinrich noch in der Stadt . Er blieb , weil er nicht reisen konnte . Sein Arzt glaubte , das wäre wieder das alte Fieber mit neuen Erscheinungen . Aber es war nur die Wirkung der abergläubischen Todesangst , die den Herzog in der Stunde befallen hatte , als er aus dem Sondersiechenhaus die Nachricht erhielt , daß sein Hofstaat um den Galgenvogel Malimmes vermindert wäre . Herr Heinrich wand sich in Qualen , die mehr seelischer als körperlicher Art waren und sich durch ein ruheloses Nervenzucken in der Magengrube äußerten . Doch als er von Burghausen die Kunde empfing , daß in seinen Bergwäldern die Hirsche gut zu röhren begännen und daß besonders auf den abgebrannten Waldflächen bei Plaien die Brunft eine selten lebendige wäre , machte seine niedergedrückte Seele einen gewaltsamen Ruck nach aufwärts : » Da muß man genesen ! Gott soll ' s wollen ! « Aber er wurde schwächer und elender mit jeder Stunde . Schließlich begehrte er von seinem Leibarzt : » Hilf mir , wie der selige Malimmes geholfen hat ! « Der Medikus war ratlos . Herr Heinrich erklärte ihm die Sache sehr umständlich und genau . Doch als der Leibarzt mit der Handschneide kräftig zuschlug , ging ' s daneben . Der Herzog purzelte stöhnend über das Bett hin , raffte sich wütend auf und verabreichte dem Medikus eine fürchterliche Maulschelle . Diese Aufwallung des Geblütes erwies sich als segensreich